Coronavirus - Die Zwingenberger Fußballer haben ein Konzept für Trainer und Spieler entwickelt Eintracht kickt sich in die Normalität

Von 
Thomas Tritsch
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Pressewart Holger Jungblut (l.) und Präsident Gustav Brücher erläuterten bei einem Pressetermin das Konzept der Zwingenberger Fußballer zum Start des Trainingsbetriebs nach der Coronavirus-bedingten Zwangspause. © Thomas Zelinger

Zwingenberg. Der Amateurfußball erobert sich mit der langsamen Rückkehr in den Trainingsbetrieb ein Stück Normalität zurück. Auch wenn elementare Dinge nur in Ansätzen möglich sind. Denn die Abstands- und Hygieneregelungen geben auch im Sport den Takt vor. Unter dem Titel „Zurück auf den Platz“ hat der Deutsche-Fußball-Bund im Mai Leitfäden präsentiert, die beschreiben, wie ein Training trotz Corona möglich sein kann. Eine Orientierungshilfe des DFB für die Clubs vor Ort, von denen etliche angesichts der hohen Auflagen noch zögern, das Training gerade im Jugendbereich wieder hochzufahren.

Kein Sommerfest und kein Strohhut-Festival

Durch die zuletzt wieder gestiegene Anzahl an Neumitgliedern und etliche Werbeverträge stehe der Verein nach einer Schwächephase ab 2017 derzeit auf relativ stabilen Beinen, so der Präsident. „Unsere Mitglieder und Sponsoren halten uns auch in Zeiten ohne Spielbetrieb die Treue“, so Gustav Brücher dankbar.

Personelle Abgänge aufgrund von Corona gebe es nicht. Die Mitgliederzahlen sind stabil. Dennoch betont der Präsident, dass es in diesem Jahr bei der Eintracht nicht ohne finanzielle Verluste gehen werde. Sämtliche Veranstaltungen sind abgesagt. Das Sommerfest fällt ebenso aus wie das Sport- und Strohhutfestival, das 2019 Premiere hatte.

Einbußen meldet auch das Vereinslokal, das erst seit Mitte Mai wieder geöffnet hat. Acht Wochen lang hatte Pächter und Koch Michael Amendola ausschließlich Essen zum Mitnehmen angeboten. Ein Service, der weiterhin angeboten wird. tr

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„Wir wissen, dass es bis zur Rückkehr zur Normalität noch ein weiter Weg ist. Aber der erste Schritt ist gemacht“, so Gustav Brücher über die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs in Zwingenberg. Der Präsident des SV Eintracht hatte in der jüngsten Präsidiumssitzung um die Ausarbeitung eines Konzepts gebeten, dass für alle Übungsleiter und Sportler verbindlich ist. Dieser Maßnahmenkatalog liegt nun vor. Ein fünf Seiten langes Papier, das klare Vorgaben definiert und die gesetzlichen Erfordernisse mit den personellen und räumlichen Gegebenheiten vor Ort in Einklang bringt. Für Brücher, der bei der Eintracht seit vier Jahrzehnten an der Spitze mitmischt, war klar, dass dies nur gemeinsam mit Spielern, Trainern, Eltern und Präsidium funktionieren kann.

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Eine grundsätzliche Aufnahme des Trainingsbetriebs ist bereits seit 8. Mai wieder möglich. Der SV wollte allerdings nichts überstützen und im Dialog mit den Trainern prüfen, ob und in welchem Rahmen auf der Sportanlage wieder Fußball gespielt werden kann. „Wir wollten vor dem Schulstart kein Training anbieten“, so Präsidiumsmitglied Holger Jungbluth, der dabei auch auf die Empfehlungen des Hessischen Fußballverbands (HFV) hinweist: diese besagen, dass zunächst die Mannschaften U 12 und älter wieder auf den Platz gehen sollten. Die Kids der Jahrgänge U 11 und jünger sollten zuerst den Umgang mit den neuen Hygiene- und Abstandsregeln in der Schule oder der Kita lernen.

