Kommunalwahl - Lorscher CDU präsentiert ihre Ziele / Nachhaltigkeit und „gesunde Stadtentwicklung“ als roter Faden im Wahlprogramm Beim Klimaschutz Vorreiter sein

Von 
Nina Schmelzing
Lesedauer: 
Das Freizeit- und Naturangebot soll beibehalten, Lorsch mit Maß wachsen. Das erklärt die CDU in ihrem Wahlprogramm. Unser Bild zeigt den Birkengarten. © Neu

Lorsch. Fast alles fällt wegen Corona aus. In Thüringen wurde sogar der Termin für die Landtagswahl verschoben – vom Frühjahr in den Herbst. Die Kommunalwahl in Hessen am 14. März aber wird stattfinden. Christiane Ludwig-Paul, Spitzenkandidatin der Lorscher CDU, zeigte sich auf Nachfrage fest überzeugt davon, als der Stadtverband jetzt sein Programm für die nächste Wahlperiode präsentierte.

Einige Ziele der Lorscher CDU aus dem Wahlprogramm



Die Lorscher Kläranlage soll durch ein ausgedehntes Investitionsprogramm auf den modernsten Stand der Technik gebracht werden.

Bei Konflikten zwischen Bürgern und der Verwaltung soll eine Mediationsstelle in Form eines Bürgerschaftsbeauftragten eingerichtet werden, der vermitteln kann.

Langfristig soll ein Gymnasium angesiedelt werden, um den Bildungsstandort Lorsch auszubauen.

Der Friedhof soll zu einer parkähnlichen Anlage umgestaltet werden, die Bestattungsformen zum Beispiel durch die Einführung von Baumbestattungen erweitert werden.

Die digitale Infrastruktur soll mit kontinuierlichem Glasfaser- und Breitbandausbau im ganzen Stadtgebiet und dem Angebot eines flächendeckenden offenen WLAN im Zentrumsbereich verbessert werden.

Der Spielplatz am Birkengarten soll ein Zusatz-Angebot erhalten: ein Kneipp-Becken oder weitere Wasserspielmöglichkeiten für Kinder oder einen öffentlich zugänglichen Grillplatz.

Auf der neuen Multifunktionswiese im Ehlried sollen Holztore aufgestellt werden, auf Lorscher Spielplätzen soll es „langfristig“ Kletterbäume geben.

Im Stadtgebiet soll es weitere Brunnen geben, um das Mikroklima positiv zu beeinflussen.

Mülltrennung bei öffentlichen Mülleimern soll geprüft werden.

Die Sanierung Lorscher Straßen soll konsequent fortgeführt werden.

Die Gesundheitsversorgung für alle Generationen soll umfassend gesichert, auch die Ansiedlung weiterer Fachärzte forciert werden.

Ergänzend zu bestehenden Betreuungsangeboten soll es ein Projekt „Ehrenamtliche Großeltern“ geben.

Gezielte Maßnahmen sollen Einzelhandel und Gastronomie bei der Bewältigung der Corona-Krise helfen, eine „prosperierende Innenstadt“ soll erhalten werden.

Die ICE- und Gütertrasse soll nur im Einklang mit Mensch und Natur realisiert werden. Die CDU besteht auf der Konsenstrasse mit ausgedehntem bergmännischen Tunnel und dem Projektbeirat zur Durchsetzung der Lorscher und Bergsträßer Interessen. Diese sollen bei Bedarf im Klageverfahren erstritten werden. sch

Tonangebend bleiben

AdUnit urban-intext1

Mehr als 25 Seiten umfasst der Lesestoff diesmal und fällt damit sehr umfangreich aus. Bewusst habe man für möglichst alle relevanten Bereiche Ziele formuliert, erklärt Parteivorsitzender Alexander Löffelholz. Die CDU verstehe sich schließlich „nicht als monothematische Partei“ und wolle auch künftig als stärkste Fraktion „tonangebend“ sein.

