Fremdenverkehr - Ein Hotel wäre wünschenswert, da sind sich die Bürgermeister von Fürth, Rimbach und Mörlenbach einig Weschnitztal braucht mehr Platz für Gäste

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Weschnitztal. Der Urlaub in Deutschland steht in Zeiten der Corona-Epidemie hoch im Kurs. Mehr Menschen als in den Jahren zuvor werden sich sicherlich diesmal dafür entscheiden, nicht in andere Länder zu reisen und stattdessen lohnende Ziele innerhalb der Bundesrepublik zu besuchen.

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Dazu zählt der Odenwald. Und seine Reize hat unbestritten auch sein vorderster Teil – das Weschnitztal. Ob diese Region vom Trend zum Heimaturlaub profitieren kann, ist aber ungewiss. Tatsache ist aber, dass speziell dem Weschnitztal adäquate Übernachtungsmöglichkeiten fehlen.

In Weinheim wird zurzeit über zwei mögliche Hotelneubauten diskutiert. Auch vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie das obere Weschnitztal in dieser Beziehung aufgestellt ist. Nicht optimal – da sind sich die Bürgermeister einig.

Vor allem Kurzurlauber im Blick

Das Weschnitztal ist vor allem für Tagesgäste aus den nahen Metropolregionen und für Kurzurlauber reizvoll. Darüber sind sich Volker Oehlenschläger (Fürth), Holger Schmitt (Rimbach) und Jens Helmstädter (Mörlenbach) einig. Ihren großen Jahresurlaub werden eher weniger Leute hier verbringen, glauben die Bürgermeister – „höchstens Camper auf den jeweiligen Plätzen“, merkt Holger Schmitt an.

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„Wir haben zu geringe Kapazitäten für Übernachtungsgäste“, sagt Volker Oehlenschläger dennoch unumwunden. Dies bezieht er auf das ganze Tal, speziell aber auch auf Fürth. Zwar gebe es Pensionszimmer und Ferienwohnungen, aber auch deren Zahl sei gesunken. „Da waren wir insgesamt schon einmal besser aufgestellt, beispielsweise in Zeiten des Erbacher Hofes.“ Das einstige Hotel in Weschnitz ist heute Tagungs- und Seminarzentrum eines Unternehmens.

Ein Platz, aber kein Interessent

Für seine Gemeinde hat Oehlenschläger, gemeinsam mit der Verwaltung, bereits über mögliche Standorte nachgedacht. „Das Thema taucht immer mal wieder auf, weil auch danach gefragt wird“, erklärt er. Er könnte sich im Bereich Schwimmbad und Modellbahnwelt einen Hotelstandort vorstellen. „Da gibt es eine gute Verkehrsanbindung, kurze Wege in die Natur und Freizeiteinrichtungen“, zählt Oehlenschläger auf. Und bremst gleich wieder: Zwar besitze die Gemeinde dort genügend Grund und Boden, es gebe aber keinen Bebauungsplan und schon gar keine Interessensbekundung eines möglichen Betreibers.

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An dieser Stelle enden sowieso alle noch so konkreten, eigenen Überlegungen: Solange kein Betreiber – ein Privatinvestor oder eine Hotelkette – gewonnen werden kann, wird es kein Hotel im Weschnitztal geben. Jens Helmstädter verfolgt dieses Ziel schon länger, hat Kandidaten angeschrieben und auf Messen angesprochen. „Ich bin aber bislang nicht zu Potte gekommen“, sagt er.

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Dabei hätte Mörlenbach am Bürgerhaus einen „idealen Standort“ zu bieten, wie Helmstädter glaubt. „Ich bin überzeugt, dass ein Hotel dort wirtschaftlich betrieben werden könnte“, sagt er – und denkt auch an eine Symbiose mit der benachbarten Veranstaltungsstätte, die sich für Tagungen und Seminare anbietet.

Helmstädters Erkenntnis aus seiner Betreibersuche: „Wir brauchen eine Konzeption, in der genau beschrieben wird, wie ein Hotel hier Sinn macht und sich die Investition lohnt.“ Mit „wir“ meint der Bürgermeister durchaus auch die anderen Gemeinden. „Potenzielle Investoren sehen das Weschnitztal zunächst nicht als Ganzes“, hat er erkannt.

Mehrere Standorte unrealistisch

Das Gemeinsame müsse also von den Kommunen kommen. Zumal sich die Bürgermeister in der Einschätzung einig sind, dass ein Betreiber für maximal einen Standort im Tal gefunden werden kann.

„Von daher wäre es sicher auch als interkommunales Projekt anzulegen“, sagt Holger Schmitt. „Ob und wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte, wäre dann zu klären.“ Und Volker Oehlenschläger merkt an: „Der Hotelstandort muss nicht uns als Gemeinde am besten schmecken, sondern wir brauchen den idealen Standort aus Betreibersicht.“ Ein gemeinsames Konzept, das Investoren präsentiert werden kann, könnte also hilfreich sein.

Das Problem daran erklärt Helmstädter: „So etwas erstellen zu lassen, ist teuer.“ Der Mörlenbacher Bürgermeister arbeitet deshalb gerade an einem alternativen Modell. „Das könnte als Integrationsmaßnahme aufgezogen werden, mit Arbeitsplätzen für Menschen mit Einschränkungen“, berichtet er. In diese Richtung hat Helmstädter Gespräche geführt. Er habe ein genossenschaftlich organisiertes Unternehmen an der Hand, das sogar bereit wäre, ein Konzept zu finanzieren.

Als entscheidender Puzzlestein bräuchte es für dieses Konzept noch einen freien Träger aus dem Bereich der Behindertenfürsorge. „Wenn die Steine zusammenpassen, könnte das ohne finanziellen Input der Gemeinde angeschoben werden – das ist auch mein Ziel“, so der Mörlenbacher Bürgermeister.

Ob sich daraus tatsächlich eine Chance auf ein Hotel im Weschnitztal entwickelt, ist noch unklar. Bis dahin können die Kommunen die Kurzurlauber auf das Angebot an Pensionen und Ferienwohnungen verweisen. „Ferienwohnungen sind derzeit in Rimbach sehr beliebt“, berichtet Holger Schmitt. Das Angebot sei in den vergangenen Jahren sogar gewachsen.