Jubiläum - Royal Rangers luden aus Anlass ihres 20. "Geburtstags" zum Charity Dinner ein / Der Erlös kommt einem ukrainischem Kinderheim zugute Drei-Gänge-Menü und dazu Live-Musik

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Monika Hälker
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Die Royal Rangers bewirteten im DGH Rodau eine große Gästeschar für einen guten Zweck.

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Rodau. Das abenteuerliche Leben mit und in der "Wildnis" und abseits der Konsumstraße am Lagerfeuer zu verweilen, das ist nur eine Seite der Pfadfinder-Medaille. Am Sonntag schlüpften die "Naturburschen" (und Mädchen) in eine schicke Abendgarderobe und verwandelten das Dorfgemeinschaftshaus Rodau in ein feines Lokal mit leiser Livemusik inklusive. Die Royal Rangers Heppenheim, die erst jüngst ihren 20. "Geburtstag" feierten, empfingen Gäste zu einem Charity Dinner.

Christliche Pfadfinder helfen Menschen in großer Armut

Royal Rangers sind christliche Pfadfinder. Die Bewegung aus den USA fasste 1981 in Deutschland Fuß und zählt heute rund 19 000 Mitglieder, die sich in 500 Stämme aufteilen. Die Royal Ranger gründeten vor 20 Jahren eine Dependance in Heppenheim. Ihr gehören rund 80 Aktive an.

Schon seit 1998 fahren die Royal Rangers jährlich einen Hilfseinsatz nach Ivanychi, Westukraine, um sich in dieser ländlichen Region gegen die große Armut zu engagieren.

2003 entschlossen sich einige Royal Ranger zur Gründung des Vereins "Vergiss-mein-nicht - Hilfe für Kinder und Jugendliche e.V.".

Neben der gezielten Einzelunterstützung von Kindern, Jugendlichen und notleidenden Familien hat der Verein direkt vor Ort ein Kinder- und Jugendhaus aufgebaut. In enger Zusammenarbeit mit dem ins Leben gerufenen ukrainischen Wohltätigkeitsfonds "Nezabudka" (zu Deutsch: Vergiss-Mein-Nicht) und den Kirchengemeinden erhalten sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche ein Mittagessen, können sich bei Bedarf neu einkleiden, mit Mitarbeitern über ihre Probleme sprechen und ganz praktische Lebenshilfe erfahren. Auch die sechs Beschäftigten in dem Haus werden aus Spendengelder finanziert.

Mehrmals jährlich werden Hilfsgüter zu Kinderheimen, Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern transportiert. Dazu zählten auch Schultafeln, Schulbänke und Werkbänke für die öffentlichen Schulen in Ivanychi.

Nach wie vor gibt es einen hohen Bedarf an Kleidung, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Im Kinderhaus ist daher eine Kleiderkammer eingerichtet, aus der sich sozial schwache Familien versorgen können.

Jedes Jahr gehen Weihnachtspäckchen für Kinder und Jugendliche nach Ivanychi.

In Heppenheim können sie am 6. und 13. Dezember in der Missionsgemeinde, Odenwaldstraße 11 zwischen 11.30 und 12.30 Uhr abgegeben werden. moni

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Die Gruppe bewies ein gutes Händchen, um in der Tristesse des Raums Gastlichkeit einziehen zu lassen. An einem geschmackvoll gedeckten Tisch nahmen die Gäste Platz und füllten den Raum. Nachzüglern, die im Vorfeld nicht reserviert hatten, konnte man kein Angebot mehr unterbreiten.

Rundum gut bedient

Der Chefkoch Nathanael Tirtha und sein Team servierten ein exquisites Drei-Gänge-Menü. Bei Mandelschaumsuppe als Vorspeise, der Wahl zwischen Hühnchen-Saltimbocca, Wildragout oder Falafel mit jeweils passenden Beilagen als Hauptgericht und winterlichem Tiramisu, Himbeer-Joghurtcreme-Küchlein oder Vanille-Eis zum Dessert kam selbst der feinsinnige Gourmet auf seine Kosten. Die Besucher wurden rundum gut bedient.

Auch musikalisch. Denn nach der Vorband "Mama" griff das legendäre "Huub Dutch Duo" aus Heidelberg in die Tasten und zu kuriosen selbstgebauten Instrumenten. Souverän zelebrierten die beiden auf ihre ganz eigene Art Jazz.

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Hinter dem Konzept eines Charity Dinners verbirgt sich eine außergewöhnlich kreative Idee, um Spendengelder zu akquirieren. Die Royal Rangers Heppenheim nutzen die beruflichen Talente aus den eigenen Reihen, um vor allem ein Projekt zu unterstützen: Ein Kinderhaus in Ivanychi, in der Westukraine gelegen, das der Verein "Vergiss-Mein-Nicht - Hilfe für Kinder und Jugendliche" mit Sitz in Erzhausen aufgebaut hat. In ihrer auch personellen Verknüpfung schreibt sich die Gruppe christlicher Pfadfinder die Sorge für dieses Projekt auf die Fahnen. Adriana Tausch und Daniel Umbeck, die im Namen der Pfadfinder die Gäste begrüßten, sind ebenso Mitglied in dem Verein, der seit 17 Jahren Kindern und Jugendlichen in dem ukrainischen Dorf hilft.

Eine der Urheberinnen ist Maria Tirtha, die erstmals vor 18 Jahren auf einem Hilfstransport mitgefahren war. Sie sah, wie Kinder ohne Schuhe und in sommerlichen Lumpen die bittere Kälte ertragen mussten. Ein Bild, das haften blieb. Die Bitte der Heimkinder "Kommt wieder!" hat sie zu ihrer Aufgabe gemacht. "Mein Traum war es seither, dort ein Kinderhaus aufzubauen", sagte Maria Tirtha, die Stammleiterin bei der Heppenheimer Gruppe der Royal Rangers ist und den Verein Vergiss-Mein-Nicht mit gegründet hatte. Vorsitzender ist Markus Boulanger. Die Spendengelder haben es ermöglicht, fernab der Korruption im Land ein Haus zu erwerben und zu renovieren. 30 Kinder haben darin tagsüber ein Dach über dem Kopf, eine warme Mahlzeit, angepasste Kleidung, Waschmöglichkeiten und auch eine Hilfe bei den Hausaufgaben. Derzeit strebt der Verein den Ausbau des Dachbodens an. Der Raum soll perspektivisch genutzt werden können als Computerraum, in dem die 30 Schülerinnen und Schüler auch fit werden können für eine moderne Berufswelt, die ohne technische Medien und weltweite Vernetzung nicht mehr auskommen kann. Zum anderen sollen hier Wohnmöglichkeiten für junge Erwachsene aus Deutschland geboten werden, die gern soziale Arbeit leisten würden. Einige junge Leute haben die Chance zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr genutzt und kamen mit einem anderen Blick auf die Welt zurück.

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An weiteren Ideen, die Spendenkasse zu füllen, mangelte es den Organisatoren des Charity Dinners nicht. Es standen nicht nur Spendenboxen bereit, sie stellten zudem eine Tombola auf die Beine, verkauften Gemälde, die Künstler aus den eigenen Reihen angefertigt hatten, und luden zum Foto-Setting ein.