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Finanzausschuss

Ärger um die Lorscher Holz-Blumen-Aktion

Von 
Nina Schmelzing
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Lorsch. Wegen Corona fiel der Frühlingsmarkt zwar aus, in Lorsch wurde aber ein Ersatz-Programm angeboten. Dazu gehörte die Gestaltung fantasievoller „Blumenwiesen“. Gestaltet wurden sie mit 1000 kleinen Holzmodellen, die Lorscher Kita-Kinder bunt bemalten. Die kreative Aktion kam sehr gut an – sie hatte jetzt aber ein Nachspiel im Finanzausschuss. Denn dass die eingekauften Holz-Rohlinge nach dem Festende verkauft und ihr Erlös an einen Bensheimer Hilfsverein gespendet werden sollen, davon wussten die Stadtverordneten zunächst nichts. Sie erfuhren es jedenfalls später als viele Eltern der kleinen Künstler. Dies kritisierte Matthias Schimpf (Grüne) scharf. Es liege ein Beschluss des Ortsparlaments zum Umgang mit Corona-Mitteln vor, sagte er. Dass die geplante Verwendung des Erlöses aus dem „Blumen“-Verkauf bereits „draußen erzählt“ worden sei, bevor sich die städtischen Gremien damit befassten, empörte ihn.

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Viele Eltern wollten kaufen

Bürgermeister Christian Schönung erinnerte daran, dass es bei der kurzfristigen Planung der Frühlingstage „informelle Gespräche“ mit den Fraktionsvorsitzenden gegeben habe, aber keine Ausschuss-Sitzung mehr. Anfangs habe noch kein Konzept für die anschließende Verwendung der Blumen existiert. Dann erst sei die Idee entstanden, die Mal-Aktion mit einer Spende für Kinder in Not zu verbinden. Die Aussicht, mit ihrer Arbeit Gutes für andere zu tun, habe die Lorscher Kita-Kinder zusätzlich motiviert. Viele Eltern und Großeltern hätten die Blumen umgehend kaufen wollen. Von einem „Riesen-Druck auf uns“, sprach Schönung. Die Corona-Lockerungen hätten in der Magistrats-Sitzung im Mai dann zur Idee der Vermarktung geführt und später zum Beschluss, den Erlös dem Verein Nitya Seva in Bensheim zukommen zu lassen. Die Blumen-Aktion sei „super“ angekommen, es sei bedauerlich, dass sie zu kontroversen Diskussionen führe.

Übergabe vor den Ferien Noch vor den Sommerferien soll der ...

Übergabe vor den Ferien Noch vor den Sommerferien soll der Erlös aus der "Blumen"-Aktion an den Verein Nitya Seva übergeben werden. In Lorsch habe man gerade in der Corona-Krise zeigen wollen, dass man an andere denkt und

Schönungs Bericht über die Vorgehensweise beinhalte „Lücken, Weglassungen und Unrichtigkeiten“, sagte Schimpf. Gegen die Blumen-Aktion an sich habe niemand etwas. Im Ausschuss sei aber ein klares Projekt beschlossen worden – von Veräußerungen der Holzfiguren sei dabei keine Rede gewesen. Eine Veränderung hätte dem Ausschuss gegenüber deutlich kommuniziert werden müssen. Absprachen auf dem kurzen Weg per E-Mail werde es von seiner Fraktion deshalb nicht mehr geben können, kündigte er an. Mit der vom Magistrat gewählten Vorgehensweise für ein verändertes Konzept seien die Stadtverordneten im Nachhinein „moralisch verpflichtet“ worden. Schönung habe es an einem „Mindestmaß an Respekt“ für den Finanzausschuss fehlen lassen. Ob es sich um ein Missverständnis handle, bleibe dahingestellt. Der Beschluss sei möglicherweise grob falsch ausgelegt worden.

„Von Untreue sind wir weit weg“, relativierte Thomas Haßlöcher (CDU) die Vorwürfe. Die Blumen-Aktion sei im Ergebnis sehr gelungen gewesen. „Wir wollen das Thema nicht zu hoch kochen“, meinte auch Christian Walter (PWL). Die Aktion sei auch pädagogisch sinnvoll gewesen, urteilte er. Es habe sich nur um „kleine Beträge“ gehandelt. Es sollte sich aber keinesfalls „einschleifen“, dass etwas über die Köpfe der Ausschuss-Mitglieder hinweg entschieden werde. „Wir erwarten künftig, dass Kompetenzen eingehalten werden“, forderte Walter: „Transparenz ist wichtig.“ „Es ärgert mich, dass wir darüber diskutieren“, meinte Dirk Sander (SPD). Die Blumen-Aktion verbunden mit der Spenden-Ankündigung sei super angekommen in Lorsch. In Zeiten von Corona müsse es möglich sein, auch einmal einen anderen Weg zu gehen. Das Thema sollte ad acta gelegt und nicht noch weiter öffentlich diskutiert werden, wünschte er sich.

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„Wir müssen besser werden in der Kommunikation“, erklärte Christiane Ludwig-Paul (CDU) als Lehre daraus. Dies habe man in Lorsch schon oft angekündigt, entgegnete Schimpf. Aufgabe der Stadtverordnetenversammlung als oberstes Beschlussorgan sei es nicht, „alles schönzureden“, sondern den „Magistrat zu kontrollieren“, erinnerte er.

Es gehe nicht zuletzt um die Frage, wer im Namen der Stadt über Gelder entscheide, beharrte Schimpf. „Wir wollen keine kreative Verwaltungsarbeit“, auch der Magistrat habe sich an Regeln zu halten. Die Angelegenheit und ihre Aufarbeitung sei eine „Schlechtleistung“, so Schimpf.

Redaktion

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