Musik - Dieter Kordes, Bruno Weis, Hermann Peiz und Hans-Jürgen Götz haben an getrennten Orten zwei Stücke für das Online-Konzert am Donnerstag produziert Blütenweg-Jazzer bei Schässlong-Session

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Schon jetzt gibt es im Internet Online-Musik-Produktionen von Mitgliedern der Original Blütenweg-Jazzer, so wie hier von Dieter Kordes und Hans-Jürgen Götz. © Keller

Lorsch. Die Corona Krise hat auch den Original Blütenweg-Jazzern kräftig in die Suppe gespuckt. Alle Konzerte der beliebten Gruppe um Bandleader Bruno Weis mussten abgesagt werden. Umso mehr wird die Internet-Seite (bluetenwegjazzer.de) beständig um Konzertvideos erweitert, damit die Fans der Formation über die kulturlose Zeit etwas getröstet werden.

Online-Auftritte entwickeln sich zu einem Erfolgsformat

„Vom ersten Tag der Corona-Pandemie an haben wir versucht, die Fans des Kulturlebens in unserer Stadt mit einem Online-Programm über diesen fatalen kulturellen Shutdown hinweg zusammenzuhalten und weiterhin Teilhabe am Kulturleben in Lorsch zu ermöglichen“, sagt Kulturamtsleiterin Gabi Dewald. Die Reichweite der Stadt auf Facebook habe sich seit Ende Februar verzehnfacht. „Das ist sehr ermutigend“, so Dewald. Gerade plane man eine virtuelle Ausgabe des Frühlingsmarktes.

Als „Erfolgsformat“ bezeichnet Jana Lenhart vom Kulturamt die Schässlong-Session, die jeden Donnerstag und Freitag um 18 Uhr stattfindet. Der Auftritt der Sound Factory in der vergangenen Woche hatte bis gestern Mittag 4636 Aufrufe bei Facebook, der Sänger Jules kam auf 2056 Aufrufe.

Bei der Schässlong-Session mit einem knallroten Ledersofa als Wiedererkennung handelt es sich um Online-Kurzkonzerte mit Musikern und Bands, mit denen das Kulturamt normalerweise auf den Stadtfesten zusammenarbeitet. „Hier geht es uns darum, dass die Künstler sowohl eine Möglichkeit haben aufzutreten als auch zumindest ein bisschen Honorar zu bekommen.“ Die Künstlerinnen und Künstler lassen sich immer wieder Songs einfallen, die sie besonders Lorsch widmen.

Neben bekannten Bands treten auch Newcomer auf. Die Bandbreite reicht von Dixieland-Jazz über Rap und Soul bis hin zu Singer-Songwriter-Kompositionen. Das soll sich in den nächsten Wochen fortsetzen. Schon diesen Donnerstag, 30. April, sind die Original Blütenweg Jazzer dran. Gefolgt von Roadkill Stew am 1. Mai. Über die Band heißt es in der Ankündigung: Ein „5köpfiger Eintopf, ein „Genre-Crash für Hörlustige“. Hinter Jibbit Johnson, der am 7. Mai auftritt, verbirgt sich ebenfalls ein junger Lorscher. Bei der Schässlong-Session, ist er mit Coversongs dabei. Und Garden of Delight (8. Mai) wird die zahlreichen Fans mit Irish Folk beglücken. Weitere Bands sind laut Kulturamt bereits angefragt.

