Im Einsatz - Beim Umgang mit Menschen in Notlagen müssen Ehren- wie Hauptamtliche in diesen Zeiten besonders auf sich achten, wie Stadtbrandinspektor Zecher schildert Coronavirus erschwert Rettern die Arbeit

Von 
Michael Ränker
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Zwingenberg. Ob Tragehilfe für einen Patienten aus dem Obergeschoss eines Altstadt-Anwesens, oder Unterstützung von Notarzt, Sanitätern und Polizei bei der Versorgung eines verunglückten 16-jährigen Motorradfahrers auf dem Berliner Ring: Die ehrenamtlichen Retter der Freiwilligen Feuerwehr sind häufig sehr dicht an den Menschen dran, die in Not geraten sind – und in Zeiten der Coronavirus-Pandemie ist besondere Vorsicht geboten.

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Die Leistungen, die hauptberufliche Retter – und das nicht nur in diesen Krisenzeiten – tagtäglich vollbringen, will Karl-Heinz Zecher ausdrücklich nicht schmälern. Aber der stellvertretende Stadtbrandinspektor und stellvertretende Wehrführer, der für die Zwingenberger Wehr die Öffentlichkeitsarbeit macht, weist aus gegebenem Anlass darauf hin: „Bei den Feuerwehren im Landkreis handelt es sich ausschließlich um Freiwillige Feuerwehren – dort arbeiten Ehrenamtliche.“ Also Menschen, die sich in ihrer Freizeit in brenzlige Situationen begeben. Und die sind jetzt angesichts der Infektionsgefahr noch brenzliger.

Gerade erst vor wenigen Tagen, beim Löschen eines Flächenbrandes unterhalb der Absprungschanze für Gleitschirm- und Drachenflieger am Melibokusturm, sind sie Zecher wieder begegnet: Die Schaulustigen, die der Meinung sind, „wir sind allesamt bezahlte Kräfte – und auch die, die meinen, wir machen das hier aus Spaß an der Freude“. Zecher ist bei solchen Begegnungen um Aufklärungsarbeit bemüht.

Aufklärungsarbeit

Er informiert dann beispielsweise geduldig darüber, „dass unsere Einsatzkräfte im Alarmfall ihre eigentliche Arbeit stehen und liegen lassen, sich in ihre privaten Pkw setzen, zum Feuerwehrgerätehaus eilen, sich umziehen und ausrücken, um in maximal zehn Minuten vor Ort zu sein“. Zecher: „Manche Menschen übertragen die Feuerwehrarbeit, wie sie das aus dem Fernsehen kennen, auf uns hier vor Ort: Die meinen, wir sind im Gerätehaus stationiert – und im Einsatzfall rutschen wir an der Stange nach unten und düsen los.“

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In Zwingenberg arbeiten die Ehrenamtlichen gegenwärtig gleich in zweifacher Hinsicht unter verschärften Bedingungen: Zu den Risiken durch die Coronavirus-Pandemie kommt die B 3-Wanderbaustelle mit ihren Sperrungen – „wir haben das volle Programm erwischt“, so Zecher.

Angesichts der Erneuerung der Hauptverkehrsachse hat Stadtbrandinspektor und Wehrführer Reiner Schellhaas einen ausgeklügelten Umleitungsplan entwickelt, der dem jeweiligen Baufortschritt angepasst wird, und Kollegen aus der Nachbarschaft mit ins Boot geholt. Überdies unterhält die Feuerwehr rund um die Uhr einen Lotsendienst, der ortsunkundigere Kollegen vom Rettungsdienst zum Einsatzort geleitet (wir haben berichtet). Und auch mit Blick auf die Infektionsgefahr mit dem Coronavirus geschieht nichts ohne Vorbereitung:

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Die Einsatzfahrzeuge werden nicht mehr voll besetzt, auf dass die Brandschützer nicht dicht an dicht sitzen. Das Zwingenberger Tanklöschfahrzeug beispielsweise bietet neben Fahrer und Beifahrersitz auch noch vier Plätze in der Kabine – davon wiederum werden zurzeit nur zwei besetzt. Zecher: „Benötigen wir vor Ort dann mehr Einsatzkräfte, holen wir die Kollegen mit unserem Mannschaftstransportwagen, der ebenfalls nicht voll besetzt wird, nach.“

Gute Teamleistung

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Ebenfalls aus Infektionsschutzgründen steigt am Ort des Geschehens zunächst nur der Gruppenführer eines Einsatzfahrzeugs aus, um mit dem Einsatzleiter das weitere Vorgehen zu besprechen. Bei einer Tragehilfe für den Rettungsdienst müssen die Kameraden, die dicht am Patienten arbeiten, Schutzkleidung tragen. „Bei uns im Landkreis gibt es die Verabredung, dass die Kollegen vom Rettungsdienst immer auch Schutzkleidung für uns auf ihren Autos haben“, so Zecher: „Das funktioniert sehr gut!“ Wie übrigens die Zusammenarbeit mit dem medizinischen Personal aus dem Nachbarlandkreis Darmstadt-Dieburg sowie mit der Polizei in Bensheim ebenfalls sehr gut funktioniert. Zecher, der schon einige Jahrzehnte als ehrenamtlicher Feuerwehrmann auf dem Buckel hat, beobachtet schon seit längerer Zeit, „dass die unterschiedlichen Einsatzkräfte – wir von der Feuerwehr, die Sanitäter und Notärzte oder die Polizisten – immer mehr zu Kollegen auf Augenhöhe werden und wirkliche Teamarbeit leisten, egal ob nun haupt- oder ehrenamtlich. So macht die Zusammenarbeit – bei allem Leid, das wir zu sehen bekommen – Freude“.

Redaktion