Kommunalwahl - Stadtverband verteilt sein Wahlprogramm erstmals flächendeckend / Matthias Schimpf: Wir sind das Original Lesestoff der Grünen soll in jedem Briefkasten landen

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Nina Schmelzing
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Plakatiert haben die Grünen, unser Bild zeigt Simon Santiard (l.) und Matthias Schimpf, schon. Jetzt wird das Wahlprogramm an alle Haushalte verteilt. © Zelinger

Lorsch. Die Infostände werden vermisst: Von den Wahlkämpfern, weil ihnen so die Gelegenheit fehlt, mit Wählern ins Gespräch zu kommen und für ihre Ziele zu werben. Von den Wahlberechtigten, weil es weniger Möglichkeiten gibt, die Kandidaten kennenzulernen, ihnen spontan Fragen zu stellen – und dabei noch Kugelschreiber und andere kleine Werbegeschenke mitzunehmen. Wegen Corona sind alle in Lorsch zur Kommunalwahl antretenden Parteien und Wählergemeinschaften aber überein gekommen, dennoch diesmal auf Stände zu verzichten. Die Wahlprogramme sind nun online auf den jeweiligen Webseiten präsentiert – und sie werden in die Briefkästen gesteckt. Auch die Grünen machen das so.

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„Erstmals verteilen wir unser Wahlprogramm flächendeckend“, berichtet Grünen-Spitzenkandidat Matthias Schimpf. 5000 Exemplare werden in die Lorscher Haushalte getragen. Dazu gibt es eine vier Seiten umfassende grüne Kreiszeitung.

Parkplatz ist „unsinnig“

Die Lorscher Grünen wollen sich dafür einsetzen, dass

die zweite Grundschule zügig umgesetzt, die Siemens-Schule im Bestand gestärkt und Lorsch auch Gymnasialstandort wird.

ökologische Standards wie das Verbot von Schottergärten in Bebauungsplänen festgeschrieben werden.

Markt und Feste zum Schutz der Umwelt plastikfrei gestaltet werden und mit Einzelhandel und Gastronomie einheitliche Konzepte zur Abfallvermeidung entwickelt werden.

die haus- und fachärztliche Versorgung in Lorsch verbessert wird, unter anderem durch ein Ärztehaus, vorzugsweise am Ex-Feuerwehrgelände.

Lorsch digitaler wird mit leistungsfähigem offenen WLAN in der Innenstadt und dem Ausbau digitaler Infrastruktur im gesamten Stadtgebiet.

der Neubau der städtischen Mehrfeldhalle im Ehlried umgesetzt wird.

mit der Entwicklungsgesellschaft eine flächenschonende Ansiedlungspolitik betrieben wird, die Steuereinnahmen stärkt und Arbeitsplätze schafft. Weitere Speditionsbetriebe und ein neues Gewerbegebiet an der B 47 in Gegenlage zum „Stubenwald“ in Bensheim werden abgelehnt.

Lorsch weiter zur kulturellen Spitze der Region gehört, alle vier Traditionsfeste bleiben, Angebote evaluiert und ausgebaut werden.

Lärm-, Natur- und Menschenschutz bei der ICE-Trasse Piorität haben, die Konsenstrasse gebaut wird . sch

Das Heft mit dem Wahlprogramm für Lorsch, gedruckt auf Altpapier, hat 16 Seiten. Der markante Kirchenrest auf dem Klostergelände prangt als Luftbild-Aufnahme auf dem Titel. „Kultur, Heimat und Tourismus“ ist schließlich auch eines der insgesamt zehn Kapitel in der Wahlbroschüre überschrieben. Die Welterbestätte sei gemeinsam mit dem Land Hessen als „gesellschaftliches und touristisches Highlight“ in seiner Bedeutung fortzuentwickeln und für weitere Nutzergruppen zu attraktivieren, fordert der Stadtverband. Ähnliches wollen auch Mitbewerber bei der Kommunalwahl. Die Grünen aber formulieren zudem, was sie dabei keinesfalls wollen: einen Parkplatz-Ost nämlich. Anstelle dieses „unsinnigen“ Stellplatzes jenseits der Weschnitz an der B 460, solle eine „bedarfsgerechte Ankunftssituation entwickelt“ sowie der Bebauungsplan zum Parkplatzprojekt aufgehoben werden. „Wir sind die Einzigen, die sich bei diesem Thema sehr deutlich von anderen abheben“, verweist Schimpf auf eine klare Kante. Der Bau im Außenbereich sei von den Grünen stets aus ökologischen und finanziellen Gründen abgelehnt worden.

Explizit wird von den Grünen die Einrichtung eines Seniorenbeirats gewünscht. Ein Prüfantrag hatte zwar 2018 ergeben, dass das Interesse an einer eigenen Vertretung in Lorsch zumindest damals gering war. Die Gruppe der Älteren aber werde künftig verstärkt Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erwarten, sind die Grünen überzeugt. Die Arbeit dürfe sich nicht auf unterhaltsame Seniorennachmittage beschränken. Zu verbessern seien Themen wie Mobilität, etwa mit einem durch das Land Hessen unterstützten Bürgerbus. Auch sei das Konzept der „Mitfahrbänke“ umzusetzen und es seien Modelle des Mehrgenerationenwohnens zu unterstützen. Es könne nicht angehen, dass viel Geld für Straßen und den Individualverkehr ausgegeben werde, bei Vorschlägen zum öffentlichem Personennahverkehr dagegen vergleichsweise scharf abgerechnet werden solle. Den Durchgangsverkehr wollen die Grünen minimieren, „Überschilderung“ abbauen sowie „grundsätzlich flächendeckend Tempo 30 einführen“.

Andere reden von Nachhaltigkeit

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„Wir sind das Original“, betont Schimpf. Es sei verwunderlich, dass viele Kommunalpolitiker Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Munde führten, wenn es aber zum Schwur komme, sei es mit dem Bekenntnis oft doch nicht so weit her. „Andere reden von Nachhaltigkeit, wir treten wirklich dafür ein“, so die Grünen. Manche Initiativen wie die Baumschutzsatzung hätten nicht gleich Erfolg gehabt, seien aber doch nach einer „Anstandsfrist“ umgesetzt worden, so der Spitzenkandidat.

„Wir sind keine Wachstumsverhinderer“, sagt der Grüne. Weil Flächen endlich sind, sei aber darauf zu achten, dass Städte nicht zusammenwachsen. Freiraum sei auch ein Qualitätsmerkmal. Wichtig sei es, gleiche Lebensverhältnisse herzustellen, um den Siedlungsdruck in einer Boomregion zu mindern.

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Lorsch habe eine leistungsfähige Verwaltung und solide Steuereinnahmen. „Nachhaltige Finanzpolitik“ solle die Handlungsfähigkeit der Kommune in allen Bereichen sichern. Zur Entlastung des Etats solle sich Lorsch um Förderprogramme von Land und Bund bewerben. Die Grünen übten ihre Kontrollfunktion gegenüber Magistrat und Bürgermeister aus, verweist Schimpf auch auf erfolgreiche Eingaben bei der Kommunalaufsicht. Grüne Stadtverordnete seien präsent, es gebe keine „prominenten Platzhalter“.

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Malbuch, Maske, Blumensamen Kleine Geschenke am Wahlstand gibt es diesmal nicht. "Give aways" haben die Parteien trotzdem ange schafft. Wer sich bei den Grünen meldet, kann zum Beispiel ein Mini- Memory zum Thema Käfer bekom

Redaktion