Kommunalwahl - Der FDP-Fraktionschef tritt am 14. März erneut als Spitzenkandidat seiner Partei an / Seit fast 20 Jahren Erfahrung als ehrenamtlicher Stadtverordneter Freie Zeit nutzt Klaus Wolff gern zum Lesen

Von 
Nina Schmelzing
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Klaus Wolff tritt als Spitzenkandidat der Lorscher FDP zur Kommunalwahl an. © Funck

Lorsch. Wer mit Klaus Wolff Visitenkarten austauscht, stutzt oft einen Moment lang. Sein Kärtchen sieht zwar auf den ersten Blick aus wie viele andere – es fühlt sich aber anders an. Die Rückseite nämlich ist nicht glatt, sondern mit Erhöhungen versehen. Es handelt sich um ein Punktmuster: Keine beliebige Anordnung von Punkten allerdings, sondern um Mitteilungen in der Brailleschrift. Denn Wolff, Spitzenkandidat der Lorscher FDP für die Kommunalwahl am 14. März, ist beruflich als Geschäftsführer des Badischen Blinden- und Sehbehindertenvereins tätig.

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Der 62-Jährige kann die Schrift, die vor fast 200 Jahren vom Franzosen Louis Braille für Blinde entwickelt wurde, nicht nur auch selbst lesen. Er kann klarmachen, wieso die Erfindung so genial ist. Sechs kleine Punkte, unterschiedlich angeordnet, ergeben 64 Zeichen – die Tastschrift ermöglicht Sehbehinderten weltweit Zugang zu Informationen und Teilhabe. Derzeit ist zudem „Barrierefreiheit im Internet“ ein großes Thema, für das sich Behindertenverbände starkmachen, berichtet Wolff. Die Personengruppe, die Unterstützung erwartet, ist nicht klein. Fast jeder Zehnte in Deutschland gilt als schwerbehindert.

Auch in seiner Freizeit liest der Lorscher gerne. Zur Unterhaltung greift der promovierte Wirtschaftswissenschaftler dann unter anderem zu Krimis. Die Romane von Henning Mankell sowie die Eifel-Krimis von Jacques Berndorf, die Heidelberg-Krimis von Wolfgang Burger sowie die Bergstraßen-Krimis von Manfred Krämer mag er zum Beispiel. Die Biografie von Barack Obama liegt aber ebenso auf seinem Wohnzimmertisch wie ein Buch über Künstliche Intelligenz, verfasst vom Philosophen Richard David Precht.

Für die Liberalen engagiert sich Klaus Wolff schon lange. In seiner Studentenzeit in Heidelberg arbeitete der gebürtige Weinheimer bei den Julis mit. Die Bereitschaft, auch gesellschaftlich Verantwortung übernehmen zu wollen, habe er bereits aus seinem „weltoffenen“, aber nicht politisch engagierten Elternhaus mitgebracht.

Ehrenamtliches Interesse vererbt

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Das Interesse an ehrenamtlicher Arbeit hat der FDP-Spitzenkandidat wohl auch vererbt. Seine drei mittlerweile erwachsenen Kinder bringen sich jedenfalls ebenfalls ehrenamtlich ein, berichtet Wolff nicht ohne Stolz. Seine Tochter hat zudem ein Freiwilliges Soziales Jahr in Peru absolviert. Ein Wandteppich, den sie ihrem Vater von dort mitgebracht hat, schmückt jetzt ein Zimmer im Elternhaus in Lorsch.

Als großes Hobby neben der Kommunalpolitik nennt Klaus Wolff das Reisen. In Kuba war er genau zu der Zeit, als auch eine Lorscher Delegation wegen der Kooperation zum Thema Tabakanbau in Havanna weilte. Auch ein längerer Aufenthalt in Sri Lanka hat ihn beeindruckt. „Wir reisen nicht pauschal“, unterstreicht er, dass sein Interesse und das seiner Partnerin den Menschen, den Sitten und Gebräuchen sowie der Landschaft im jeweiligen Land gelte und nicht einem Strandurlaub, den man weitgehend untätig verbringt.

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Die Pandemie hat das Reisen natürlich stark eingeschränkt. Die Decke sei ihm trotzdem nicht auf den Kopf gefallen. „Corona hat uns einiges an Heimatkunde gebracht“, erzählt Klaus Wolff. Schließlich wandert er auch. Er hat eine Weinlagenwanderung unternommen. Und entdeckt hat er bei den Ausflügen in der näheren Umgebung zum Beispiel auch den Wasserfall bei Reichelsheim. Empfehlen kann er zudem eine „Bauhaus-Tour“. Als das Reisen noch möglich war, hat Wolff dabei Dessau, Erfurt, Gotha und die Bauhaussiedlung in Karlsruhe besucht.

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Für die FDP arbeitet Klaus Wolff schon lange im Ortsparlament mit. Der FDP-Fraktionschef ist seit 2002 ohne Unterbrechung als Stadtverordneter dabei. Die Liberalen sind in Lorsch die kleinste der fünf im Gremium vertretenen Fraktionen. Drei der insgesamt 37 Sitze haben sie dort momentan inne. Das ist nicht viel, Klaus Wolff kennt aber schwierigere Zeiten.

Fünf Jahre lang Einzelkämpfer

Denn 2011 errangen die Liberalen nur einen Sitz. Wolff musste daraufhin fünf Jahre lang als Einzelkämpfer die Interessen der FDP vertreten. Das war besonders anstrengend, denn, weil der Fraktionsstatus fehlte, stand ihm als Solisten zum Beispiel kein Rederecht in den Ausschüssen zu. Ein gutes Wahlergebnis wie 2016, als die Lorscher Liberalen mit ihrem Spitzenkandidaten Klaus Wolff 6,7 Prozent der Stimmen holten, will die FDP deshalb halten beziehungsweise lieber noch weiter verbessern.

Als eine Stärke des FDP-Teams sieht der Spitzenkandidat die Fähigkeit zum Zuhören an. Diese Eigenschaft sei in der Politik nicht sehr ausgeprägt, bedauert er. In der Stadtverordnetenversammlung verfolge er keinen konfrontativen Kurs, es gehe vielmehr darum, breite Mehrheiten zu finden. Er sieht sich als ein „Ideengeber“, seine Fraktion versuche, „möglichst sachlich zu argumentieren“.

Als ein wichtiges Thema nennt er interkommunale Zusammenarbeit. Noch arbeite Lorsch kaum mit anderen Städten und Gemeinden zusammen. Es gelte, Einsparpotenziale ohne Qualitätsverluste zu suchen, sagt er. Bei der Kläranlage habe jetzt richtigerweise die Suche nach möglichen Synergien begonnen.

Einsetzen will sich der FDP-Spitzenkandidat Wolff auch für eine bessere „Verzahnung“ bei den Angeboten der Welterbestätte Kloster Lorsch. Nicht zuletzt auch die geplante ICE-Neubaustrecke werde die Stadtverordneten in der nächsten Wahlperiode beschäftigen. An einem langen Tunnel in bergmännischer Bauweise sei dabei festzuhalten.

Redaktion