Vogelpark - Betty Arnold, gute Seele des Areals, beendet ihre Arbeit / Vögel füttern und Park pflegen Enten, Falken und Emus suchen neuen Betreuer

Von 
Norbert Weinbach
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Lorsch. Der Lorscher Vogelpark Birkengarten ist seit Jahrzehnten die Heimat zahlreicher Vogelarten und auch des Vogelschutzvereins. Die Mitglieder sorgen sich darum, diese Anlage immer in ordentlichem Zustand für die Bevölkerung zu präsentieren. Zu den Mitgliedern gehört eine Frau, die sich seit zehn Jahren besonders um den Vogelpark und die dort lebenden unterschiedlichen Vogelarten kümmert. Es ist Elisabeth (Betty) Arnold, die Ende Mai ihren 70. Geburtstag feiern kann. Jetzt aber kündigt Arnold an, ihre Arbeit einzustellen. Am 30. April soll ihr letzter Tag im Vogelpark sein.

In der Spendenbox lassen Gäste oft ein bisschen Geld Wegen der Corona-Krise ist der Vogelpark aber für Besucher geschlossen – Geld bleibt so aus. © Weinbach/Archiv
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Betty Arnold ist Ehrenmitglied, die „gute Seele“ des Vogelschutzvereins und sie war auch einige Jahre im Vorstand engagiert. Sie ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder. Sie wurde in Eisenach geboren, erlernte im dortigen Automobilwerk, wo der Wartburg produziert wurde, den Beruf einer Zerspanungsfacharbeiterin. Aufgrund von Problemen mit der Staatssicherheit, die sie nicht näher erklären wollte, wurde sie mit ihrem Ehemann 1981 in den Westen abgeschoben. Sie kamen ins Auffanglager in Gießen. Weil ein Bruder von Betty Arnold in Lorsch wohnte, wurde die Klosterstadt zu ihrer neuen Heimat. Sie habe hier seitens der Stadtverwaltung und der Bürger sehr viel Gutes erfahren, erklärt sie.

Deshalb habe sie sich auch ehrenamtlich engagiert, etwa im Johanniterhaus. Dort hat sie zum Beispiel mit den Senioren gebastelt. Seit 20 Jahren ist sie auch im Lorscher Gospelchor als Sängerin aktiv. Dazu kommt ihr vor zehn Jahren begonnenes Engagement im Lorscher Vogelpark.

Krähe in der Wohnung versorgt

Sie wolle der Stadt etwas von dem zurückgeben, was sie selbst erlebt habe und den Vogelpark für die Öffentlichkeit erhalten. Sie sei aus Liebe zu den Tieren bereit gewesen, sich um deren Wohlbefinden zu kümmern, erzählt Betty Arnold. Eine junge Rabenkrähe hat sie sogar in ihrer Wohnung großgezogen. Der Vogel habe verletzt auf der Straße gelegen. Eine zweite Rabenkrähe sei hinzugekommen. Beide Vögel habe sie später im Vogelpark in einer großen Voliere untergebracht. Sie könnten nichts ins Freie entlassen werden. Deshalb habe sie versprochen, sie bis an ihr Lebensende zu pflegen. Im Rückblick auf die zehn Jahre im Vogelpark habe sie junge und oft verletzte Enten, Amseln, Drosseln, Spatzen, Spechte, Tauben und sogar einen Bussard gepflegt und wieder freigesetzt. Der Bussard komme sogar heute noch täglich und hole sich Futter, erzählt Betty Arnold. Ein von ihr aufgepäppelter Falke werde demnächst freigelassen. Wenn sie in ihrer Futterecke stehe, kämen auch immer wieder verschiedene Vögel und Eichhörnchen, um sich das bereitliegende Futter zu holen. Um die Bedeutung von Betty Arnold zu ermessen, muss man wissen, dass sie jeden Vormittag im Park ist, um die Vögel zu füttern.

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Sie besorgt das Futter, also Salat, Körner, Brot, Obst, Gemüse, Erdnüsse, Mehlwürmer und auch Eintagsküken, die von den großen Vögeln gefressen werden. Gemeinsam mit einem Minijobber, der von der Stadt bezahlt werde, kümmere sie sich auch um die Pflege der Anlage am Birkengarten, berichtet Arnold. Weil der Vogelschutzverein nicht über ausreichend finanzielle Mittel verfüge, die für den Erhalt der Anlage und der Vögel notwendig seien, hat sich Betty Arnold auch immer wieder um Spenden bemüht.

Um Geld in die Kasse zu bekommen, hat sie auch große beige Nandu- und grüne Emu-Eier ausgeblasen an Besucher verkauft, ein Angebot, das besonders vor Ostern immer gut ankam.

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Gesammelte Vogelfedern, unter anderem von einem Pfau, und bunt bemalte Fasanen-Eier habe sie an Kinder verschenkt und meistens von den Eltern eine Spende erhalten, berichtet Arnold. Jetzt aber ist auch der Vogelpark wegen der Corona-Krise geschlossen und es gibt dort auch keine größeren Veranstaltungen mehr. Damit sei der Spendenfluss leider versiegt, bedauerte Betty Arnold.

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Bisher habe sie versucht, den Lorschern den Vogelpark zu erhalten. Das sei ihr jetzt aber zu viel geworden. Deshalb sei der 30. April aus gesundheitlichen Gründen ihr letzter Tag im Vogelpark.

Ihr Motto für die Tiere sei immer gewesen, dass die Vögel zwar eingesperrt seien, aber keine Gefangenen sein sollten. Sie habe viel dazu beigetragen, dass sie sich in den Volieren wohlfühlen und diese als ihr Zuhause betrachten.

Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für ihren Job sei bisher leider vergebens gewesen. Der Kanarienzüchter-, Vogelfreunde- und Vogelschutzverein Lorsch sucht einen Mitarbeiter für die Park- und Tierpflege im Lorscher Vogelpark. Die Beschäftigung als Park- und Tierpfleger auf Minijobbasis soll am 1. Mai beginnen. Zuständig seien Bewerber für die Aufgabengebiete Fütterung der Vögel, Pflege der Volieren und der Parkanlage.

Ohne Nachfolger droht das Aus

Gewünscht seien tierpflegerische Kenntnisse, selbstständiges Arbeiten, eigenes Engagement. Arbeitszeiten sind von montags bis freitags, jeweils zwei Stunden vormittags, berichten die Vogelfreunde. Wer sich für diese Aufgabe interessiert, sollte sich bei dem Vereinsvorsitzenden für den Vogelpark melden. Nicolai Poeplau ist für Nachfragen unter der Rufnummer 0163- 8230000 zu erreichen. E-Mails mit Anfragen zur Arbeit im Vogelpark beantwortet er unter der Adresse poeplau@vogelpark-lorsch.de.

Wenn kein Nachfolger für Betty Arnold gefunden werde, könne es sein, dass der Vogelpark Birkengarten aufgegeben werden müsse, erklären die Vogelschützer.

Freie Autorenschaft Seit mehr als 40 Jahren als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen aktiv, Fotograf und Berichterstatter, im Regelfall waren/sind es Zeitungen die dem BA oder ganz früher, mit dem Echo verbunden waren. Berichterstattung meistens über Lorscher Vereine und Organisationen, früher auch Sport.