„Die Schässlong-Session kann kein Ersatz sein für einen Live-Auftritt“, räumt Gabi Dewald ein. Aber das Online-Format könne „Lust machen auf mehr und das Gefühl für das gemeinsame Erleben wach halten“. Man wolle zeigen, dass Lorsch trotz Corona „einfallsreich, kulturell aktiv und lebenswert ist“. red/kel

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Am morgigen Donnerstag, 30. April, um 18 Uhr wird ein Teil der überregional bekannten Band im Rahmen der vom Kulturamt der Stadt Lorsch veranstalteten Schässlong-Konzerte online zu sehen und zu hören sein. Mit dabei sein werden Bruno Weis am Banjo, Hermann Peiz mit dem Saxofon, Hans-Jürgen Götz am Schlagzeug und Dieter Kordes am Piano und mit Gesang. Der Lorscher Musiker, der neben anderen auch für die Programmgestaltung der örtlichen Rathauskonzerte verantwortlich zeichnet, hat den musikalischen Schässlong-Beitrag der vier Blütenweg-Jazzer in die Wege geleitet und technisch umgesetzt.

„Seit der Corona-Krise habe ich medientechnisch viel gelernt“, sagt Kordes. Die einzelnen Instrumentalparts und Videosequenzen werden nacheinander von den Mitwirkenden zu Hause aufgenommen. Dieter Kordes bringt dann am heimischen Computer alles synchron zusammen. „Das macht unglaublichen Spaß“, sagt er.

Der hauptberufliche Musiklehrer am Bensheimer Goethe-Gymnasium hat auch schon den Kammerchor der Schule, die Goethe Voices, auf diese Weise gemeinsam singen lassen. 34 Sängerinnen und Sänger stimmen gemeinsam das einfühlsame Stück „Only Time“ von Enya an. Das am 18. April hochgeladene Video hatte gestern Mittag bereits 6246 Aufrufe.

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Für das Schässlong-Konzert haben die Original Blütenweg-Jazzer zwei weitaus fröhlichere Songs eingespielt: den durch Bill Haley & His Comets bekannt gewordenen Rock-‘n’ Roll-Klassiker „See You Later Alligator“ und den Dschungelbuch-Hit „I Wan’na Be Like You“.

Hans-Jürgen Götz hat als erstes das Schlagzeug eingespielt, berichtet Dieter Kordes. Im Anschluss steuerten Dieter Kordes, Bruno Weis und Hermann Peiz ihre Parts von Zuhause aus bei. Dass der Drummer zwischendurch ein improvisiertes kurzes Solo eingelegt hat, störte die Vollblutmusiker nicht. „Er hat ein kurzes Zeichen gegeben, dann wusste ich Bescheid, wann es weitergeht.“ Dass man sich nicht persönlich trifft, um die Stücke am Donnerstagabend live einzuspielen, ist für Dieter Kordes in Zeiten der Corona-Pandemie wichtig. „Wir haben auch eine Vorbildfunktion“, sagt er.

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Und so ruht derzeit die Konzerttätigkeit der Blütenweg-Jazzer. Auf der Homepage sind zunächst alle Termine bis zum 21. Juni gestrichen. Mit weiteren Absagen sei zu rechnen.

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Noch im Oktober des vergangenen Jahres wurde das 40-jährige Bestehen der Formation im ausverkauften Parktheater mit vielen musikalischen Gästen gefeiert. Die Mitglieder der Blütenweg-Jazzer sind allesamt als Botschafter der Bergstraße auch bei zahlreichen Benefiz-Veranstaltungen aktiv und stellen sich immer wieder gerne in den Dienst der guten Sache.

Die Lorscher Schässlong-Konzerte auf Facebook empfinden die Musiker als eine „tolle Idee des Kulturamtes“. Künstler aus der Region stellen sich hier mit kurzen Home-Office Konzerten zur Verfügung und können sich auch so etwas in Erinnerung halten. Da die Blütenweg-Jazzer üblicherweise beim Johannisfest und der Kerb alljährlich Auftritte haben, sind sie beim Lorscher Publikum bestens bekannt.

„Zahlreiches Teilen der Beiträge ist erwünscht, damit möglichst viele Menschen in der Region etwas Abwechslung im neuen Corona-Alltag haben und in manch schwieriger persönlicher Lage doch etwas hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können“, heißt es in der Ankündigung. red/kel