Jubiläum - Der Förderkreis Kunst und Kultur besteht seit 15 Jahren – und er hatte beim Start auch noch Tourismusförderung als Auftrag Ein „Teenager“ zieht Bilanz

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Michael Ränker
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Der Förderkreis Kunst und Kultur war in den vergangenen Jahren stets auch mit einem Kunstprojekt bei den Ferienspielen vertreten. © Funck

Zwingenberg. Heute kümmert sich der Förderkreis um die beiden großen „K“ – und damit nach wie vor auch um das große „T“, wenngleich es im Namen des Vereins keine Rolle mehr spielt. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Vor 15 Jahren wurde in Zwingenberg ein Verein zur Förderung von Tourismus, Kunst und Kultur gegründet – den gibt es auch heute noch, allerdings mit verändertem Namen:

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Förderkreis Kunst und Kultur, so heißt die nach wie vor ehrenamtlich tätige Gruppe, die zwar den Tourismus nicht mehr ausdrücklich im Namen führt, aber durch ihr Engagement für Kunst und Kultur natürlich auch (Fremdenverkehrs-)Werbung für das älteste Bergstraßenstädtchen macht. Der 15. Geburtstag ist Anlass, um Rückschau auf die Anfänge zu halten – und die waren im Frühjahr 2005 eher profan:

Zwingenberg war auf der Suche nach einem Trägerverein für das Geopark-Infozentrum, das im ehemaligen Hotel und Restaurant „Zum Löwen“ – heute: „Bunter Löwe“ – eingerichtet wurde. Die Kommune hatte das denkmalgeschützte Anwesen im Herzen der Stadt für eine halbe Million Euro ersteigert und für mehr als drei Millionen Euro – mit EU-Hilfe – zu einem „regionalen Dienstleistungs- und Kommunikationszentrum“ gemacht. Und war nun auf der Suche nach einer Möglichkeit, um – ohne den Personalplan der Stadt aufzustocken – Mitarbeiter für die Geopark-Info beschäftigen zu können. An einem Runden Tisch mit Vertretern der Geopark-Verwaltung, der Wirtschaftsförderung Bergstraße, des Weinbauverbandes, vor allem aber mit örtlichen Vereinen, Gastronomen und Gewerbetreibende verkündete der damalige Bürgermeister Dieter Kullak seine Lösung:

Trägerverein für Geopark-Info

Ein Verein zur Förderung von Tourismus, Kunst und Kultur soll Träger des Geopark-Infozentrums werden. Gesagt, getan: Für den 3. Mai 2005 wurde eingeladen, um einen mit mindestens sieben Personen besetzten Gründungsvorstand mit dem weiteren Prozedere zu betrauen. Und die Rechnung ging auf: Mehr als 15 Mitglieder zählte der Verein vom Start weg – und an seiner Spitze standen Rathauschef Kullak als Vorsitzender und die damalige Erste Stadträtin Ruth Jakobi als seine Stellvertreterin. Als Träger des Geopark-Infozentrums, das auch als städtische Tourist-Info agierte, sollte der Verein fortan nicht nur den Tourismus ankurbeln, sondern auch im Bereich Kunst und Kultur eine tragende Rolle übernehmen.

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Schon wenige Wochen später wirkte der Verein bei einer weiteren Versammlung nach Angaben von Dieter Kullak „schon richtig erwachsen“: Die Eintragung ins Vereinsregister war am 16. Juni 2005 erfolgt, die Mitgliederzahl auf 34 Personen angewachsen. Und im Bereich der Tourismusförderung waren ebenfalls die ersten Schritte getan:

Das Geopark-Infozentrum hatte unter dem Motto „Blüten, Stein und Wein“ seine Arbeit aufgenommen. An den Wochenenden fanden dort sowohl Geopark-Besucher als auch Zwingenberg-Touristen Beratung. Arbeitgeber der dort beschäftigten Mini-Jobber war zwar zunächst noch die Stadt, doch das änderte sich ab August 2005: Der Verein übernahm die Anstellungsträgerschaft. Möglich machten Finanzspritzen der Stadt.

