Corona-Pandemie

Die Impfung als Hoffnungsschimmer

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Die Covid-19-Pandemie hat uns fest im Griff. Die dritte Welle rollt schier unaufhaltsam auf uns zu und wir müssen sie bremsen oder besser brechen, bevor sie sich zum Tsunami entwickelt. Das Virus ist alleine nicht lebensfähig. Es benötigt zum Überleben einen Wirt. Und der beste Wirt ist der Mensch.

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Wir haben es mit dem Virus mit einem äußerst unangenehmen Partner zu tun, denn der dringt ohne willkommene Einladung in unsere Körperzellen ein und vermehrt sich rasend schnell mit der Konsequenz unseren Organismus im schlimmsten Falle krank zu machen oder uns zu töten. Dieser widerliche Partner ist also unser zu besiegender Feind.

Aber das Virus ist superschlau, sucht sich seltene Schlupflöcher (Mutation), um sich in unserem Körper wohl zu fühlen, zu schmarotzen. Covid-19 ist mit keinem unserer Sinne zu erfassen. Man kann das Virus nicht sehen, hören, fühlen oder schmecken und es kann innerhalb weniger Stunden in den entferntesten Winkeln unseres Planeten auftauchen und sich in maximalem Tempo verbreiten, wie wir wissen. „Be a virus and see the world.“ Das Virus kann weltweit auf unsere Kosten unbezahlbaren Urlaub machen. Eine Frechheit!! Dagegen müssen wir etwas tun. Wir sind dem Virus nicht vollständig schutzlos ausgeliefert. Unsere schärfste Waffe dagegen ist die Impfung, die gezielt eingesetzt und zügig geimpft, im Moment noch schleppend, bei Erreichen einer Herdenimmunität von 60 besser 70 Prozent, die Pandemie wahrscheinlich besiegt hat. Diese Zielsetzung gilt also nicht nur für unser Land, sondern weltweit.

Viele Seuchen fast ausgerottet

Als Kinderarzt mit über 40 Jahren Praxiserfahrung habe ich täglich in meiner Sprechstunde Dutzende Kinder geimpft, die den Piks alle ohne ernsthafte Nebenwirkungen überstanden haben. Krankheiten wie Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten, Windpocken und andere habe ich in den 1970er Jahren hautnah erlebt und schwere Verläufe behandelt: Lungenentzündung, eitrige Mittelohrentzündung bei Masern, Hirnhautentzündung und Hodenentzündung bei Mumps, Lungenentzündung und Hirnentzündung bei Keuchhusten, um nur einige Komplikationen zu nennen. Durch die flächenhaften Impfungen konnten diese Kinderkrankheiten fast völlig ausgerottet werden. Kinderärzte sehen heutzutage in der Ausbildung oder in Praxen keine dieser Seuchen mehr. Ein Erfolg der Impfung. Die Impfung gegen Covid-19 ist unsere schärfste Waffe neben den bekannten AHA-Regeln und den strikten Kontaktbeschränkungen in der Pandemiebekämpfung. Die aktuell verfügbaren Impfstoffe Biontech-Pfizer, (mRNA), Moderna (mRNA) haben eine Schutzwirkung von über 90 Prozent, Astra-Zeneca (Vektor) bis 90 %. Der Wirbel um Astra-Zeneca ist verwirrend und trägt nicht zu einer besseren Impfbereitschaft bei. Die jetzt neu gemeldeten Fälle (31) von Hirnvenenthrombose im Verlauf einer Impfung sind eine schwere Hypothek, denn die Zahlen liegen über der statistischen Normvariante. Nach Abwägung der Vor- und Nachteile dieser Impfung mit Astra-Zeneca überwiegt der Nutzen der Vakzine (Krankheitsverhütung) gegenüber dem Risiko einer Nebenwirkung. Da die Hirnvenenthrombosen hauptsächlich bei Frauen im Alter zwischen 20 bis 63 Jahren vorgekommen sind, wird auf Empfehlung des RKI (Robert Koch Institut) und der STIKO (Ständige Impfkommision) die Impfung für die unter 60-Jährigen gestoppt. Über 60-Jährige können vielleicht jetzt schneller geimpft werden. Zum besseren Verständnis: Jedes wirksame Medikament kann mit einer Nebenwirkung verbunden sein (siehe „Waschzettel“) und Impfungen sind prophylaktische Medikamente und genauso zu beurteilen.

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Wenn jetzt endlich die Haus- und Betriebsärzte im April in ihren Praxen und Betrieben mit impfen, wird sich das Impftempo hoffentlich so beschleunigen, dass wir bald die Herdenimmunität von 70 Prozent erreicht haben und damit ein Teil unserer Normalität zurück gewinnen. Curevac (mRNA) aus Tübingen wird im Juni zur Verfügung stehen und Johnson-Johnson (Vektor) wird in Kürze in der EU, also auch bei uns zugelassen. Über Sputnik (Vektor) wird zur Zeit verhandelt.

Lob an das Impfzentrum

Zum Schluss noch ein Lob an das Impfzentrum in Bensheim, das mich und meine Frau Barbara hervorragend betreut hat. Wir waren beide angetan von der guten, freundlichen Stimmung und der reibungslosen Organisation. Kompliment! Wenn wir alle, die Politik, die Pharmafirmen und wir die Bevölkerung, auf einander zu gehen und uns nicht zerstreiten, sondern an das gemeinsame Ziel zusammen die Pandemie zu bekämpfen festhalten, wird der Hoffnungsschimmer Realität.

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Dr. med. Roland Jost

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Kinderarzt

Lorsch

Dr. med. Barbara Jost

Ärztin für Allgemeinmedizin

Lorsch

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