Dem Thema Nachhaltigkeit und „gesunde Stadtentwicklung“ wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Es ziehe sich „als roter Faden durchs Programm“, so Ludwig-Paul. Im Bereich Klimaschutz wolle man Lorsch zu einer „Vorreiterkommune“ entwickeln. „Wir können nicht weiter so rasant wachsen“, heißt es bei der CDU mit Blick auf das charakteristische Stadtbild, das wie das „gute Freizeit- und Naturangebot“ beibehalten werden soll. Statt „Wachstum um jeden Preis“ sei „Wachstum mit Maß“ die Devise.

Wo soll es in der anhaltend beliebten Zuzugskommune Lorsch künftig weiteren Wohnraum geben, wenn Grünflächen möglichst geschützt werden sollen? Die CDU setzt auf „Innen- vor Außenentwicklung“ und will sich auch um die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum kümmern. In Lorsch wird Platz unter anderem entlang der Seehofstraße entstehen. Ehemalige Gewerbe- und Industrie-Areale werden dort in Wohnfläche umgewandelt.

AdUnit urban-intext2

Im Stadtgebiet gebe es zudem nicht wenige unbewohnte Häuser. Ein Leerstandkataster könnte mithelfen, dass sie langfristig wieder genutzt werden, so die CDU.

Zur „intelligenten Verkehrspolitik“ zählt für die CDU, einen Bürgerbus und Mitfahrbänke zu realisieren, bestehende Buslinien auszubauen und Lorsch noch fahrradfreundlicher zu machen. Die Verkehrssicherheit soll verbessert werden, indem Straßen baulich verengt oder weitere Zebrastreifen gestaltet werden – und Falschparker und Temposünder stärker kontrolliert werden, so Olaf Jünge. Auch für die Einführung eines freiwilligen Polizeidienstes setzt sich die CDU ein.

AdUnit urban-intext3

Vereine sollen weiter mit Zuschüssen unterstützt werden. Die Realisierung der Mehrfeldhalle im Ehlried – mit Tribüne und Foyer – steht im Wahlprogramm. Die neue Halle der Stadt, der erste Spatenstich soll 2021 erfolgen, könnte auch zur Gründung neuer Sportvereine oder Abteilungen führen, so Klaus Schwab. Fans von Baseball, Basket- und Volleyball etwa sehen im Sportangebot entsprechende Lücken.

AdUnit urban-intext4

Zur Stärkung der Welterbestätte und der seit Jahren diskutierten „Ankunftssituation“ setzt sich die CDU laut Programm für „bauliche Maßnahmen“ ein, ohne von einem „Parkplatz-Ost“ zu schreiben. Eine „weitere Einbeziehung des Karolingerplatzes“ wird aber ausdrücklich gewünscht. Plädiert wird zudem für eine „dauerhafte Beleuchtung der Klostermauer“.

Über die Bezeichnung als „Kulturhauptstadt“ im Kreis Bergstraße habe mancher einst geschmunzelt. Längst aber habe Lorsch seinen hohen Status als kulturelles Kleinod „zementiert“, so Schwab. Das einzigartige Angebot städtischer und privater Veranstaltungen sei zu erhalten und auf eine solide Basis für die Zukunft zu stellen.

Für Ärztehaus und Paulusheim

Die CDU setzt sich für ein Ärztehaus am alten Feuerwehrgelände ein. Auch beide Gemeindehäuser – neben dem Martin-Luther-Haus auch das Paulusheim – sollen nach dem Willen der Christdemokraten mit öffentlichen Mitteln weiterentwickelt werden.

Im Bereich der Integration habe es in Lorsch viele Erfolge gegeben. „Menschen mit internationaler Geschichte“ will die CDU auch in Zukunft in die Gemeinschaft einbinden. Mit Hilfe des städtischen Programms „Vermiete doch an die Stadt“ soll es weiter auch genug Wohnraum für Flüchtlinge geben.

Der Blick auf die Finanzen wird nicht vergessen. Das Thema, im Wahlprogramm weit vorne und kurz gefasst platziert, sei „nicht sexy“, meint Fraktionschef Ferdinand Koob. Nur wenn die Finanzen nicht in Schieflage gerieten, bleibe man aber als Kommune handlungsfähig. Die CDU setze sich dafür ein, dass Steuern und Abgaben „langfristig auf einem moderaten Niveau“ gehalten werden. Mittels einer guten „Fördermittelaquise“ sollten Bürger so wenig wie möglich belastet werden.

Redaktion