Frühlingsmarkt - Wegen Corona gab es das Stadtfest diesmal nur in digitaler Form / Viele bekannte Akteure im Programm dabei Feiern vor dem Bildschirm

Von 
Nina Schmelzing
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Den Frühlingsmarkt konnten Lorscher diesmal nur online erleben. © Funck

Lorsch. Keine Musik im Zentrum, keine feiernde Menschenmenge, in der man immer wieder Freunde und Bekannte trifft, kein Festlärm bis in den Abend – aber auch kein Restmüll auf den Straßen. Der Frühlingsmarkt am Wochenende war diesmal ganz anders. An manchem treuen Festbesucher ist er deshalb vielleicht fast unbemerkt vorbeigezogen. Großveranstaltungen sind derzeit schließlich verboten.

Lokales Pink Panther beim digitalen Frühlingsmarkt in Lorsch

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Während allerorten gerade die beliebtesten und besucherstärksten Feste wegen Corona ersatzlos ausfallen, hat Lorsch aber eine andere Alternative gewählt: Die zweitägige Veranstaltung wurde ins Internet verlegt. „Leider“ sei diesmal nur eine digitale Version möglich, räumte Bürgermeister Christian Schönung in seinem Grußwort ein. Das Programm sei jedoch „gar nicht so anders wie in den anderen Jahren“, versicherte er. Denn wie üblich werde Gesang und Tanz, Unterhaltung und Information geboten, zudem zwei Konzerte im Live-Stream.

Lorsch als „kultureller Leuchtturm der Region“

Als „erste Kommune in der weiteren Region“ richte Lorsch ein großes Stadtfest digital aus. Darauf hatte Bürgermeister Christian Schönung die Stadtverordneten in der jüngsten Sitzung aufmerksam gemacht. Der virtuelle Frühlingsmarkt beziehe über 40 Lorscher Gewerbebetriebe, Vereine, Musiker, Kulturschaffende und Ehrenamtliche ein, teilte der Verwaltungschef im Rahmen seiner Magistratsinformationen mit.

Vor allem zeige der digitale Frühlingsmarkt „dass Lorsch lebendig, flexibel, initiativ und einfallsreich“ sei. Auch unter schwierigen Bedingungen wie der Corona-Pandemie lebe die Kultur in Lorsch und biete Bürgern und Gästen Teilhabe. Mit der „innovativen Veranstaltungs-Premiere“ werde zudem „Lorschs guter Ruf als kultureller Leuchtturm der Region“ unterstrichen. Der Lorscher Frühlingsmarkt wird durch Sponsorengeld der Sparkasse finanziert.

Ob es weitere Stadtfeste in dieser Form geben wird, das blieb in der Stadtverordnetenversammlung vorige Woche noch offen. Wegen der Corona-Krise kann unter anderem auch das Johannisfest im Juni nicht wie üblich gefeiert werden. Matthias Schimpf (Grüne) zeigte sich in der Sitzung skeptisch. „Ein Johannisfest lebt davon, dass Menschen sich begegnen. Das wird nicht digital funktionieren.“ Auch Dirk Sander (SPD) und Klaus Wolff (FDP) äußerten sich anschließend ähnlich.

Der Magistrat mit Bürgermeister Schönung an der Spitze hat angekündigt, dass nach dem Frühlingsmarkt darüber beraten werden soll.

Kulturamtsleiterin Gabi Dewald rief vor der Kamera beim Live-Stream des Konzerts am Samstag dazu auf, die Kunst in der Corona-Zeit nicht zu vergessen. „Kultur ist ein Lebensmittel“, betonte sie. Kulturförderung ist als Staatsziel in der hessischen Verfassung festgeschrieben, erinnerte sie.

Wenn die Kulturszene jetzt keine Unterstützung erfahre, sei diese im nächsten Jahr aber vielleicht nicht mehr in gewohnter Form vorhanden, warnte sie vor einem „Horrorszenario“. Dieser Aspekt sei in der gerade aufbrechenden Diskussion um allerlei erforderliche Einsparungen im Zuge der Corona-Krise zu beachten. sch

Tänze vor der Königshalle

In den vergangenen Wochen wurden Computer öfter als üblich eingeschaltet, weil auch Schulunterricht und Gottesdienste zum Beispiel nur online zu haben waren. Nicht jeder wird deshalb die Zeit der neuen Lockerungen unbedingt erneut vor dem Bildschirm sitzend verbringen wollen. Wer aber zum Frühlingsmarkt einschaltete, der fand tatsächlich viele vertraute Aktionen wieder. Mitglieder der Bürger-Funken etwa. Zu einem Marsch von Robert Stolz beeindruckten Pia Marquart und Antonia Wunsch von der Juniorgarde mit einer schwungvollen Tanzdarbietung plus Spagat direkt vor der Königshalle.

Auch Aktive von Vronis Tanzstudio gaben online eine Kostprobe ihres Könnens, Hanna Eberhard hatte einen Auftritt in der Rolle als Tanzmariechen.

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Der Musikzug Laurissa unterhielt Zuhörer mit der Nepomuk-Polka, die Formation Taktfest des Männergesangverein Germania ließ einen Song der Toten Hosen erklingen „Wo sind diese Tage“.

Zudem versorgte der virtuelle Frühlingsmarkt Interessierte mit Anleitungen zum Basteln – umweltfreundliche Wachstücher oder Papp-Bienen konnte man Schritt für Schritt mitgestalten. Einzelhändler nutzten die insgesamt acht Programmblöcke außerdem ausgiebig, um auf ihre Leistungen oder Rabatt-Aktionen aufmerksam zu machen.

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Ein Höhepunkt des virtuellen Frühlingsmarktes war das Konzert der Pink Panthers am Samstag, als Live-Stream gesendet aus einem flugs umgebauten Raum in der Ludwig-Erhard-Straße. Jean Diehl verbreitete mit seiner siebenköpfigen Band gute Laune, obwohl die Musiker selbst enorm unter den Corona-Beschränkungen leiden, weil sie seit Wochen nicht auftreten können – und Termine bereits bis in den Oktober hinein gecancelt sind.

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Für die Möglichkeit, digital eine Bühne beim Frühlingsmarkt zu bekommen, bedankte sich Diehl. Lorsch biete Künstlern eine Plattform auch in sehr schwierigen Zeiten – und die Videos kämen gut an.

Redaktion