Über 100 Kinder aktiv

Mitte Mai wurden die hessischen Schulen dann für Viertklässler und die Sekundarstufe I wieder geöffnet. Für die Eintracht ein Signal, um den Ball wieder rollen zu lassen. Besonders im Nachwuchsbereich habe man beobachtet, dass die Möglichkeit des gemeinsamen Sporttreibens und die Pflege sozialer Kontakte während des Lockdown und der schulfreien Zeit deutlich zu kurz gekommen waren, so Jungbluth. Daher habe man sich zu diesem Schritt entschlossen. Aktuell sind im Verein über 100 Kinder aktiv.

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Mit einem klar verständlichen Konzept könne man Trainern wie Sportlern einen soliden Fahrplan an die Hand geben, der keine Fragen offen lässt. Oberster Leitgedanke bei der Ausarbeitung war das Thema Gesundheit, betont Pressewart und Jugendtrainer Jungbluth. Gemeinsam mit Vize-Präsident Philipp Schellhaas, den Präsidiumskollegen Marcus Becker und Reinhold Geierhaas sowie Trainer Ingo Lusch wurde der Katalog entwickelt. „Wir haben uns im Vorfeld mit anderen Vereinen ausgetauscht“, so Jungbluth über das Vorgehen der Arbeitsgruppe, in der nach Angaben des Vereins „sehr viel unterschiedliches Know-how“ vertreten sei. „Ein großer Vorteil.“

In Gesprächen mit dem Fußballkreis Bergstraße, dem Gesundheitsamt und der Stadt Zwingenberg wurden dann „mit der gebotenen Vorsicht“ Regelungen formuliert, um den schwierigen Spagat zwischen Trainingsbetrieb und Corona-Sicherheitsmaßnahmen bewältigen zu können. Laut Gustav Brücher ist das fertige Konzept auch für andere Vereine sehr gut nutzbar. Die Eintracht habe den Entwurf daher der Stadt Zwingenberg zur weiteren Verteilung angeboten.

Trainer können jederzeit loslegen

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„Wir wollten den Trainern die Arbeit erleichtern und gleichzeitig der Dokumentationspflicht nachkommen“, so Holger Jungbluth über die Motivation der Arbeitsgruppe. Ein Bogen zur Trainingsdokumentation gehört ebenso zum Paket wie Formulare und Einverständniserklärungen für Eltern und Übungsleiter. Die Trainer sind verpflichtet, ihre individuellen Einheiten auf der Grundlage des Katalogs zu entwickeln. „Sie können nun jederzeit mit dem Training loslegen“, so Holger Jungbluth.

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Für alle gilt: Es sind maximal zehn Spieler pro Platzhälfte erlaubt. Im Seniorenbereich kommt auf zehn Sportler ein Trainer. Bei der Jugend beträgt der Betreuungsschlüssel eins zu sechs. Es gelten die üblichen Abstandsregeln von mindestens 1,50 Meter. Jeglicher Körperkontakt ist verboten. Die Umkleiden und Funktionsräume bleiben vorerst geschlossen. Die Trainer haben darauf zu achten, dass sämtliche Hilfsmittel desinfiziert sind und die Sportler sich vor dem Training die Hände gereinigt haben. Eine Anwesenheitsliste ist Pflicht.

Der Club weiß um den erhöhten Aufwand und die erheblich veränderten Trainingsbedingungen. „Eine Herausforderung, die wir aber stemmen müssen“, so Gustav Brücher. Die einzige Alternative wäre, den Trainingsbetrieb weiterhin ruhen zu lassen. Seit Mitte März haben auf der Anlage keine Übungen mehr stattgefunden. Mit einem sanften Wiedereinstieg will die Eintracht den Blick nun wieder nach vorn richten.

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