Theater Mobile - Starker Auftritt von Peter Karp im gut besuchten Gewölbekeller Blues-Individualist begeistert sein Publikum

Von 
Thomas Tritsch
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Peter Karp überzeugte mit Entertainer-Qualitäten im Theater Mobile. © Funck

Zwingenberg. Mit einem intensiven „Like A Rolling Stone“ beschließt Peter Karp ein herausragendes Konzert im Theater Mobile. Fast genau zwei Jahre nach seinem letzten Besuch in Zwingenberg hat der Bluesmusiker aus Nashville mit einem klaren, erdigen und dennoch enorm filigranen Sound überzeugt.

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Einmal mehr bewegte sich der Gitarrist, Sänger, Songschreiber und Pianist ganz nah am Publikum, das den sympathischen Künstler erst nach mehreren Zugaben von der Bühne gelassen hat.

Vom Spielort war Karp schon beim letzten Mal begeistert. „Deshalb musste ich einfach wiederkommen.“ Die Treppe hinunter in den Saal bezeichnete er gar als „Stairway to Heaven“ – welch Lob für die Mobilisten, die am Donnerstagabend für reichlich Bühnennebel gesorgt hatten.

Das passte aber wunderbar zu einem Song, in dem Karp das mühevolle Starten eines 1967er Pontiac Bonneville beschreibt: „Air, Fuel & Fire“ ist ein musikalisch knarziger Zündfunken aus Muskeln, Schweiß und feinen Soli, in denen die Bandmitglieder das Stottern des Benzinfressers akustisch nachahmen.

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Mit Niles Terrat am Bass, Mike Catapano am Schlagzeug und dem exzellenten Gitarristen Mike Tichy hatte Karp glänzende Musiker um sich geschart. Die Drums ticken fett und dennoch präzise wie ein Uhrwerk, der minimalistische Bass passt perfekt zum klaren Grundsound der Formation, bei der es kein Posing, keine Showelemente oder sonstiges Chichi gibt. Hier wird kein Image gepflegt, sondern pure Musik geatmet.

„Like A Rolling Stone“: Die berühmte Zugabe von Bob Dylan durfte man auch als kleine Reminiszenz an einen Mann verstehen, mit dem Peter Karp 2003 zusammengearbeitet hat: Mick Taylor. Von 1969 bis 1974 Leadgitarrist der Rolling Stones. Er spielte auf Karps Alben „The Turning Point“ und „The Arsons Match“ und gab dessen Karriere einen beachtlichen Schub.

Episoden aus dem wahren Leben

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Im gut besuchten Mobile begeisterte er mit Songs wie „Sitting On The Edge Of The World“ und dem kantigen „Strange Groove“ über eine etwas exotische Lady, die sich nackt auf einer Plastikcouch räkelt. Es sind immer wieder skurrile, komische oder grobkörnige Bilder wie diese, die der Musiker in lakonische Geschichten packt und wunderbar lässig von der Bühne schlenzt. Kurzgeschichten aus dem wahren Leben, in dem nicht nur auf dem Broadway flaniert wird, sondern auch die dunklen, siffigen und halbseidenen Nischen Amerikas ausgeleuchtet werden.

Kunstvoll arrangierte Texte

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Erfahrungen habe er selbst genug im Archiv, sagt er in Zwingenberg. Geboren in New Jersey und aufgewachsen in einem Trailerpark in Alabama („Dort gibt es nur Erdnüsse, Kühe und Kuhmist“), dem er den Titel „Alabama Town“ widmet, machte Peter Karp als junger Kerl erste Gehversuche in der New Yorker Punkband „They Came From House“, die von Kritikern gelobt wurde.

Doch Karp war von dem Business bald ermüdet und legt eine zehnjährige Pause ein. Er gründet eine Filmfirma und legt sich eine Familie zu. Später entdeckt er die Blues-, Soul- und R&B-Größen, die seinen musikalischen Kurs neu beflügeln sollten.

Viel Vergangenheit, die er in authentische Songs übersetzt und mit einer klirrenden Resonator-Gitarre im klassischen Zwölftakt-Rhythmus in roher Eleganz zum Leben erweckt. Prägnante, meistens sehr kunstvoll arrangierte Texte werden von einer effektvollen Slide-Guitar und einer klaren, expressiven Stimme begleitet. Blues, Roots und Americana verschmelzen zu einer verführerischen Melange.

Viele Songs stammen vom aktuellen Album „Magnificent Heart“, die live von Karps hochenergetischen Bühnenpräsenz und einer beseelten musikalischen Leidenschaft noch mehr Fleisch und Blut zeigen. Am E-Piano überzeugt er mit einem höllischen Groove und Storyteller-Qualitäten. Ein Blues-Individualist, wie es nicht mehr viele gibt. Und ein klasse Entertainer dazu. Langer, teilweise frenetischer Applaus im Mobile.

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