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Politik

Christine Lambrecht wich nur einmal aus

Von 
Michael Ränker
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Wie die „Christine“ reagieren würde, wenn ein Wahlsieger namens „Olaf“ sie bitten würde, als Ministerin in sein Kabinett zu kommen, das ließ die scheidende Bundestagsabgeordnete und Doppel-Ministerin offen. © Thomas Neu

Zwingenberg. Ein entschiedenes „Nein!“ hört sich anders an, ein klares „Ja!“ allerdings auch – es war die einzige Situation an diesem Abend, in der Christine Lambrecht unverbindlich blieb: Auf die Frage, was sie denn täte, wenn – ein Wahlsieg der SPD vorausgesetzt – Kanzler Olaf Scholz „die Christine“ bitten würde, in sein Kabinett zu kommen, reagierte die Bergsträßer SPD-Bundestagsabgeordnete und Doppel-Ministerin ebenso schmunzelnd wie schwammig:

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Sie habe ihre politische Laufbahn ja nie wirklich geplant, sei immer eher den Rufen gefolgt, die sie ereilt hätten, erklärte die amtierende Bundesjustiz- und Bundesfamilienministerin bei einer SPD-Veranstaltung im Diefenbachsaal des „Bunten Löwen“, die ganz der persönlichen und politischen Bilanz aus ihrer 23-jährigen Berufspolitikerinnen-Tätigkeit gewidmet war. Überdies habe sie ja ursprünglich auch ihren „Traumberuf“ erlernt und sei Anwältin geworden, deutete sie an, dass sie in diesen Beruf zurückkehren könne. Und auch die „Pendelei“ zwischen der Bundeshauptstadt Berlin und ihrer Heimat Viernheim im Wahlkreis Bergstraße müsse „ein Ende haben“.

Bundestagsmandat nicht nötig

„Die Schlussfolgerung überlasse ich Ihnen“, stellte sie abschließend fest – und die Zuhörer konnten sich des Eindrucks nicht erwehren, dass da vorne am Podium vielleicht doch die neue alte Justiz- oder Familien-Ministerin sitzen könnte…

Was indessen fest steht: In ihrer Eigenschaft als Bundestagsabgeordnete wird die 56-Jährige, die ihre politische Laufbahn als 19-jährige SPD-Stadtverordnete in Viernheim begonnen hat und aus der Anti-Atomkraft-Bewegung stammt, nicht nach Berlin zurückkehren: Auf dem Wahlzettel für die Bundestagswahl am 26. September steht ihr Name nicht. Bekanntermaßen hat Christine Lambrecht vor fast genau einem Jahr erklärt, nicht mehr zu kandidieren; die Bergsträßer SPD hat nun den Politikwissenschaftler Sven Wingerter (40) aus Wald-Michelbach ins Rennen geschickt. Allerdings steht auch fest: Für eine Berufung als Ministerin ins Kabinett ist ein Bundestagsmandat nicht nötig...

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Und ausreichend motiviert ist Christine Lambrecht allemal: Bei der – bedauerlicherweise nur mäßig besuchten – Veranstaltung in Zwingenberg erlebten die Zuhörer eine Politikerin, die in wohltuender Weise vor allem durch ihre Authentizität beeindruckte. Ob es an diesem Bilanz-Abend um Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ging („ich habe mich als Mutter, die trotz der Geburt ihres Sohnes weitergearbeitet hat, auch als Rabenmutter bezeichnen lassen müssen“) oder die Energiewende („der Atomausstiegs-Beschluss war für mich als ehemalige Anti-Atomkraft-Demonstrantin ein Gänsehautmoment“):

Zu vielen Themen hat Lambrecht offenkundig eine ganz persönliche Beziehung, die ihr zum Antrieb wurden, einen langen Atem zu haben und nicht aufzugeben. Sie wolle vor allem als Sozial- und Familien-Politikerin den Menschen nicht vorschreiben, wie sie zu leben haben, „sondern ich will die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Menschen so leben können, wie sie leben wollen“.

Ernüchtert blickte Christine Lambrecht bei der von der SPD-Landtagsabgeordneten Karin Hartmann (stellvertretende Vorsitzende der SPD Bergstraße) und dem Bergsträßer Parteivorsitzenden Marius Schmidt moderierten Veranstaltung allerdings in die Zukunft:

Unter anderem wegen der Prognose, dass nur wenige Erstwähler am 26. September von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen werden, „bin ich in großer Sorge um die Demokratie“. Freitags demonstrierend für den Klimaschutz einzutreten, das sei wichtig, aber von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen, um die richtigen politischen Weichen dafür zu stellen, das sei ebenfalls unerlässlich.

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Auch „die Zahl und die Intensität“ rechtsextremistischer Gewalttaten „macht mir Angst“. Christine Lambrecht bezeichnete es als „brandgefährlich“, wenn Menschen in ihrem Kampf gegen Rechts „mundtot“ gemacht würden.

Respekt für „Meilensteine“

Karin Hartmann zollte ihrer Parteifreundin Christine Lambrecht Lob und Respekt dafür, dass sie als Justizministerin innerhalb kürzester Zeit „Meilensteine“ gesetzt habe. Die entsprechenden Initiativen resultierten aus ihrer Grundhaltung, „wie wichtig gegenseitiger Respekt und gegenseitige Wertschätzung sind“. Dafür habe Lambrecht als Justizministerin seit 2019 in hoher Frequenz rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen.

Marius Schmidt erinnerte an den Wahlkampf-Slogan und das Plakat-Motiv, mit dem die damals 33-jährige Christine Lambrecht im Jahre 1998 erstmals um ein Bundestagsmandat gekämpft habe: „Schärfen Sie den Blick für diese Frau“, habe der Slogan auf einem Plakat, das Christine Lambrecht aus dem Schemenhaften kommend gezeigt habe, gelautet. Und das zu Recht: Christine Lambrecht habe ein enormes politisches Gewicht und dennoch nie vergessen, „wo du herkommst“.

Redaktion

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