Wegzeichen - Gedanken zum Fest „Darstellung des Herrn“, das 40 Tage nach Weihnachten gefeiert wird Ein glaubwürdiger Auftritt

Von 
Markus Bissinger
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Wer etwas darstellt, der macht Eindruck. Er zeigt sich in einer bestimmten Eigenart, gewinnt andere für seine Sache und erhält durch sein Auftreten besondere Bedeutung oder Wert.

Die „Darstellung des Herrn“ 40 Tage nach der Geburt im Tempel. Ein Gemälde in der St. Bartholomäus-Kirche in Heppenheim-Kirschhausen. Maria und Josef bringen das Jesuskind dem jüdischen Gesetz entsprechend zum Tempel. © Bissinger
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Ursprünglich hat das Wort „darstellen“ die Bedeutung von „offen aufstellen“. Die Person repräsentiert etwas, zeigt ihren Anspruch frei gegenüber den Anderen und setzt sich „in Szene“. In ihrer Rolle stellt sie sich somit auch positiver und negativer Kritik. Darsteller zeigen sich unter anderem auf der Bühne oder im Fernsehen. Sie sind Teil einer Inszenierung, haben damit einen zeitlich begrenzten Auftritt.

Der Begriff „Darstellende Kunst“ gilt für Teile der Kunst, bei der zeitlich begrenzt die Werke dargeboten werden. Dazu wird stets Publikum benötigt. Die Darstellung findet immer vor Zuschauern statt.

„Mariä Lichtmess“

Die Kirche feiert am kommenden Dienstag, 2. Februar – 40 Tage nach Weihnachten – das Fest „Darstellung des Herrn“, im Volksmund als „Mariä Lichtmess“ bekannt. Das jüdische Gesetz schrieb vor, ein Neugeborenes innerhalb der Frist in den Tempel zu bringen. Die Mutter sollte zur „Reinigung“ ein Schaf und eine Taube an den Priester übergeben. Bis dahin galt sie als unrein.

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Nach biblischem Zeugnis erkennen die im Tempel verweilenden Personen Simeon und Hanna, nachdem Maria und Josef Jesus in den Tempel brachten, dass dieser der erwartete Messias ist. Offensichtlich hat sein Wesen auch während des kurzen Auftritts im Tempel großen Eindruck hinterlassen. Wie genau, das lässt sich heute nicht mehr sagen.

Personen, die etwas darstellen, die werden gerade in heutigen Zeiten sehr stark hinterfragt und kritisiert. Sie schlüpfen eben in eine Rolle, die sie nicht wirklich sind, sondern nur spielen. Erst recht gilt das für diejenigen, die durch ihr Gehabe, durch ihr äußeres Erscheinungsbild oder ihren Status Eindruck machen wollen.

Original oder Kopie?

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Egal, wer etwas darstellt, es ist Authentizität gefragt. Sie steht eng in Verbindung mit den Begriffen Echtheit, Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Wahrheit. Diesen werde ich nur gerecht, wenn ich nicht als Schauspieler, sondern von anderen als Original befunden werde.

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„Lichtmess“ ruft dazu auf, darüber nachzudenken, welche Rolle ich selbst darstelle. Bin ich Original oder Kopie? Und welche Eigenschaften bringe ich zum Leuchten, damit andere etwas Besonderes an mir erkennen?

Am besten, ich schlüpfe da in keine Rolle, die mir nicht gegeben ist, sondern stehe zu dem, was ich bin. Das wäre echte „Dar-Stellung“ - zeitlich unbegrenzt.

Freie Autorenschaft Rubrik "Wegzeichen" in der Wochenendbeilage. Berichte zu den Themen Soziales, Gesellschaft und Kirche.