Feuersteinberg - Erweiterungsbau der Aufbereitungsanlage soll im Frühjahr in Betrieb gehen / Rohwasser wird mit Sauerstoff angereichert Das Wasser reicht, auch wenn alle gleichzeitig duschen wollen

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kel
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Das Wasserwerk Feuersteinberg wird derzeit um einen Anbau erweitert. Aus Tiefbrunnen gefördertes Wasser wird zur Trinkwasseraufbereitung mit Sauerstoff angereichert. © Funck

Lorsch/Einhausen. Seit gut einem halben Jahr wird am Wasserwerk Feuersteinberg wieder gebaut. Für rund eine Million Euro wird die Aufbereitungsanlage erweitert und technisch optimiert. Dazu wurde ein zehn mal 20 Meter langer Anbau an das bestehende Filtergebäude errichtet. Hier werden sich zwei Reaktionsbecken mit einem Volumen von jeweils 150 Kubikmetern befinden. Das aus 80 bis 100 Metern Tiefe geförderte Rohwasser wird künftig mittels neuer leistungsstarker Wasserstrahlpumpen mit Sauerstoff angereichert werden.

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„Die Rohbaumaßnahmen sind abgeschlossen. Im Laufe des ersten Quartals wird die Anlage in Betrieb gehen“, informiert Ingo Bettels, Verbandsdirektor des Wasserbeschaffungsverbandes Riedgruppe Ost.

Auch Bensheimer Ortsteile werden versorgt

Das Wasserwerk Feuersteinberg ist seit 1960 in Betrieb. Es dient der Versorgung von Lorsch und Einhausen, Bensheims Ortsteilen Schwanheim, Fehlheim und Langwaden sowie des Zwingenberger Ortsteils Rodau.

Aktuell verfügt es über eine theoretische Aufbereitungsleistung von 450 Kubikmetern pro Stunde. Im Werk Feuersteinberg dürfen jährlich bis zu 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert werden.

Nach einem Bewilligungsbescheid der Oberen Wasserbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt ist die Wasserversorgung der Kommunen und Stadtteile, die vom Wasserwerk Feuersteinberg beliefert werden, bis zum Jahr 2042 gesichert.

Der Jahresverbrauch der Stadt Lorsch liegt bei rund 650.000 Kubikmeter, für Einhausen bei rund 300.000 Kubikmeter. 200.000 Kubikmeter benötigen die angeschlossen Bensheimer und Zwingenberger Stadtteile . red

Nach der bereits erfolgten Sanierung der Behälter und des Pumpengebäudes für rund eine Million Euro steht die Generalsanierung des kleineren der beiden Verbandswasserwerke kurz vor dem Abschluss. Die verbesserte Wasseraufbereitung ist ein wesentlicher Verfahrensschritt bei der Herstellung von Trinkwasser. Das aus Tiefbrunnen geförderte Wasser muss nachträglich mit Sauerstoff angereichert werden.

Mangan und Methan entfernen

Daran mangelt es nämlich dem wertvollen Nass, wenn es aus der Tiefe nach oben befördert wird. Stattdessen enthält es gelöstes Eisen, Mangan und Methan. Diese unliebsamen Bestandteile müssen entfernt werden, bevor das Wasser zu den Verbrauchern weitergeleitet werden kann. Dazu ist der Sauerstoff nötig. Eisen und Mangan oxidieren, fallen aus und können anschließend in mit Quarzkies gefüllten Tanks herausgefiltert werden. Auch das Gas Methan wird dabei ausgetrieben.

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„Auch bei diesem Verfahren kommen keine Flockungsmittel oder Chemikalien zum Einsatz“, sagt Bettels. Beim Verband betont man die „Naturbelassenheit des Trinkwassers aus den Werken Feuersteinberg und Jägersburg“.

An der erlaubten maximalen jährlichen Gesamtfördermenge ändert sich durch die technische Aufrüstung des Werks nichts. Bis zu 1,4 Millionen Kubikmeter darf die Riedgruppe Ost in Feuersteinberg pro Jahr aus dem Boden pumpen.

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Mit der Erneuerung der Aufbereitung im Werk Feuersteinberg wird die Grundlage geschaffen, dass alle vier Tiefbrunnen des Werkes auch tatsächlich voll eingesetzt werden können. Dies ist besonders in Zeiten von Verbrauchsspitzen von Bedeutung. Wenn an heißen Sommertagen besonders viele der mit dem Wasser aus Feuersteinberg belieferte Menschen in Lorsch und Einhausen sowie auch in Schwanheim, Fehlheim, Langwaden und Rodau die Wasserhähne aufdrehen, laufen die Förder- und Aufbereitungsanlagen schon einmal auf Volllast.

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„Unser System muss auch dann funktionieren, wenn alle duschen, ihren Garten bewässern oder die Planschbecken und Pools füllen“, so Bettels. Um das zu gewährleisten muss die Aufbereitungsanlage der beiden Werke Jägersburg und Feuersteinberg die nötigen Mengen zur Verfügung stellen, entsprechende Behältervolumina und ausreichend dimensionierte Leitungen verfügbar sein, um das Wasser bis zu den Verbrauchern transportieren können.

Vier Millionen Euro Investitionen

Der Wasserbeschaffungsverband wird laut Bettels daher auch in diesem Jahr in seine Gebäude und Anlagen investieren. Geplant seien Ausgaben in Höhe von vier Millionen Euro. Unter anderem sollen im Werk Feuersteinberg neue Filter eingebaut und ein Brunnen saniert werden, die Fassade des Hauptsitzes im Jägersburger Wald bedürfe einer Erneuerung. kel

Wärme ließ Wasserverbrauch steigen

Zur Vorsorge gegen die Ausbreitung von Corona hat der Wasserbeschaffungsverband Riedgruppe Ost frühzeitig seine Betriebs- und Arbeitsorganisation angepasst, wie zum Beispiel getrennter Schichtbetrieb und Homeoffice. Außentermine wurden reduziert. Besprechungen finden per Videokonferenz statt, so Verbandsdirektor Ingo Bettels.

Die anhaltende Trockenheit bereits im Frühjahr sowie ein niederschlagsarmer Sommer bis Ende September hätten zu gestiegenen Verbrauchswerten der regionalen Wasserversorgung geführt. Der Trinkwasserbedarf stieg deutlich.

In den vergangenen Jahren nutzten viele Gäste die Möglichkeit, sich beim Tag der offenen Tür über die Trinkwasserversorgung zu informieren. Die Großveranstaltung sowie Führungen wurden abgesagt. Auch der 2020 geplante Auftritt der Sängerin Laura Wilde, die beim Tag der offenen Tür im Werk Jägersburg ihr zehnjähriges Bühnenjubiläum feiern wollte, wurde vertagt.

Geschlossen ist seit einem Jahr zudem der Tierpark neben dem Wasserwerk im Jägersburger Wald. Nach Sturmschäden verhinderten die Corona-Beschränkungen eine Öffnung. red/kel