Publikation - Interdisziplinäre Ansätze zum Thema Natur und Kultur / Zehn Autoren beteiligt Lorscher Kolloquium als Buch erschienen

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Thomas Tritsch
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Joachim-Felix Leonhard (r.) und Julius Leonhard stellten das Buch zum vor drei Jahren initiierten wissenschaftliche Kolloquium in Lorsch vor. © Funck

Lorsch. Anlässlich seines 70. Geburtstags hatte Joachim-Felix Leonhard vor gut drei Jahren am Weltkulturerbe Kloster Lorsch zu einem zweitägigen wissenschaftlichen Kolloquium eingeladen. Ein ungewöhnliches akademisches Forum, bei dem es dem Gastgeber wie den Akteuren darum ging, die klassische Segmentierung und Abgrenzung zwischen den Bereichen Natur und Kultur zu überwinden und als einen homogenen, wenngleich facettenreichen interdisziplinären Diskurs gleichsam neu zu initiieren.

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Das Ergebnis dieses hochkarätigen Austauschs liegt seit kurzem in gebundener Fassung vor. Gemeinsam mit den Herausgebern Helmut Knüppel und Julius Leonhard – seinem Sohn – hatte der Geschichtsprofessor, Bibliothekar und Staatssekretär a.D. zur Buchvorstellung ins Alte Rathaus eingeladen.

Zahlreiche prominente Gäste aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie aus Kultur und Politik folgten dem Ruf in den Nibelungensaal. Darunter auch fast alle beteiligten Autoren, die eine beachtliche Bandbreite an wissenschaftlichen Disziplinen repräsentieren: von der Literatur- und Geschichtsforschung über die Theologie und Geologie bis hin zu den Rechtswissenschaften, der Ethnologie und der Stadtplanung.

Das Verhältnis zwischen Natur, Bildung und Kultur, so auch der Titel der Publikation, sei in den vergangenen Jahren zu einer global relevanten Frage geworden, so Joachim-Felix Leonhard, der in der Eifel geboren und in Lorsch aufgewachsen ist. Spätestens die Debatte um den Klimawandel offenbare, dass eine ganzheitliche Betrachtung dieses sich in vielerlei Hinsicht überschneidenden Komplexes nicht nur sinnvoll, sondern zu einem umfangreichen Verständnis sogar dringend erforderlich sei. Dies gelte umso mehr, wenn man sich vor Augen führe, dass die Veränderungen in der Natur zu einem nicht unwesentlichen Teil vom Menschen gemacht beziehungsweise verstärkt würden, so Leonhard, der allen am Buch Beteiligten für deren Engagement und Unterstützung seinen Dank aussprach.

Immense Themenvielfalt

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„Weniger in Segmenten denken als Verbindungen suchen“, hatte er seinen Anspruch damals formuliert. Im Vorwort des Buchs gibt er seiner Hoffnung Ausdruck, dass die perspektivische Idee des Kolloquiums über den Anlass des Treffens hinausgehen und die tradierten Trennlinien zwischen den Disziplinen weiter verblassen mögen.

Auch die Herausgeber kommentieren das Lorscher Kolloquium angesichts der immensen Themenvielfalt und inhaltlichen Verästelungen als überaus ambitioniertes Unternehmen, das allerdings dazu in der Lage sei, die „Begrenztheit der Wahrnehmung“ und Flüchtigkeit des Wissens überdeutlich zu machen. Das Ergebnis könne als Versuch gesehen werden, die Bedingungen gesellschaftlicher Entwicklungen zur Lösung drängender Herausforderungen zu skizzieren.

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Der Lorscher Welterbeleiter und Historiker Hermann Schefers eröffnet das Buch mit einer Erörterung der Rolle von Mönchen und Geistlichen als Filter und Mittler des wissenschaftlich-kulturellen Erbes. Der Geschichtswissenschaftler Volkhard Huth (Leiter des Instituts für Personengeschichte Bensheim) beschreibt das Bildungssystem im hohen Mittelalter im Kontext einer Wissenskultur zwischen Theologie und Philosophie. In weiteren Aufsätzen geht es um die Jugendreformbewegungen im 20. Jahrhundert (Jürgen Reulecke), um den Zeitbegriff im Nationalsozialismus (Anselm Doering-Manteuffel) und um die zeitgenössische Naturforschung, der sich Volker Mosbrugger widmet, auch bekannt als Generaldirektor des Forschungsinstituts und des Naturmuseums Senckenberg in Frankfurt. Weitere Autoren sind Claus Arnold, Sabine Doering-Manteuffel, Vito Punzi sowie der prominente Heidelberger Verfassungs- und Steuerrechtler Paul Kirchhof.

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Der Architekt und Stadtplaner Wolfgang Christ von der Bauhaus-Universität Weimar, den viele Bergsträßer durch seine Vorträge bei den Veranstaltungen der Kulturstiftung für die Bergstraße kennen (Leonhard ist Kuratoriumsvorsitzender), schreibt über urbane Strukturen im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung.

Erster Stadtrat Klaus Schwab würdigte Leonhards Engagement als Mitglied im Vorstand der Deutschen Unesco-Kommission und als Vorsitzenden des Nominierungskomitees für das Unesco-Programm „Memory of the World“. Sein vielfältiger kultureller Einsatz zeige die Verbundenheit zur Stadt Lorsch, wo er immer wieder besondere Veranstaltungen initiiert habe.

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