Corona-Epidemie - Aktive der Trachtenkapelle Lindenfels und weitere Musiker spielen regelmäßig in ihren Gärten oder auf ihrem Balkon für die Nachbarn Musik soll Mut machen gegen die Krise

Von 
Gisela Grünwald
Lesedauer: 
Die Folkband Reelin’ Tarkatz und weitere Musiker spielten in einem Garten in Neunkirchen. © GG

Lautertal/Lindenfels. Die Aktiven der Trachtenkapelle Lindenfels machen schon seit vier Wochen jeden Sonntag ab 18.15 Uhr auf ihrem Balkon oder in ihrem Garten Musik. Angefangen hat das wöchentliche Konzert mit dem Schlusschoral „Freude schöner Götterfunken“ aus der Neunten Sinfonie von Ludwig van Beethoven.

AdUnit urban-intext1

In einigen Städten gehören die Konzerte auf die Straße hinaus schon seit Beginn der Corona-Beschränkungen zum Alltag. Seither waren die aufmunternden Angebote auch schon oft Thema in den Medien. Städter und Landbewohner freuen sich über die individuellen Konzerte.

Schon am 24. März – also kurz nach dem Beginn der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen – hatte der Hessische Musikverband landesweit zu den Fenster- und Gartenkonzerten aufgerufen. Die Noten für das Projekt „Musik macht Mut“ können sich Interessierte kostenlos auf der Internetseite des Verbandes runterladen.

Der Dirigent der Lindenfelser Trachtenkapelle, Peter Flath, spielte mit der Trompete im Garten vor seinem Haus. Zu sehen und zu hören ist der Beitrag auf Facebook und auf der Internetseite der Lindenfelser Trachtenkapelle.

AdUnit urban-intext2

In Lützelbach lebt das Ehepaar Petra und Rainer Bauer. Sie spielt Flügelhorn und er Trompete – ebenfalls in der Lindenfelser Trachtenkapelle. Die beiden haben von Anfang an mitgemacht bei dem Projekt „Musik macht uns Mut“, das in der vergangenen Woche gestartet ist. Unter anderem spielten sie „Jeder Tag bringt neue Hoffnung“, die bekannte Polka von Hubert Wolf. Für Petra Bauer ist es ein Lied, das besonders aufmuntert in dieser vom Coronavirus geprägten Zeit.

Flügelhorn und Drehorgel

Am vergangenen Wochenende blies Petra Bauer zweimal ins Flügelhorn. Einmal begleitete sie ihren Nachbarn Fritz Ehmke, der Drehorgel spielte. Die Nachbarn kennen das schon: Sie stellen oder setzen sich in ihren Vorgarten und hören zu. Fritz Ehmke kennen viele von Mundart-Abenden – auch in Reichenbach und seinem Engagement für den südhessischen Dialekt bei den Mundartfreunden.

AdUnit urban-intext3

Gemeinsam mit der Cellistin Sue Schlotte und Musikpädagogin aus Darmstadt organisiert Ehmke die Modautaler Musik-Momente. Immer samstags ab 18 Uhr musizieren Instrumentalisten und Sänger in ihren Gärten. Jedes Konzert dauert dabei etwa zehn Minuten.

AdUnit urban-intext4

Bei der Premiere war in Neunkirchen die junge Folkband Reelin’ Tarkatz mit Begleitmusikern dabei. Katharina Maul spielte – mit Baby im Wickeltuch – Ukulele und sang „Lord in the sky“, begleitet von ihrer Band und Gerhard Thaler, dem früheren Lehrer an der Mittelpunktschule Gadernheim.

Die selbstgebauten Musikinstrumente von Hans Eckert hörten sich ebenso gut an wie die Cellos. Ein Kleinkind schlug den Takt auf einem Topf mit. Selbst auf die vorgeschriebene soziale Entfernung konnte man gut zuhören.

In Brandau musizierten Andrea und Julia Gulden in ihrem Garten. Gregor Gärtner spielte in seinem Hof Saxofon. Die Modautaler Musik-Momente stehen unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Jörg Lautenschläger. Das Projekt wurde vom Bundesmusikerverband Chor und Orchester für ein Förderprogramm ausgewählt. Der Verband will damit die Musik im ländlichen Raum stärken.

Mit dem Programm verbunden sind Lehrgänge vor Ort, die wegen der Corona-Epidemie aber abgesagt werden mussten. Deshalb sind die Musiker zurzeit zu Hause und freuen sich, für ihre Nachbarn spielen zu können.

Zum Abschluss soll – sobald das Versammlungsverbot aufgehoben wurde – ein gemeinsames Konzert aller Musiker stattfinden. Es wird eine interessante Mischung werden, denn von Klassik über Heimat- und Volksmusik bis zu Folk ist alles dabei.

Freie Autorenschaft