Kulturausschuss - Traditionelles Sommerfest soll weiter gefeiert werden, 2020 aber ein neues Konzept erhalten / Einsparung erwartet Das Johannisfest ist gerettet – und der Frühlingsmarkt auch

Von 
Nina Schmelzing
Lesedauer: 

Lorsch. Die Lorscher werden keines ihrer vier Stadtfeste verlieren. Das ist das Ergebnis der Kulturausschuss-Sitzung am Dienstagabend. Das Johannisfest, das der Magistrat opfern wollte, um einen Teil der plötzlichen Einnahme-Ausfälle von insgesamt 900 000 Euro im Haushaltsplanentwurf 2020 zu kompensieren, ist damit gerettet – und der Frühlingsmarkt ebenso. Diesen wollten die Fraktionen von CDU und Grünen, wie berichtet, zunächst im Tausch mit dem Sommerfest aufgeben, um nötiges Geld zu sparen. Nun sollen beide Großveranstaltungen bleiben. Einem gemeinsamen Antrag von Grünen, CDU und PWL stimmte der Ausschuss ohne Gegenstimmen zu. „Wir wollen kein Fest streichen“, bekräftigte letztlich auch Klaus Wolff (FDP). Das Johannisfest soll allerdings ein neues Konzept erhalten. Das Kunststück, mit insgesamt weniger Geld ein attraktiveres Fest als bisher auf die Beine zu stellen, darf nun das Kulturamt vollbringen.

Das Johannisfest wird es auch 2020 geben. Das hat der Kulturausschuss beschlossen. Für das Fest soll allerdings ein neues Konzept erarbeitet werden. © Strieder

Einzelhändler protestierten

Der Jugendrat soll beim Standort für das neue Jugendzentrum mitreden

Weil der Kultur- auch ein Sozialausschuss ist, wurden in der Sitzung am Dienstag auch die Ansätze von sozialen Projekten im Haushaltsplan 2020 unter die Lupe genommen. Von der Schülerbetreuung bis zu den Ferienspielen gab es keinerlei Beratungsbedarf. Beim Jugendtreff allerdings meldete sich die SPD-Fraktion zu Wort. Dirk Sander beantragte, 80 000 Euro an Planungskosten einzustellen, und zwar für ein neues Jugendzentrum am bisherigen Standort in der Sachsenbuckelstraße.

Wo der künftige Jugendtreff entstehen soll, ist aber noch nicht entschieden. Es gibt schließlich auch die Idee, ihn in die modernisierte Nibelungenhalle zu integrieren. Es sei falsch, den Jugendrat nicht einzubeziehen, riet nicht nur Alexander Löffelholz (CDU), noch etwas zu warten, bis vom Jugendgremium eine Empfehlung vorliege. Bei den jungen Leuten handle es sich um die künftigen Nutzer. Ein Jugendtreff in der Nibelungenhalle sei „nicht förderschädlich“, gab Matthias Schimpf (Grüne) zudem zu bedenken. Er regte auch an, dass sich der Kultur- und Sozialausschuss bei einem Ortstermin im jetzigen Jugendzentrum selbst einen Eindruck über die Einrichtung verschafft.

Gegen ein zusätzliches Jugend-Café im Zentrum sei nichts einzuwenden, so Sander. Eine vergleichbare Freifläche wie in der Sachsenbuckelstraße fehle in der Ortsmitte aber, unterstrich er. Der SPD-Antrag, jetzt Planungskosten einzustellen, wurde von allen anderen Fraktionen abgelehnt. sch

AdUnit urban-intext1

Empört hatten vor allem Mitglieder der Wirtschaftsvereinigung Lorscher Einzelhandel auf die Überlegung von Kommunalpolitikern reagiert, den verkaufsoffenen Sonntag vom Frühlingsmarkt in den Sommer zu verschieben. Als „ein Unding“ hatten Geschäftsleute die Idee kritisiert, ein „erfolgreiches und kostengünstiges Innenstadtfest“ wie den Frühlingsmarkt preisgeben zu wollen. Über die Anregung, den verkaufsoffenen Sonntag vom Frühlingsmarkt aufs Johannisfest zu verlagern, konnten die Einzelhändler nur den Kopf schütteln. Das sei uninteressant. Im Bekleidungshandel etwa sei zum Johannistermin im Juni die Sommersaison längst gelaufen. Monika Graf, Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung, erklärte zu Beginn der Sitzung am Montag persönlich ihr Unverständnis darüber, ein seit über 20 Jahren „florierendes“ Innenstadtfest canceln zu wollen.