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Neben der Förderung des Tourismus sollen in der Vereinsarbeit künftig auch Kunst und Kultur nicht zu kurz kommen. „Wir wollen manche Dinge, die eingeschlafen sind, wieder auf den Weg bringen, die Stadt mit Veranstaltungen noch attraktiver machen und mehr Leben nach Zwingenberg bringen“, gab Kullak die Losung aus.

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Und wenige Jahre später konzentrierte man sich dann nur noch auf die beiden großen „K“, nachdem die Stadtverwaltung unter Leitung von Kullaks Nachfolger – Bürgermeister Holger Habich – im Juni 2009 den Bereich Tourismus wie auch all die Aktivitäten, die mit dem Unesco-Geopark und mit dem Informationszentrum „Blüten, Stein und Wein“ einhergehen, in eigene Regie übernommen hatte.

Bei der Hauptversammlung im November 2010 stand damit für den Verein ein Richtungswechsel zur Diskussion. Und der mittlerweile im Ruhestand befindliche Rathauschef Dieter Kullak, der dem Verein bis zu seinem Tod im Jahr 2018 vorstand, führte fortan den Verein als Förderkreis Kunst und Kultur Zwingenberg. Und dessen Leistungen können sich sehen lassen, wie eine Rückschau der heutigen Vorsitzenden Ulrike Fried-Heufel belegt. Der aktuell 17 Mitglieder starke Verein kann auf interessante und aktuelle Themen und Projekte in Zwingenberg und darüber hinaus verweisen.

Viele Projekte zum Mitmachen

Dazu gehören Vorträge über die Geschichte des Ortes und der Region, Lesungen mit Berthold Mäurer oder Walter Renneisen, die regelmäßige Teilnahme am Tag der Literatur oder Exkursionen, zum Beispiel nach Darmstadt ins Landesmuseum oder ins Schlossmuseum. Auch für Kunstobjekte im Stadtgebiet wurde und wird gesorgt: Für den Stadtpark gab’s eine „Optische Täuschung“, für den Einstieg in dem Nibelungensteig oberhalb der Wetzbach gibt’s demnächst ein Kunstwerk – die Fundamente stehen bereits.

Vor Ort haben die Akteure des Förderkreises Kunst und Kultur auch für Auseinandersetzungen mit bedeutsamen Themen gesorgt. Ulrike Fried-Heufel erinnert beispielhaft an die Gestaltung der Erinnerungstafel für Georg Büchner an dessen Wirkungsstätte, der Alten Hofapotheke am Marktplatz. Oder an die publikumswirksame Feier der Ersterwähnung Zwingenbergs als „Getwinc“ im Lorscher Codex:

Im Jahre 2012 war das exakt 1000 Jahre her und man lud zur Spurensuche unter dem Motto „Getwinc-Zwingenberg: 1000 Jahre, 1000 Schritte“ ein. Aus diesem Anlass wurde auch eine Zwingenberger Sonderbriefmarke – die erste ihrer Art – aufgelegt. Und die Kinder waren zur Teilnahme am Comic-Zeichenwettbewerb „Getti und Zwingi – oder die unglaubliche Begegnung zweier Kinder aus den Jahren 1012 und 2012“ eingeladen.

Auch der Aufruf, das „Erste Zwingenberger Mitmachbild“ zu gestalten, geht auf eine Initiative des Förderkreises Kunst und Kultur zurück. Er hatte dazu beim Tag der Vereine aufgerufen. Jeder, der Lust und Laune hatte, konnte zum Pinsel greifen und seine Spuren hinterlassen. Mit der Initiative „Blickachsen 360 Grad“ rief man ebenfalls die Bürger zur künstlerischen Mitarbeit ein. Sie sollten Kunstwerke mit dem Motiv Bergkirche gestalten, deren Verkaufserlös der Renovierung des Gotteshauses zugute kam.

Ein weiterer Aufruf zum Kunst schaffen erfolgte aus Anlass von „60 Jahre Europäische Union“. Und Flüchtlinge wiederum beschäftigten sich künstlerisch mit dem Begriff „Heimat“. Es gab „Lyrik in der (Wein-)Kiste“, Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein und viele Kooperationen mit der Melibokusschule Zwingenberg.

In der (Zwischen-)Bilanz bedeutet das: Für einen 15-jährigen „Teenager“ – wie den Förderkreis Kunst und Kultur – ist das bislang keine schlechte (Lebens-)Leistung, oder?

Redaktion