Ortstermin - Der Lindenfelser Unternehmer Udo Pfeil besichtigte gestern mit den Eigentümern und einem Investor das Luisenkrankenhaus Wäre die „Luise“ in zwei Jahren wieder fit?

Von 
Konrad Bülow
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Das Luisenkrankenhaus ist nach Angaben des Unternehmer Udo Pfeil in einem guten Zustand. Für eine erneute Inbetriebnahme müsste aber investiert werden. © Funck

Lindenfels. Das Szenario, in dem die Lichter im Lindenfelser Luisenkrankenhaus wieder angehen, liegt in der Ferne. Es zeichnen sich aber schon einige Konturen ab. Vergangene Woche hatte der ortsansässige Unternehmer Udo Pfeil im Gespräch mit dieser Zeitung seine Forderung formuliert, die 2016 geschlossene Klinik vor dem Hintergrund der Corona-Krise zu reaktivieren. Am gestrigen Freitag habe er nun mit einem Vertreter der Eigentümer sowie Handwerkern, die in der Vergangenheit für die Haustechnik in dem Gebäude zuständig waren, eine Ortsbegehung der „Luise“ unternommen, teilte Pfeil mit.

Über 10 000 Betten in Hessen noch frei

In den hessischen Krankenhäusern sind nach Angaben von Sozialminister Kai Klose (Grüne) aktuell 10 500 Betten frei. Das seien deutlich mehr als sonst im Durchschnitt. „Wir bereiten die Krankenhäuser auf den erwarteten Anstieg der Covid-19-Patienten vor.“

Mehr als 600 freie Betten hätten eine Beatmungsmöglichkeit, über 400 die Möglichkeit einer intensivmedizinischen Überwachung. Sie könnten Patienten mit der Lungenkrankheit Covid-19 aufnehmen. Die freien Kapazitäten seien die Folge der vor zwei Wochen getroffenen Entscheidung, planbare Operationen zu verschieben. dpa

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Auch ein Investor aus der Region sei dabei gewesen. Die Gruppe habe sich ein Bild von der Funktionsfähigkeit der Haustechnik und der Intensivstation gemacht. Auch die acht Einzelzimmer mit Beatmungsmöglichkeiten hätten die Besucher unter die Lupe genommen.

„Zimmer in gutem Zustand“

Er habe das Krankenhaus mit einem „sehr guten Gefühl“ verlassen, sagte Pfeil nach dem Rundgang am Telefon. Es bleibe aber noch viel zu tun, damit die „Luise“ die Voraussetzung erfüllt, um zunächst als Notfall-Klinik in der jetzigen Krise und später vielleicht sogar in seiner ursprünglichen Funktion dienen zu können. „Die Haustechnik muss komplett erneuert werden“, beschreibt der Unternehmer eine Erkenntnis aus dem Rundgang. Außerdem seien Legionellen in den Wasserleitungen. Der Großteil der Zimmer sei hingegen in einem guten Zustand. Es sei auch eine energetische Ertüchtigung nötig. So könne die Klinik innerhalb von zwei Jahren auf einen modernen Stand gebracht werden, ist er überzeugt.

Pfeils Vorschlag in der vergangenen Woche hatte ein gemischtes Echo hervorgerufen. Der Lindenfelser Bürgermeister Michael Helbig zeigte sich durchaus offen dafür und sprach von einer Idee, die bei allen Problemen in der Umsetzung Charme habe.

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Der Bergsträßer Landrat Christian Engelhardt war dagegen wesentlich skeptischer – auch im Hinblick auf die hohen Kosten. Zudem verwies er auf Hotels sowie die Eleonoren-Klinik in Winterkasten, die ebenfalls Räume bieten würden, um dem Notfallplan für die Krankenhäuser gerecht zu werden, auf den sich Bund und Länder verständigt haben – und zwar für weniger Geld.

Auch vom Klinikverbund Hessen kamen bestenfalls zurückhaltende Signale gegenüber der Reaktivierung von Krankenhäusern im Allgemeinen. Zum jetzigen Zeitpunkt der Krise sei dies unnötig, teilte dessen Geschäftsführer Reinhard Schaffert mit. Zudem bestehe das Problem, die wiederbelebten Kliniken mit Personal und medizinischer Ausstattung zu füllen. Andererseits sei eine ehemalige Klinik besser geeignet als eine Turnhalle, wenn es darum gehe, wo Betten für Patienten aufgestellt werden sollen.

Personal fehlt noch

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Das Kostenproblem würde der Investor möglicherweise lösen, das Personal müsste aber noch gefunden werden. Udo Pfeil hatte dabei ein Zusammenwirken von aktiven Ärzten und Pflegern sowie ehrenamtlichen Helfern mit Erfahrungen im medizinischen Bereich ins Spiel gebracht.

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Das letzte Wort darüber, ob das geschlossene Krankenhaus reaktiviert wird, um auf die Pandemie zu reagieren, hat das hessische Sozialministerium, das den Notfallplan für die Krankenhäuser umsetzen soll. Der nächste Schritt sei es, sein Konzept an das Ministerium heranzutragen, sagte Pfeil.

Die Aussage des Klinikverbund-Geschäftsführers, es sei nicht der Zeitpunkt für eine Reaktivierung ausgedienter Hospitäler, kann Pfeil nicht nachvollziehen. „Fangen wir erst dann an zu reagieren, wenn wir schon ein Krisengebiet sind oder den Kampf gegen die Epidemie schon verloren haben?“, fragte er. Die Entscheidung, nicht notwendige Operationen zu verschieben, um so freie Betten für die Corona-Krise zu schaffen, betrachtet er nicht als die richtige Antwort. Sie bedeute schließlich eine Verschlechterung des Gesundheitszustands der Betroffenen. „Diese Patienten darf man nicht aus den Augen verlieren“, mahnte Pfeil gestern.

Absicherung für Nierenzentrum

Bei seinen Gedanken zur Zukunft der „Luise“ spiele auch die Standortsicherung des Nierenzentrums eine Rolle, betonte Pfeil. Das Nierenzentrum ist die letzte medizinische Einrichtung, die nach wie vor im alten Klinikgebäude ihre Räume hat. Seine Initiative, das ist ihm wichtig, sei „kein Fingerzeig, sondern eine Aufforderung, den Standort möglichst schnell zu entwickeln und nicht schlechtzureden“.

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Redaktion Redakteur für das Ressort Lautertal/Lindenfels, Autor im Ressort Region. Bei Bedarf Unterstützer im Lokalsport