Projekt - Lorsch feiert Etappensieg auf dem Weg ins Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe Mit Tabak-Kultur zum nächsten Unesco-Titel?

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red
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Tabak wird in Lorsch seit Jahren im Rahmen eines Bürgerprojekts angebaut. © Stadt Lorsch

Lorsch. Jubel gestern in Lorsch. Denn die Bemühungen, Tabakanbau in das Verzeichnis des Immateriellen Unesco-Kulturerbes aufzunehmen, haben eine erste Hürde genommen. Die Jury im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst beförderte die gemeinsame Initiative von fünf Kommunen aus drei Landkreisen – darunter Lorsch – zur weiteren Entscheidung in die Kultusministerkonferenz beziehungsweise die deutsche Unesco-Kommission.

Internationaler Antrag angedacht

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Hatzenbühl, Schwetzingen, Hockenheim, Heddesheim und Lorsch sehen sich als „Gemeinschaften, die von dieser lebendigen Tradition geprägt sind und bei denen Menschen die Schlüsselrolle spielen“, wie es die Antragsbedingungen vorschreiben. „Wir würdigen mit dieser Antragstellung das Kulturerbe Tabakanbau und Tabakverarbeitung als Hommage an eine wirtschaftlich und kulturell grundlegend prägende Tradition unserer Region“, so die Antragsteller. Sollte es der Antrag zum Titel schaffen, denken die Initiatoren bereits an eine Ausweitung des Themas hin zu einem internationalen Unesco-Aufnahmeantrag, gemeinsam mit zwei weiteren Nationen, heißt es aus Lorschs Kulturamt.

Die Techniken des Tabakanbaus und der Zigarrenverarbeitung am Oberrhein als jahrhundertelange Prägung von Agrar-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie von Kultur, Mentalität, Brauchtum und Architektur wird gewürdigt. Nun soll ein unabhängiges Expertenkomitee das Thema zur Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis der Immateriellen Kulturerben empfehlen.

In Hatzenbühl, im Landkreis Germersheim, wurde erstmals für Deutschland Tabakanbau nachgewiesen. Die Kultur ist in den Antragsgemeinden bis heute lebendig im Zusammenleben der Menschen. Landrat Christian Engelhardt verweist auch auf den wirtschaftlichen Aspekt: „Der Tabakanbau hat die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region maßgeblich mitgeprägt und Lorsch sowie dem restlichen Landkreis über die Jahrhunderte hinweg wachsenden Wohlstand gebracht.“

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Aus Lorsch kam die Initiative zum Unesco-Antrag, der in Absprache mit den beteiligten Kommunen ausgearbeitet wurde. Jede der fünf Gemeinden hat historische Bezüge zum Tabak. Doch die Antragstellung machte zudem eine „nachweisbare Lebendigkeit sowie kreative Weitergaben und Weiterentwicklung der Kulturform durch die Trägergemeinschaft“ zur Bedingung.

Aufzuzählen sind etwa Museen, Stadtfeste, Ausstellungen, Lesungen. Lorsch hat das Tabakprojekt als Bürgerinitiative, die Tabak anbaut und die Fühler bis Kuba ausstreckt, Workshops, eine regionale Zigarre, Brunnen, Plätze, architektonische Zeugnisse, Sammlungen, Führungen vorzuweisen. Der Tabak war mancherorts die Initialzündung für die Stadtentwicklung.

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„Entgegen dem allgemeinen Trend suchen wir mit dieser Antragstellung das Kulturerbe Tabakanbau und Tabakverarbeitung als Hommage an eine wirtschaftlich und kulturell grundlegend prägende Tradition unserer Region zu würdigen und zu sichern“, reagiert Bürgermeister Christian Schönung auf die Kritik derer, die Tabak auf das Rauchen reduzieren.

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Tabak ist ein Thema, das über lokale oder regionale Bezüge hinaus internationales Profil und Potenz habe, hat man in Lorsch erkannt. „Deshalb sehen wir unseren Antrag als einen Anfang der weitere Orte und Länder einschließen soll“, so Gabi Dewald, Leiterin des Lorscher Kulturamts. Das sei „ganz im Sinne der Unesco, die den Gedanken des Friedens und damit der völkerverbindenden Gemeinsamkeiten befördert sehen“ wolle. Voraussetzung für eine internationale Antragsstellung sei jedoch, etwa gemeinsam mit zwei weiteren Nationen, zunächst die Anerkennung auf nationaler Ebene. Darüber soll bis zum Frühjahr 2021 entschieden sein. „Wir drücken uns selbst weiter die Daumen“, hoffen die Initiatoren und warten nun zunächst auf das positive Votum der Deutschen Unesco-Kommission.

Bis heute wurden fast 100 Kulturformen und Modellprogramme in das deutsche Verzeichnis aufgenommen. Die jetzt erfolgte ist die vierte Bewerbungsrunde. Weltweit wurden bislang 549 Einträge aus 127 Ländern vorgenommen. Aus Deutschland stammen etwa Orgelbau und Falknerei. red