Friedensstraße/Kriemhildenstraße - Anlieger leiden unter Aufhebung der vorherigen Durchfahrtsverbote für den Lkw-Verkehr Plötzlich waren die Straßenschilder verschwunden

Von 
Nina Schmelzing
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Ruth Wortmann, Joachim und Hannelore Bliemeister sowie Nina Schmidt-Pavic wollen das alte Lkw-Durchfahrtsverbot wiederhaben. © Bliemeister, Neu

Lorsch. Viele Anlieger seien „ausgesprochen verstimmt“. Das sagt Joachim Bliemeister über sich und einige seiner Nachbarn in der Friedens- und Kriemhildenstraße. Grund ist, dass Straßenschilder entfernt wurden, die Durchfahrtsverbote für Lastwagen über 3,5 Tonnen markierten. Dass die Beschilderung ohne Information der Anwohner abmontiert wurde, ärgert Bliemeister. Noch mehr verärgert sind die Anlieger aber über die Folgen der Neuregelung: Ein erhöhtes Lkw-Aufkommen vor ihren Haustüren.

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Offensichtlich räume man im Stadthaus dem Lkw-Verkehr „wieder Vorrang“ vor den Interessen der Anlieger nach weniger Lärm und Abgasen sowie mehr Sicherheit ein, so Bliemeister in einem Schreiben an Bürgermeister Christian Schönung. Er erklärt darin, die Änderung – die Verbotszone ist weiter nach außen verlegt – nicht hinnehmen zu wollen.

Die Anlieger fordern, dass die Schilder wieder an den ursprünglichen Orten aufgestellt werden, damit die zum Ladeverkehr einfahrenden Laster wieder auf kürzestem Weg aus der Stadt hinausfahren und nicht die bequemere Strecke durch die Stadt nehmen können.

Anlieger: Sorglos beim Steuergeld

Als es um die Umlage der Straßenbeitragskosten ging, hätten sich die Anwohner vor rund zehn Jahren mit der Hälfte der Kosten an der grundhaften Sanierung von 1,8 Millionen Euro beteiligen müssen, so Bliemeister. Zum Schutz der Anwohner, der Gebäude und der Straße habe man sich auf das Durchfahrtsverbot geeinigt.

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Nun fände aber mancher 40-Tonner den Weg durch die beiden nicht dafür ausgelegten Straßen. „Jeder 7,5-Tonner schädigt die Straße etwa 1000 Mal, jeder 30-Tonner etwa 100 000 Mal so stark wie ein Pkw“, sagt der Friedensstraßen-Anlieger. Lasse man die Fahrzeuge die innerstädtischen Straßen abnutzen, anstatt den Verkehr auf Kreis-, Landes- und Bundesstraßen zu leiten, spreche das für einen „sehr sorglosen Umgang mit Steuergeldern“.

Stadt: Unstimmige Beschilderung

Im Stadthaus hatte man auf Bliemeisters Schreiben reagiert. Von der Ordnungsbehörde erhielt der Anlieger die Mitteilung, dass an allen Ortseingängen die Zufahrtsstraßen mit den Verbotsschildern für 3,5-Tonner versehen seien – mit dem Zusatzschild „Be- und Entlader frei“. Das Durchfahrtsverbot für Lkw-Verkehr gelte also im gesamten Stadtgebiet von Lorsch, die Gewerbegebiete ausgenommen. Einer Wiederholung des Verbotes bedürfe es nach den verkehrsrechtlichen Bestimmungen nicht. Die „unstimmige Beschilderung“ sei deshalb entfernt worden. Zulieferer, Ver- und Entsorger hätten zudem darauf hingewiesen, dass es ihnen durch die bisherigen Schilder verboten war, Kriemhilden- und Friedensstraße mit Autos über 3,5 Tonnen zu befahren, auch wenn sie dort Aufträge zum Be- oder Entladen zu erledigen hatten.

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Mit dieser Erklärung sind die Anlieger aber nicht zufrieden. Ihnen geht es nicht um die verkehrsrechtliche Begründung, sondern um „den Schutz der Anwohner, ihrer Immobilien, der Verkehrssicherheit und des Straßenbelags“, wie sie in einem zweiten Schreiben an den Verwaltungschef formulieren. Selbstverständlich sei es, dass Liefer- und Anliegerverkehr vom Durchfahrtsverbot ausgenommen werden könne und müsse. Dazu sei nur ein Zusatzschild wie an den Ortseinfahrten nötig.

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Ein „Zeichen von Respekt und Anstand“ wäre es gewesen, die Bürger über die Änderung in Richtung „Verkehr vor Mensch“ zu informieren, meinen Anlieger und unterstreichen ihre Forderung nach der „Sofortmaßnahme“, Durchfahrtsverbote an den früheren Standorten wieder anzubringen, ausgenommen Lieferverkehr von 7 bis 19 Uhr. Auch Busse seien selbstverständlich von der Beschränkung auszunehmen.

Auch an alle Fraktionen haben sich die Anlieger gewendet. Sie verweisen auf ihre bereits jahrelange Bemühung, den Verkehr in Friedens- und Kriemhildenstraße auf ein „erträgliches Maß zu reduzieren“. Unterstützung hätten daraufhin CDU und Grüne signalisiert, so Bliemeister. Sie wollten das Thema gegenüber Bürgermeister Schönung zur Sprache bringen.

Matthias Schimpf (Grüne) hat in einem Schreiben an den Magistrat bereits mitgeteilt, seine Fraktion halte es für „durchaus sinnvoll, eine weitere Beschilderung innerörtlich vorzunehmen“. Die Grünen fragen zudem nach den Ergebnissen einer Verkehrszählung, die „vor geraumer Zeit“ in der Kriemhildenstraße vorgenommen worden sei.

Bürgermeister Schönung erinnert daran, dass nach der vorherigen Regelung sogar für Müllautos und Rettungswagen ein Durchkommen problematisch gewesen wäre. Er wolle das Gespräch mit den Anliegern suchen.

Redaktion