Schlösserverwaltung - Festakt für den Jahrestag geplant / Zuvor soll es im September außerdem eine Brunnen-Ausstellung geben Seit 30 Jahren trägt Lorsch den Titel als Unesco-Welterbe

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Nina Schmelzing
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Das Klostergelände hat sich in 30 Jahren verändert. Unser Bild zeigt den Kirchenrest auf dem Welterbeareal. © Neu

Lorsch. Seit 30 Jahren darf sich Lorsch Welterbestadt nennen. Der international begehrte Titel „Unesco-Welterbestätte“ wurde im Dezember 1991 für das Kloster Lorsch verliehen. Kirsten Worms erinnerte gestern daran. Die Direktorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen wies im Rahmen ihrer Jahrespressekonferenz auf „wichtige Ereignisse“ der Schlösserverwaltung im Jahr 2021 hin und machte Appetit auf diverse geplante Ausstellungen etwa in Weilburg und Bad Homburg, wo die Wiedereröffnung des Königsflügels im Schloss ansteht. Als ein „Highlight“ wurde in der Auflistung unterschiedlicher Veranstaltungsorte Lorsch genannt. Das Unesco-Jubiläum solle jedenfalls „angemessen“ gewürdigt werden, versprach Kirsten Worms.

Mehr Platz für die Klostergeschichte



Das Museumszentrum, das der Königshalle gegenüber liegt, besteht inzwischen 25 Jahre. Dort können sich Besucher unter anderem über die Klostergeschichte informieren.

Bei den gut 230 Quadratmetern, die sie dort zur Verfügung hat, soll es aber langfristig nicht bleiben. Die Klostergeschichte soll sich über das gesamte Erdgeschoss ausbreiten können. Das wünscht sich nicht nur Welterbestättenleiter Dr. Hermann Schefers. Das Tabakmuseum könnte dann in obere Räume umziehen.

Fragt man Hermann Schefers, dann erinnert er daran, dass Museen eigentlich alle zehn bis 15 Jahre umgestaltet werden sollten, um attraktiv zu bleiben und auf die Fragen der Zeit eingehen zu können.

In der Pressekonferenz der Schlösserverwaltung gestern in Bad Homburg riss der Historiker in seinem Beitrag kurz an, dass die Bibliothek und das Archiv, die Geistes- und Kulturgeschichte, den Schwerpunkt im Lorscher Museumszentrum bilden sollen. sch

Motto: „Geschichte schöpfen“

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Wie genau das geschehen soll, darüber gab es noch keine Information. Viele Vorhaben unterliegen einem „Corona-Vorbehalt“, wurde betont. Noch bevor im Dezember der Jahrestag ansteht, er ist auf den 13. Dezember datiert, hofft man allerdings, in Lorsch außerdem eine neue Sonderausstellung eröffnen zu können. „Geschichte schöpfen“ lautet das Motto dazu.

Denn es geht dabei um geschichtliche „Quellen aus einem Brunnen“. Bei der Ausstellung sollen außergewöhnliche Funde von Skulptur- und Architekturfragmenten zu bewundern sein.

Er sei selbst schon sehr gespannt darauf, verriet Dr. Hermann Schefers, Leiter der Welterbestätte in Lorsch. Bei der „Brunnen-Ausstellung“ im September sollen Steine aus einem tiefen Brunnen aus dem 18. Jahrhundert präsentiert werden. Sie stammen ursprünglich aus der Klosterkirche. Dort standen im Vorbereich unter anderem hochwertige Skulpturen aus der Gotik. Sie wurden bei der Auflösung des Klosters zerschlagen.

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Im Rahmen der Ausstellung sollen die Fundstücke der Fragmente in ihrer früheren Farbigkeit erstrahlen und den Betrachter einen Eindruck vom damaligen Lorsch als einem politischen und kulturellen Zentrum erahnen lassen.

Schefers übernahm es gestern auch, im Schnelldurchlauf einige prägende Entwicklungen in den vergangenen 30 Jahren zu skizzieren. Als wichtig hob er etwa die Museumspädagogik heraus, die in Lorsch seit 1994 angeboten wird. Dass es dem Team unter der Leitung von Claudia Götz dabei sehr gut gelingt, großes Interesse für die Bedeutung des Klosters aus der unendlich fernen Vergangenheit des achten Jahrhunderts auch bei Kindern und Jugendlichen heute zu vermitteln, wurde sogar mit der Verleihung des Walter-Mertineit-Preises gewürdigt. Vor 15 Jahren war das.

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Der Historiker erinnerte auch an die „großen Grabungskampagnen“, die 1997 starteten und bis 2004 liefen. Mehrere Ausstellungen, bei denen originale Handschriften aus dem Kloster Lorsch gezeigt wurden, hatten außerdem in den Jahren seit 1999 viele Besucher auch von weither nach Lorsch gezogen. Lorsch hatte bekanntlich eine berühmte Bibliothek. Das Lorscher Totenbuch und der Lorscher Codex wurden unter anderem in der Welterbestätte präsentiert.

Vom Aschenputtel zur Prinzessin

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Beim Lorscher Welterbe handelt es sich um eine vergleichsweise kleine Stätte. Hessenweit war Lorsch aber die erste Stadt, die 1991 mit dem Titel als Welterbestadt geadelt wurde. Die Liegenschaft habe sich in dieser Zeit „vom Aschenputtel zur Prinzessin“ gewandelt, zeigte sich Hermann Schefers sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung. Es sei bemerkenswert, dass bei der Entscheidung damals nicht allein bauliche Fragen eine Rolle spielten, sondern zu dieser Zeit bereits die historische Bedeutung und „immaterielle Aspekte“ bewertet wurden, so der Welterbestätten-Leiter.

Investitionsprogramme hätten die Wiederherstellung des einst bedeutenden Klosters als „auratischer Ort“ ermöglicht. Schefers vergaß in der Pressekonferenz nicht die Erwähnung des weiteren Unesco-Titels für Lorsch. 2013 wurde das „Lorscher Arzneibuch“ in die Liste des Weltdokumentenerbes der Unesco aufgenommen.

„Forschen, präsentieren, vermitteln“ nannte Schefers als drei wichtige Aufgaben der Welterbestätte. Ein wissenschaftlicher Tafelband, der bisher umfangreichste seiner Art zum Kloster Lorsch und seinen Bauten, soll ebenfalls noch vor dem Festakt im Dezember veröffentliche werden. Betreut wird er von Dr. Katarina Papajanni.

Neue Imagefilme geplant

Zum Kloster und dem Experimentalarchäologischen Freilichtlabor Lauresham soll es auf den Homepages auch neue Imagefilme geben. Filmische Beiträge gehörten gestern auch zur Pressekonferenz. Hermann Schefers und Claudia Götz erläuterten dabei, dass Kultur für die Zukunft zu bewahren ist und wie das gelingen kann. Besucher in Lorsch schließlich können sich nicht nur über die Klostergeschichte informieren, sie können das Mittelalter zu einem Teil auch erleben – mit Angeboten, alte Handwerkstechniken auszuprobieren, etwa Weben, Spinnen oder Kochen wie anno dazumal. Freude am Entdecken und Teilhabe am Wissen zu ermöglichen, zählte Schefers zu zentralen Aufgaben der Arbeit in Lorsch.

Redaktion