Das geistliche Wort - Gedanken über das Helle als Metapher für das Leben Erst das Licht macht die Welt bewohnbar

Von 
Frank Meessen
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Wir sind wieder mitten in der dunklen Jahreszeit. Dunkel ist sie diesmal aber auch im übertragenen Sinn wegen Corona. Und selbst ohne die Pandemie wird die dunkle Jahreszeit von vielen nicht geliebt. Da geht man abends nur noch ungern vor die Tür. Dunkelheit und Kälte scheinen etwas Lebensfeindliches zu sein.

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Dabei kann man in unseren Breiten kaum noch erleben, was richtige Dunkelheit ist. Irgendwo steht immer eine Straßenlaterne, eine Leuchtreklame, helle Schaufenster oder am Horizont die Lichter unserer Ballungsräume.

Richtige Dunkelheit habe ich mal erlebt, als ich vor zwei Jahren im Januar an der dänischen Nordseeküste war. Ein kleines Dorf direkt am Meer, hauptsächlich Ferienhäuser. Es war kurz vor Mitternacht, als ich noch mal ans Meer ging, kaum noch Lichter in den Häusern. Und sobald die letzten Häuser hinter mir waren, umfing mich nur noch das Schwarze der Nacht.

Ein merkwürdiges Gefühl, wie sich die Welt im Dunkeln verändert. Der mir eigentlich vertraute Strand war zu einem fremden Gelände geworden, und nur das Geräusch des Meeres lieferte noch ein bisschen Orientierung. So oder so ähnlich musste es Menschen im Mittelalter ohne künstliches Licht ergangen sein. Im Winter kam zur Dunkelheit noch Sturm und Kälte dazu. Da ist es leicht zu begreifen, was ein bisschen Wärme und Licht für die Menschen damals bedeutet haben musste.

Wohltuende Bilder

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Und eigentlich geht es mir heute trotz Technik auch nicht viel anders. Ich bin empfänglich für diese Bilder, wenn es dunkel geworden ist und zum Beispiel die beleuchtete Turmspitze des Hüttenfelder Gymnasiums von weitem aussieht wie die Spitze des Eiffelturms. Wenn vor Hauseingängen Kerzen brennen in großen Laternen. Oder wenn ich spät nachts unterwegs bin und ich sehe, dass in Hochhäusern hier und da noch ein Licht brennt. Dann wird es mir klar: die Welt wird bewohnbar durch Licht. Sie wird ein Zuhause, wo im Dunkel ein Licht brennt. Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit kann ich gut verstehen, dass Licht eine Metapher ist für Leben. Auch unter Coronabedingungen. Für ein Leben, das in der christlichen Religion über das Leben im Hier und Jetzt noch hinausgeht. Bild: Privat