Fastnacht - Bürger-Funken können sich bei ihrer ersten digitalen Funken-Schau über mehr als 2200 Aufrufe freuen Närrisches aus Stadt und Home-Office

Von 
Nina Schmelzing
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Zwei erfahrene Fastnachter, die auch bei der ersten digitalen Ausgabe der Funken-Schau nicht fehlten: Angie Helm sang ihre Liebeslieder auf Lorsch direkt vor der Königshalle, Hans-Jürgen Brunnengräber nahm die Zuschauer aus dem Home-Office mit auf eine Stippvisite zur Lorscher Digital-Elite. © Schmelzing

Lorsch. „Es blutet unser Fastnachtsherz“. Mit diesen Worten trifft Vereinsvorsitzender Rainer Dluzak sicher die Stimmung aller Fastnachtsfreunde, die in diesem Jahr wegen Corona auf Sitzungen und Umzüge, aufs Schunkeln und aufs gemeinsame Feiern und Tanzen verzichten müssen. Schulterzuckend und untätig haben aber auch die Bürger-Funken die traurige Situation nicht einfach hingenommen. Sie erarbeiteten als erklärtermaßen „kleinen Ersatz“ eine erste „digitale Funken-Schau“, um Fastnachter bei Laune zu halten.

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Die Kombination aus historischen Bildern von einstigen Fastnachtsumzügen sowie fetzigen Bühnenauftritten aus einer voll besetzten Nibelungenhalle mit neuen und coronakonform produzierten Einzelbeiträgen ist dem mehr als 50 Jahre alten Verein gelungen. An kräftigem Applaus und Zugabe-Rufen lässt sich das diesmal zwar nicht festmachen. Immerhin aber über 2200 Online-Aufrufe verzeichneten die „Vier mal elf Minuten Fastnacht“ bis gestern bereits.

Zu sehen gibt es Ausschnitte aus dem Programm der vielen Ballettgruppen und Funken-Garden sowie eine Darbietung der Schützen. „Video ab“ statt „Bühne frei“, ruft Tobias Graf, der durch die Sendung führt. Angie Helm schmettert ihre Lorsch-Lieder dann direkt vor der Königshalle und auch das Trio der Laureshämmer singt auf dem Welterbegelände in die Kamera. Rudi Häusler und Johannes Dewald werden mit ihrer Unterhaltungsmusik über einen süßen Gutzel-Stand von dort aus zugeschaltet.

Daheim mehr Arbeit als im Betrieb

Am Bildschirm miterleben kann man bei den Funken zum Beispiel den neuen Home-Office-Alltag – und versteht, wieso die Heimarbeiter behaupten, zuhause deutlich mehr zu malochen als im Betrieb. Marco Graf schlüpft in die Rolle eines Mannes, der versucht, seine Computerarbeit für die Firma vom Küchentisch aus zu erledigen – er gibt irgendwann entnervt auf, weil er zeitgleich zahlreichen Aufforderungen seiner Partnerin bei der Hausarbeit nachkommen muss.

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Ursula Späth-Winter präsentiert sich als erfolgreich forschende Wissenschaftlerin, hantiert mit allerlei medizinischem Gerät und verspricht, nach Selbstversuchen den perfekten Impfstoff gefunden zu haben. Einen besonders originellen Beitrag steuert Hans-Jürgen Brunnengräber bei. Als „Mephisto hat er zwar seinen Abschied gegeben, glänzt nun aber in einer anderen Rolle, gleichfalls aus dem Home-Office. In knallbuntem Outfit führt er „per Stippvisite“ zu den beiden wichtigsten Personen der „Lorscher Digital-Elite“, zu Bürgermeister Schönung und Pfarrer Bartmann.

An „Karl Lauterbach im Kleinformat“ erinnerten die Videos des Verwaltungschefs aus dem Lorscher Stadthaus zur Corona-Krise. Sie erfüllten „auch satirisch einen Zweck“, urteilt der Narr. Der medial sehr präsente katholische Pfarrer von St. Nazarius wird in der digitalen Funken-Schau zu „Don Camillo 2.0“.

Redaktion