Geschäftsbericht - In frühestens vier Jahren soll das Unternehmen operativ aus den roten Zahlen kommen Ein geringerer Verlust von Brain erfreut die Börse

Von 
Michael Roth
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Über die Forschung im Labor, die Produktion und den Vertrieb will Brain künftig die gesamte Wertschöpfungskette abbilden. Unser Bild zeigt einen Fermenter. © Brain

Zwingenberg. Mit einem Kursplus von mehr als drei Prozent reagierte die Börse gestern früh auf die Bekanntgabe der Jahreszahlen des Zwingenberger Biotechnologieunternehmens Brain. Der Aktienkurs, der die letzten Tage schon zulegte, notierte bei 9,50 Euro, das waren 50 Cent mehr als beim Börsengang 2016 aber gut einen Euro weniger als vor einem Jahr. Im Handelsverlauf gab der Aktienkurs dann aber wieder leicht nach.

Großaktionäre Putsch und Hopp

Größter Einzelaktionär von Brain bleibt mit 36 Prozent der Anteile die MP Beteiligungs-GmbH, hinter der Martin Putsch (Eigentümer Recaro-Sitze) steht.

Gründer und Management von Brain halten 9,6 Prozent der Aktien.

Die DAH Beteiligungs-GmbH (Daniel Hopp, Sohn des SAP-Mitgründers und Fußballmäzens Dietmar Hopp) hält 6,6 Prozent.

4,3 Prozent gehören dem Hamburger Vermögensverwalter Lloyd Fonds. mir

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„Ein Investor sagte mir einmal, dass Brain einem erlaube, davon zu träumen, was die Zukunft bringen könnte. Ich denke, er hat recht“. So überschreibt Brain-Vorstandschef Adriaan Moelker seinen Aktionärsbrief im Geschäftsbericht. Träumen dürfen die Aktionäre nach wie vor von einem Jahresüberschuss von Brain. Operativ, das heißt ohne die Berücksichtigung von Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) soll in frühestens vier Jahren Gewinne erwirtschaftet werden, wie im Geschäftsbericht bekräftigt wird.

Vorstandsgehälter

Wie Brain im Geschäftsbericht im Kapitel Vorstandsvergütung mitteilt, betrug die Gesamtvergütung des Gremiums 1,33 Millionen Euro.

Jürgen Eck, Vorstandschef bis Ende 2019, erhält eine Gesamtvergütung von 68 000 Euro (für drei Monate). Hinzu kommt ein Versorgungsaufwand von 120 000 Euro.

Sein Nachfolger Adriaan Moelker kommt auf eine Gesamtvergütung von 513 000 Euro (Fixgehalt, variable Gehaltsbestandteile, Versorgungsaufwand). Hinzu kommen bei ihm Aktienoptionen in Höhe von 279 000 Euro.

Der Rest der Summe verteilt sich auf inzwischen ausgeschiedene Vorstände. mir

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/2020, das im September endete, ist es nach Moelkers Angaben gelungen, trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds, ein organisches Umsatzwachstum und ein leicht verbessertes bereinigtes Ebitda zu erzielen. Nach angepassten Vorjahreswerten lag der Umsatz mit 38,2 Millionen Euro jedoch leicht unter dem Vorjahr (38,6 Millionen Euro). Das Ebitda verbesserte sich auf minus 2 (minus 2,2) Millionen Euro aufgrund einer verbesserten Materialaufwandsquote. Unter dem Strich stand ein Verlust von 9 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr zuvor waren es 11,1 Millionen Euro. Das neue Vorstandsteam (Moelker ist seit Februar letzten Jahres Vorstandsvorsitzender) habe durch die Neuausrichtung der gesamten Organisationsstruktur, der Zuweisung klarer Projektverantwortlichkeiten und eine fokussierte Pipeline für die Neugeschäftsentwicklung Brain auf zukünftiges Wachstum ausgerichtet, heißt es in einer Mitteilung.

Mit liquiden Mitteln von 18,9 Millionen Euro verfüge das Unternehmen über eine starke Kapitalbasis für das erwartete zukünftige Wachstum. Das Brain-Geschäftsmodell mit seinen langfristig angelegten Partnerprojekten und einem Fokus auf weniger zyklische Segmente wie die Lebensmittelindustrie habe sich auch in der Krise als nachhaltig erwiesen.

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„Unser oberstes Ziel bleibt: profitables Wachstum“, betont Moelker im Aktionärsbrief weiter. Hierbei werde das Produktgeschäft eine entscheidende Rolle einnehmen. „Wir konzentrieren uns stärker auf das Geschäft mit bestehenden und neu zu entwickelnden Produkten mit einem klaren Fokus auf wachstumsstarke und profitable Nischen“, so Moelker. Steigende Margen sollen erreicht werden, indem Brain die komplette Wertschöpfungskette seiner Produkte selbst abbilde – von der Laborbank bis zur Produktion im Industriemaßstab. Das wissenschaftliche Fundament sei gelegt, jetzt stehe die Erweiterung der Produktionskompetenz an.

Das wirtschaftliche Ziel von Brain konkretisierte Aufsichtsratsvorsitzender Georg Kellinghusen in seinem Bericht an die Aktionäre: „Die Gesellschaft strebt an, innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre eine Umsatzverdoppelung sowie eine Ebitda-Marge vom Umsatz von 15 Prozent, plus/minus 5 Prozentpunkte zu erreichen“. Neben einem starken organischen Wachstum werden auch wertsteigernde Akquisitionen in Betracht gezogen, heißt es in Kellinghusens Bericht.

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Eine konkrete Prognose mit Zahlen für das laufende Geschäftsjahr 2020/2021gibt es nicht. Das sei den Unsicherheiten in Bezug auf die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie geschuldet, heißt es. Brain strebe ein solides Wachstum und eine Verbesserung des bereinigten Ebitda sowie des operativen Cashflows gegenüber dem Vorjahr an. Eine quantitative Prognose werde spätestens mit den Zahlen zum zweiten Quartal veröffentlicht.

Chefredaktion