Freizeit - Ohne Schwimmmeister kann kein öffentliches Bad betrieben werden / In Lorsch ist Robert Dieterle der Hausherr Sein wichtigstes Instrument ist der Pfiff durch die Finger

Von 
Heidrun Glaser
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Schwimmmeister Robert Dieterle hat mit wachsamen Augen alles im Schwimmbad Lorsch im Blick. © Glaser

Lorsch. Ein durchdringend lauter Pfiff und alle Besucher im Bereich der Schwimmbecken recken die Köpfe. „Wer sich daneben benommen hat, weiß in der Regel sofort Bescheid“, erklärt Robert Dieterle, der in seiner Funktion als Schwimmmeister im Lorscher Freibad das Sagen hat.

Üblicherweise ist das Lorscher Schwimmbad bis zum Kerwesonntag ...

Üblicherweise ist das Lorscher Schwimmbad bis zum Kerwesonntag geöffnet. Das wäre in diesem Jahr der 15. September. Ob die Badesaison in diesem Sommer eventuell länger oder kürzer dauert, will der Magistrat je
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„Die meisten unserer Gäste kennen die Badeordnung für unser Schwimmbad und somit auch die Regeln, nur werden sie leider nicht immer freiwillig befolgt.“ Dieterles Augen sind überall, mit heller Aufmerksamkeit steht der Chef des Schwimmbades am Beckenrand oder auf der Brücke zwischen Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken und hat somit alles im Blick.

Unhygienische Unterwäsche

Eines der häufigsten Probleme sei das Tragen von Unterwäsche beim Schwimmen. „Dass es unhygienisch ist, mit Unterwäsche ins Wasser zu gehen und es deshalb ja extra Badekleidung zum Schwimmen gibt, verstehen manche Gäste einfach nicht“, berichtet der Schwimmmeister und ergänzt: „Es sind hauptsächlich männliche Gäste, die mit Schwimm- oder Freizeitshorts ins Bad kommen, dann lediglich ihr Shirt ausziehen und anschließend samt ihrer Unterhose ins Wasser springen.“ Oftmals rutscht die obere Hose dann ein bisschen runter und der Bund der darunter getragenen Unterhose blitzt raus.

Selbst bei Frauen kam es laut Beobachtungen der Badeaufsicht schon vor, dass unter dem Badeanzug ein Slip zu erkennen war.

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Dieterle spricht die betroffenen Badegäste dann an und bittet sie darum, die Unterwäsche auszuziehen. Nicht immer seien die Leute einsichtig. Dann muss der Hausherr von seinem Recht Gebrauch machen und die Gäste der Anlage verweisen. „Hin und wieder kommt das tatsächlich vor“, bestätigt Dieterle.

Aber nicht nur dieses Problem beschäftige den Schwimmmeister in diesem Sommer immer häufiger. Manche Besucher nehmen verbotenerweise im Schwimmbereich Essen zu sich oder springen seitlich ins Becken. Auch, dass Badegäste belästigt werden oder Streit angefangen wird, kommt vor. Meist seien es Jugendliche, die sich nicht diszipliniert verhalten, aber manchmal auch Erwachsene und ab und zu auch Kinder, berichtet Dieterle.

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Doch der erfahrene Schwimmmeister, der seit 2008 im Lorscher Schwimmbad im Einsatz ist, weiß, wie er mit entsprechender Klientel gleich welchen Alters umzugehen hat. Oft reiche eine klare aber höflich formulierte Ansage und die Sache ist geklärt.

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Gelegentlich kämen jedoch auch Berufskraftfahrer vom nahegelegenen Rastplatz an der Autobahn ins Bad, die dann unter Umständen auch mal ein Gläschen zu viel Wein, Bier oder Wodka getrunken haben und die Baderegeln nicht kennen. Sprachprobleme lässt er jedoch nicht gelten. „Es ist alles auch klar verständlich mit Zeichen erklärt, so dass jeder verstehen kann, was gemeint ist“, betont der Chef des Bades und kennt diesbezüglich auch kein Pardon. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss gehen.

Besonders beim Sprungturm müssen Dieterle und alle weiteren Dienstpersonen, die zur Aufsicht eingeteilt sind, kompromisslos auf Disziplin achten. Hier geht es um die Sicherheit und den Schutz vor Unfallgefahren. Deshalb sind die Sprungtürme auch immer nur im Wechsel geöffnet, dürfen nur in begrenzter Anzahl erklommen werden und dies natürlich nur unter steter Beobachtung.

Gewässer, ob öffentlich oder privat, bergen immer Gefahren. Deshalb muss das Aufsichtspersonal einen geschulten „Rundumblick“ haben, um sofort reagieren zu können, falls ein Mensch in Gefahr ist. „Toj-toj-toj gab es hier in Lorsch noch nie ein Unglück, bei dem ein Badegast lebensbedrohlich verletzt wurde“, betont Dieterle. Er ist froh, dass er außer von den übrigen Mitarbeitern im Schwimmbad, auch von der örtlichen DLRG unterstützt wird.

DLRG als fleißige Helfer

„Wir machen jeden Abend und am Wochenende auch noch vormittags Dienst“, erläutert Luca Sanna, der als DLRG-Rettungsschwimmer fast jeden Abend in der Hauptsaison am Becken steht. „Vom Pflaster kleben über Insektenstiche behandeln oder Zecken entfernen bis hin zur Wiederbelebung: Wir sind für alles zuständig“, erklärt Sanna.

Er hilft Dieterle auch bei den Kontrollen der Wasserqualität, die mittels Probenentnahme dreimal täglich überprüft wird. „Die Sauberkeit und Hygiene sind sehr wichtige Faktoren für das Wohlfühlen der Gäste hier im Bad“, fügt Dieterle hinzu. Besonders wichtig sei das, „wenn sich an besonders heißen Tagen rund 4000 Leute hier im Bad abkühlen wollen.“