Nach ausführlicher Beratung wird es nun nicht so weit kommen. Die Null im Ansatz fürs Johannisfest, die der Magistrat unter Vorsitz von Bürgermeister Christian Schönung empfohlen hatte, ist Geschichte. Auf die Idee, den Rotstift überhaupt hier anzusetzen, war man gekommen, weil das viertägige Sommerfest das teuerste aller Lorscher Stadtfeste ist. Zwischen 25 500 und knapp 28 000 Euro Verlust standen beim Johannisfest zuletzt unter dem Strich. Für den Frühlingsmarkt mussten dagegen im Jahr weniger als 8000 Euro zugeschossen werden.

Weil das Johannisfest seit einiger Zeit zudem Publikum verliert, gibt es schon seit Jahren immer wieder neue Programmpunkte, um die Attraktivität zu erhöhen. Auch Tischkicker- und Dartsturniere sowie ein bayerischer Abend, zu dem Besucher in Tracht willkommen waren, konnten den Abwärtstrend aber nicht stoppen. Darüber hinaus ist ein Sponsor abgesprungen, der die Kirmes mit Bierzelt am Karolingerplatz aus inhaltlichen Gründen nicht mehr fördern wollte.

AdUnit urban-intext2

Weil keine der fünf Fraktionen das Traditionsfest ganz aufgeben wollte, suchten CDU, Grüne und PWL gemeinsam nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten im Kulturhaushalt. Fündig wurden sie unter anderem bei den Aufwendungen für die Jumelage sowie die Ausstellungen. Der Ansatz für die Städtepartnerschaften und die Schauen wird nun um weitere 13 000 Euro auf den Gesamtaufwand von 84 500 Euro gekürzt. Dazu werden Aufwendungen bei der Welterbeflotte und dem Klostermarketing verringert.

Der Zuschuss für die Stadtfeste wird gegenüber der jüngsten Streichliste dagegen um knapp 20 000 Euro erhöht, um das Johannisfest zu sichern. Das Gesamtdefizit im Teilhaushalt Kultur und Tourismus wird aber auf den Zuschussbedarf in Höhe von 730 000 Euro reduziert. Für die vier Stadtfeste – Frühlingsmarkt, Johannisfest, Kerb und Weihnachtsmarkt – ist nun ein Saldo von 50 000 Euro festgeschrieben. Ursprünglich hatte er für das nächste Jahr 60 000 Euro betragen, wäre man der Magistratsempfehlung mit Streichung des Johannisfestes gefolgt, hätte er bei 30 000 Euro gelegen. So teuer wie bisher soll das Johannisfest nicht mehr werden, wie es künftig gefeiert wird, steht aber noch nicht fest. Mit dem neuen Konzept werden weitere Einsparungen erwartet.

Festzelt weg, Feuerwerk bleibt?

AdUnit urban-intext3

Das Festzelt als ein großer Kostenpunkt dürfte wohl wegfallen. Und das Feuerwerk zum Finale? Es war im Vorfeld ein viel diskutiertes Thema. Aus der SPD gab es die Forderung, das Spektakel aus ökologischen Gründen abzuschaffen. Diejenigen, die das Feuerwerk erhalten wollen, sind derzeit aber klar in der Mehrheit. Im Ausschuss unterstrich Schimpf, dass die Grünen nicht für ein Aus seien. Für die CDU stellte das Ferdinand Koob klar. Im Februar soll dem Ausschuss das neue Festkonzept zur Beratung vorgelegt werden.

AdUnit urban-intext4

Die Etatberatung für 2020 wird heute (28.) fortgesetzt. Der Bauausschuss tagt um 20 Uhr im Paul-Schnitzer-Saal, nächste Woche ist der Finanzausschuss an der Reihe. Da geht es um die geplanten Erhöhungen von Gewerbe- und Grundsteuer B. Letztere soll laut der Magistratsempfehlung um 150 Punkte steigen.

Redaktion