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Sportlerwahl - Uwe Wahlig, Zweitplatzierter bei der DM im Streckensegelflug, ist für den Titel als Sportler des Jahres nominiert

Lorscher fliegt erstmals bei der Weltmeisterschaft mit

Von 
Nina Schmelzing
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Der Lorscher Segelflieger Uwe Wahlig startet im August erstmals bei einer Weltmeisterschaft. Die besten Flieger der Clubklasse kämpfen in Frankreich um den Titel. © Wahlig

Lorsch. Wenn Uwe Wahlig abhebt, dann ist er in Nullkommanix in luftiger Höhe und dort allein auf weiter Flur. Der Lorscher ist Segelflieger, und zwar ein sehr erfolgreicher. Dass auch seine Sportart durch Corona hart getroffen wurde, kann man als Laie zunächst kaum glauben. Da oben am Himmelszelt in bis zu 3000 Meter Höhe sind die Abstände schließlich riesig und ein Pilot in seiner kleinen, abgeschirmten Kiste kommt niemandem zu nahe. Trotzdem mussten auch die Segelflieger eine lange Pause einlegen.

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Denn auch Weltklasse-Piloten sind bei ihrem Sport auf ein Team angewiesen. Unter anderem bei ihren Starts und Landungen treffen sie mit anderen Menschen zusammen – auch wenn sie mit einem Schleppfahrzeug in den Himmel gezogen werden oder von einem abseits gelegenen Acker wieder abgeholt werden müssen.

Neben vielen internationalen Wettkämpfen fiel daher auch die WM der Pandemie zum Opfer. Das war für Uwe Wahlig bitter. Denn der Lorscher, der Mitglied der Segelfluggruppe Bensheim (SFG) ist, hatte sich auf das Großereignis, das voriges Jahr bei Chalons in Frankreich ausgetragen werden sollte, bestens vorbereitet – und sich zudem gute Chancen auf einen Platz ganz vorne ausgerechnet. Auch viele Bergsträßer hatten sich schon aufs Daumendrücken für ihn gefreut. Wahlig ist der erste Aktive seines Vereins, der bei einer WM starten sollte.

Flügelspannweite beträgt 15 Meter

Sein Können in der anspruchsvollen Sportart durfte der 50-Jährige aber nicht beweisen – die Weltmeisterschaft wurde um ein Jahr verschoben. Jetzt steht der neue Termin kurz bevor. In wenigen Tagen werden sich die besten Segelflieger der Welt nun in Montlucon-Gueret einfinden, um ihre Sieger zu ermitteln. Die Wertungsflüge in Frankreich beginnen ab dem 7. August. Uwe Wahlig startet mit seinem Segelflieger LS 3 in der Clubklasse für leistungsfähige etwas ältere Modelle der 1980er Jahre. Sein Flugzeug, ein Einsitzer, hat eine Flügelspannweite von 15 Metern.

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Vor ein paar Wochen noch war der Wettkampf ziemlich weit weg. Bei der Frage, wer gerade Weltmeister ist in der Clubklasse, musste sogar Uwe Wahlig damals einen Moment lang überlegen. Im Rahmen seiner erfolgten präzisen Vorbereitung auf den großen Wettbewerb aber hat er natürlich auch diesen Namen längst wieder sofort präsent: Rasmus Ørskov lautet er. Der Däne ist jetzt erneut gemeldet – und es ist anzunehmen, dass er seinen Titel verteidigen möchte. Die insgesamt knapp 40 Teilnehmer, die ebenfalls Weltmeister in dieser Kategorie werden wollen, stammen unter anderem aus Großbritannien, Polen, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien und den USA. Insgesamt werden bei der WM mehr als 100 Piloten antreten.

Seit Jahren im Nationalteam

Die Leistungsdichte sei sehr eng und „grobe handwerkliche Fehler macht keiner“, sagt Uwe Wahlig über die Mitbewerber. Er kann dennoch hoffen, weit vorne mitzufliegen. Gerade hat das der Lorscher, der seit vier Jahren zur Nationalmannschaft gehört und vor zwei Jahren Bronze bei der EM geholt hat, der Konkurrenz wieder deutlich gemacht. Vorige Woche gab es nämlich die Möglichkeit für die Sportler, sich mit dem Wettbewerbsraum schon einmal vertraut zu machen.

Wahlig nutzte die Chance, fuhr nach Frankreich und setzte ein Zeichen: In Issoudun, etwa 70 Kilometer entfernt vom WM-Standort, gelangen ihm schöne Erfolge. „An zwei Tagen habe ich den ersten Platz belegt“, erzählt der 50-Jährige nach seiner Rückkehr vom internationalen Vergleich erfreut. Die Flüge dort waren – wegen der Waldareale und einem militärischen Sperrgebiet in der Nähe – herausfordernd für einen Segelflieger, die thermischen Bedingungen aber waren gut.

Geologisches Fachwissen hilft

Segelflieger müssen sich auskennen mit Meteorologie und Luftrecht, müssen Aufwinde berechnen können und moderne Computertechnologie bedienen können, damit sie in ihren Flugzeugen ohne Motor schnell und sicher ihr Ziele erreichen. Uwe Wahlig, der als Software-Entwickler arbeitet und zuvor Geologie studierte, weiß über all das bestens Bescheid. Das Wissen aus seinem Studienfach kann er für sein Hobby ideal nutzen.

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Bei der WM wird das deutsche Team zudem auch einen eigenen Meteorologen dabei haben. Gemeinsam mit dem Coach werden üblicherweise erst die Wetterbedingungen analysiert und dann die jeweils passende Strategie beraten. Ob mit Regen zu rechnen ist, ob es lohnend ist, mit dem Start noch etwas zu warten zum Beispiel.

Die Zeit vom Briefing bis zum Start beträgt meist nur eine Stunde. Zwischen 200 und 500 Kilometer täglich sind dann im Wettbewerb zu fliegen. Der Schnellste erhält 1000 Punkte. Wenn es nicht so gut läuft, ein paar Kilometer fehlen beziehungsweise der Pilot außerhalb landet, dann jedoch bleiben wichtige Tempo-Punkte aus. „Manchmal ist der Aufwind einfach nicht da, wo man ihn dringend braucht, das kann passieren“, erklärt Wahlig.

Zum dritten Mal nominiert

Die bisherigen Erfolge aber lassen ihn zuversichtlich nach Frankreich blicken. „Ich war immer unter den Top Ten“, erinnert der Lorscher, der sich bei den Bensheimer Segelfliegern seit mehr als 15 Jahren auch als Ausbildungsleiter engagiert. Bei der Unterstützung der Organisation am Boden wird unter anderem auch seine Freundin Bettina Walter aus Lorsch helfen, so Wahlig, der jetzt zum insgesamt dritten Mal für den Titel als Sportler des Jahres der Stadt Lorsch nominiert ist.

Redaktion

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