Gesang - Neckartaler Vereinigung löst sich nach 95 Jahren auf / Ein Teil aus Oberzent schließt sich Weschnitztal-Überwald an Sängerkreis geht die Puste aus

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tom
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Unter-Schönmattenwag. Das Ende deutete sich bereits vor eineinhalb Jahren an: Als mit dem Männergesangverein Sängerbund Unter-Schönmattenwag der mitgliederstärkste Verein des Sängerkreises Hessisches Neckartal zum Bruder nach Weschnitztal-Überwald wechselte, hinterfragten die Verantwortlichen bereits den Fortbestand.

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Zum Jahresende zogen sie nun den Schlussstrich einer 95-jährigen Geschichte. Drei Vereine (Sensbachtal, Rothenberg, Ober-Hainbrunn) schließen sich nun ebenfalls dem Sängerkreis Weschnitztal-Überwald an. Das 100-jährige Bestehen hat der Sängerkreis Neckartal „leider nicht mehr erreicht“, bedauert Gert Menges vom Gemischten Chor Finkenbach. Hintergrund: Es wurden immer weniger Sänger und Vereine. Die anstehenden Aufgaben konnten somit auf immer weniger Köpfe verteilt werden.

Länderübergreifende Gruppe

Die Gründer des Sängerbundes hatten 1925 die Vereine in den Ortschaften im Blick, die am Neckar und an seinen Zuflüssen in Südhessen beheimatet waren, und holten sie ins sprichwörtliche Boot. In Neckarsteinach fand die Gründung des kreis- und länderübergreifenden „Hessischen Neckartal-Sängergaues“ statt. Es schlossen sich damals zwölf Vereine mit insgesamt 420 Sängern an. Der Sitz der Vereinigung war Neckarsteinach. Dort wurde auch am 29./30. Juni 1929 das Gaubanner eingeweiht, das bis zur Auflösung bei offiziellen Anlässen mitgeführt wurde.

Die jährliche Abhaltung von Wertungssingen, die Teilnahme an Bundeschorfesten und die Besuche bei Nachbarvereinen waren die wesentlichen Aktivitäten der Sängervereinigung. In Folge des Zweiten Weltkrieges kam die Arbeit des Sängerkreises 1945 zum Erliegen, wurde aber 1948 wieder aufgenommen. Im Jahr des 50. Bestehens 1975 gehörten ihm 17 Vereine mit 17 Männer- und zwei gemischten Chören, einem Jugendchor und drei Kinderchören an: insgesamt 740 Sängerinnen und Sänger. Eine solche Mitgliederzahl wurde nie wieder erreicht.

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Geographisch erstreckt sich das Gebiet von Darsberg über Hirschhorn und Unter-Schönmattenwag bis nach Gammelsbach, Sensbachtal und an die bayerische Grenze mit Hesselbach.

Trendwende ab 2000

Das 75-Jahr-Jubiläum wurde im Jahr 2000 mit noch 15 Kreisvereinen begangen. Hier zeichnete sich bereits eine Trendwende ab: Mangels männlichem Nachwuchs hatten sich einige Männerchöre für Frauen geöffnet und so zu gemischten Chören gewandelt.

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So hatte der Sängerkreis nun insgesamt 660 Stimmen. 2001 konnte man nach 22 Jahren unter dem Vorsitzenden Friedel Sepp den jungen Udo Mayer aus Unter-Schönmattenwag für den Vorsitz gewinnen, der bis 2007 amtierte.

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Mitte 2019 verließ der größte im Sängerkreis beheimatete Verein, der Sängerbund Unter-Schönmattenwag, die Vereinigung und schloss sich dem Sängerkreis Weschnitztal-Überwald an. Als kurze Zeit darauf noch die Nachricht eintraf, der Männergesangverein Liederkranz 1898 Kortelshütte befinde sich in Auflösung, sah man im Vorstand die Notwendigkeit gegeben, den Fortbestand des Sängerkreises Neckartal zu hinterfragen. Denn es gab dann nur noch neun angeschlossene Vereine.

Nach dieser Bestandsaufnahme wurde ab Herbst 2019 im Vorstand diskutiert, ob angesichts des Wegfalls dieser beiden Mitgliedsvereine und einer damit einhergehenden drastischen Reduzierung des belastbaren Personals – nicht zuletzt auch wegen der immer ungünstiger werdenden Altersstruktur – eine Wahrnehmung der Aufgaben im Sängerkreis überhaupt noch gewährleistet werden kann.

Auch die Ausrichtung von Veranstaltungen erwies sich als fast nicht mehr lösbare Aufgabe. So wurde die Auflösung zum 31. Dezember 2020 beschlossen. Zum 1. Januar 2021 fanden vier Vereine im Sängerbund Odenwaldkreis (Falken-Gesäß, Finkenbach, Gammelsbach, Schöllenbach), drei im Sängerkreis Weschnitztal-Überwald (Sensbachtal, Rothenberg, Ober-Hainbrunn) und einer im Badischen Sängerbund (Neckarsteinach) eine neue Heimat. In Hirschhorn ruht derzeit der Betrieb. tom