Kulturausschuss - Heute Sitzung zur Haushaltsplanberatung Welche Feste will Lorsch bezahlen?

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Lorsch. Der ungewöhnlich spät zugestellte Finanzplanungserlass hat die Haushaltsplanberatungen in Lorsch aufgewirbelt. Erst nach der Einbringung des Zahlenwerks durch Bürgermeister Schönung in der vergangenen Stadtverordnetenversammlung wurde jedenfalls klar, dass plötzlich rund 900 000 Euro an Einnahmeausfällen zu kompensieren sind. Der Magistrat hatte daraufhin vorgeschlagen, ab 2020 die Grundsteuer B um 150 Punkte zu erhöhen, auch die Gewerbesteuer anzuheben – und das Johannisfest zu streichen. Die Empfehlung, das Stadtfest abzuschaffen, rief bei den Fraktionen von CDU, Grünen und SPD allerdings Widerspruch hervor. In der Sitzung des Kulturausschusses wird heute nun öffentlich beraten, welche Stadtfeste es weiterhin geben soll und in welcher Form.

Einzelhändler melden sich zu Wort

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Die Idee, lieber den Frühlingsmarkt statt das Johannisfest zu streichen, vorige Woche von den Fraktionen vorgeschlagen, bringt allerdings die Wirtschaftsvereinigung der Einzelhändler auf. Mit dem Frühlingsmarkt ist schließlich ein verkaufsoffener Sonntag verbunden, mit dem Johannisfest nicht. Über die Anregung von Kommunalpolitikern, den verkaufsoffenen Frühlingssonntag einfach in den Sommer zu verschieben, können die organisierten Einzelhändler jedoch nur den Kopf schütteln. „Ein verkaufsoffener Sonntag zum Johannisfest ist für den Einzelhandel uninteressant“, erklärt der Lorscher Vereinsvorstand um die Vorsitzende Monika Graf. Im Bekleidungshandel zum Beispiel sei zu diesem Zeitpunkt – im Juni – die Sommersaison gelaufen, erläutert der stellvertretende Vorsitzende Jürgen Krüpe. Der Frühlingsmarkt sei ein „erfolgreiches Innenstadtfest, das über 25 Jahre gewachsen und bei Lorschern beliebt“ sei, so die Wirtschaftsvereinigung. Zudem ziehe es auch „enorm viele auswärtige“ Besucher an.

Andere Kommunen unternähmen Anstrengungen, ihre Innenstädte und den Handel zu beleben, es sei unverständlich, in Lorsch gerade einen erfolgreichen Frühlingsmarkt „kaputtmachen“ zu wollen. Einzelhändler wollen ihre Stellungnahme auch morgen zu Beginn der Sitzung (der Ausschuss tagt ab 20 Uhr im Paul-Schnitzer-Saal) deutlich machen.

Nicht nur über die Stadtfeste wird heute diskutiert werden. Angesichts des nötigen Haushaltsausgleichs wird auch darum gerungen werden, wie viel Kultur Lorsch sich leisten kann. Die Ausgaben für die mehrtägige Aktion „Stadt-Lesen“, die das Zentrum im Sommer in ein Paradies für Bücherfreunde verwandelt, wurde bereits als eine mögliche Einsparung ins Gespräch gebracht.

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Weil der Kulturausschuss auch Sozialausschuss ist, werden die Gremiumsmitglieder heute abgesehen von den Kosten für Kultur und Tourismus auch die sozialen Projekte wie etwa Schülerbetreuung, Ferienspiele, den Jugendtreff sowie die Sport- und Vereinsförderung unter die Lupe nehmen. Auf der Tagesordnung steht auch die erneute Darlegung der Besuchszahlen an der Welterbestätte durch Leiter Hermann Schefers. sch