Maskenpflicht - Manches Nähutensil ist bereits Mangelware „Gummiband ist das neue Klopapier“

Von 
Nina Schmelzing
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Rosemarie Bensch hat sich eine Maske aus leichtem Leinen anfertigen lassen. Eine Art „Haute Couture“ meint die Lorscherin mit Blick auf die gute Verarbeitung. © Neu

Lorsch. Ob Lippenstifthersteller bald vermehrt Probleme haben, weil sie auf ihrer Ware sitzenbleiben? Es könnte möglich sein. Wie will man einen schönen Mund noch zur Geltung bringen, wenn das halbe Gesicht jetzt oft verdeckt werden muss? Seit gestern gilt bekanntlich Maskenpflicht – und diese wird allseits befolgt. Beim Einkaufen in Lorsch jedenfalls begegnete einem in den Geschäften niemand mehr ohne einen Mund-Nasen-Schutz.

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Richtig begeistert ist vom neuen Bekleidungsstück kein Mensch. Es rutscht oder spannt, atmen und sprechen mit dem ungeliebten Teil im Gesicht ist zumindest stark gewöhnungsbedürftig. Weil den Masken aber ein gewisser Gesundheitsschutz nicht abzusprechen ist, wird die Verordnung akzeptiert – und sehr viele Bergsträßer haben sich offenbar schon früh darum gekümmert, rechtzeitig gut versorgt zu sein.

Sie habe zeitweise das Telefon ausstellen müssen, gibt Andrea Bienia zu. Die Inhaberin einer Nähschule gehörte im März zu den Ersten, die bei einer ehrenamtlichen Aktion sofort mithalfen, Masken für Mediziner und Pflegepersonal zu produzieren. In den wenigen Tagen vor der sich abzeichnenden Maskenpflicht für alle hat sie dann aber so viele Anfragen nach großen Mengen von Stoffmasken auch von Privatleuten erhalten, dass es mit der Zeit fürs Anfertigen schwierig wurde.

„Ich bin schnell“, macht die Lorscherin mit Blick auf die Arbeit an der Maschine klar. 100 Masken für eine Schule nähen sich aber trotzdem nicht im Handumdrehen oder nebenbei. Inzwischen hat sie einigen Vorrat: Modelle in vielen Farben und Mustern sowie unterschiedlichen Größen für Männer und Frauen hat sie zur Auswahl. Weil jetzt jeder Masken braucht, gab es zuletzt allerdings auch Lieferengpässe. „Gummi ist das neue Toilettenpapier“, sagt Andrea Bienia zur momentanen Mangelware in ihrer Branche. Ohne Gummiband lässt sich die Maske aber nicht schnell um die Ohren befestigen.

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Haargenau die gleiche Erfahrung hat auch Rosemarie Bensch gemacht. Die Inhaberin des Stoffladens in der Hirschstraße erläuterte einer Kundin gestern, dass die Nachfrage nach den unscheinbaren elastischen Bändern derzeit riesig ist und an die leeren Klopapierregale voriger Wochen erinnert. Baumwollstoffe für Hobbynäherinnen, die sich ihren Mund-Nasen-Schutz nach eigenen Vorstellungen nähen, hat sie in großer Vielfalt. Sie selbst hat sich allerdings für ein Modell aus atmungsaktivem leichtem Leinen entschieden, und zwar sehr bewusst.

Elastisches Band statt Draht

Mit ihrer Wahl ist Bensch sehr zufrieden. Als eine Art „Haute Couture“ bezeichnet die Lorscherin das kleine Stoffstück, das sich gut der Gesichtsform anpasst, oben und an den Seiten gerafft ist. Im Innern sei kein bunter Blumendraht verarbeitet, der sich bei heißem Waschen verformen oder die Maske verfärben könnte, sondern ebenfalls helles Gummiband, betont sie zur Verarbeitung.

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Ein echter Hingucker sind auch die Masken, die Angestellte in einem Modeladen in der Bahnhofstraße tragen. Sie sind zum Teil aus Spitzenborte gearbeitet und könnten fast aus einem Sortiment für Brautmoden stammen. Schon viele Kundinnen hätten gefragt, wo es die schönen Mund-Nasen-Schutze zu kaufen gibt, heißt es auf Nachfrage. Im Laden sind sie aber nicht zu haben. Ihre Chefin Sibille Wachtel habe sie eigens nähen lassen und für sie zur Verfügung gestellt, freuen sich die beiden Angestellten.

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Eine einzige Maske zu haben, wird für die Zukunft nicht reichen. Das gute Stück muss regelmäßig ausgewechselt oder gereinigt werden, wenn es seinen Zweck erfüllen soll. Wer sein Outfit nicht durch das Tragen irgendeiner beliebigen Maske ruinieren möchte, mit der man aussieht, als käme man geradewegs aus dem Krankenhaus, wird unterschiedliche Modelle anschaffen, um stets einigermaßen passend gekleidet zu sein. Wem das nicht ganz so wichtig ist, der wird in Lorsch aber auch beim Discounter fündig. Dort gibt es einfache Masken jetzt in Zehnerpacks. Vielleicht wird sich auch mancher Kosmetikproduzent mit seinem Angebot dem neuen Bedarf anpassen. Make-up für die Augen dürfte zunehmend gefragt sein.

Redaktion