Kommunalwahl - Der Spitzenkandidat der Lindenfelser Grünen wirbt dafür, auch unvorhergesehene Chancen für die Stadt zu ergreifen Jochen Ruoff will mehr als nur starre Konzepte

Von 
Konrad Bülow
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Jochen Ruoff kandidiert als Spitzenkandidat auf der Liste der Grünen für die Lindenfelser Stadtverordnetenversammlung. © Neu

Lindenfels. Die erste Wahlperiode, die Jochen Ruoff als Lindenfelser Stadtverordneter erlebte, hatte es in sich: 2011 nahm er erstmals in der Runde der ehrenamtlichen Volksvertreter Platz. In die darauffolgenden Jahre fielen der Rücktritt von Bürgermeister Oliver Hoeppner und der Eintritt der Burgstadt in das Schutzschirm-Programm des Landes Hessen, verbunden mit Sparauflagen und Steuererhöhungen. „Das war schon eine spannende Zeit“, blickt er zurück.

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Bei der Kommunalwahl am 14. März tritt Ruoff wieder für die Lindenfelser Grünen an, dieses Mal als Spitzenkandidat. Es wäre seine dritte Amtszeit in der Heimat. Seinen politischen Weg beschreitet er aber schon wesentlich länger. Bald nach seinem Beitritt zur Umweltpartei war er Mitglied des Bergsträßer Kreistags geworden. 2003 und 2009 hatte er – erfolglos – als Landrat kandidiert. Auch auf Landesebene trat er in Erscheinung, als Schatzmeister und Politischer Geschäftsführer der Grünen. 2013 kandidierte er für den hessischen Landtag.

Nach einem höheren Amt strebt Ruoff nicht mehr – auch wenn man nie wisse, was noch kommt. Zunächst einmal will sich der 62-Jährige der Stadtpolitik widmen – und der Kreispolitik, denn er kandidiert auch wieder für den Bergsträßer Kreistag, auf dem vierten Platz der Grünen-Liste. Dass er nicht mehr, wie 2016, auf dem ersten Platz dieses Wahlvorschlags kandidiert, bedeute nicht, dass er dieses Engagement zugunsten der Arbeit im Lindenfelser Stadtparlament runterfahren will. Es sei ihm wichtig, dass die Burgstadt auch im Kreistag ihre Vertreter hat, sagt er. Dabei gehe es nicht um „Lobby-Arbeit für Lindenfels“, sondern darum, auch die Sichtweise der Heimatkommune in die Kreispolitik einzubringen. Nur zweimal, sagt er, habe er sich im Kreistag explizit für Lindenfelser Belange eingesetzt: Einmal, als es um den Erhalt des Luisenkrankenhaus ging, das zweite Mal, als er und Bürgermeister Michael Helbig den Eintrag einbrachten, Freibäder wie jenes in Lindenfels gemeinsam mit Mitteln des Kreises zu betreiben.

In der Kirche politisiert

Ruoff kam zwar in Darmstadt zur Welt, wohnte aber von Anfang an in Lindenfels. Dort blieb er auch fast sein ganzes Leben lang, unterbrochen von jeweils einigen Jahren in Gorxheimertal und Ober-Hambach. Ein Großteil seiner Familie lebe in Lindenfels, das sei ihm wichtig, betont er. Im Vereinsleben der Stadt sei er weniger verwurzelt. Zeitweise war er Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins. Außerdem engagiert er sich im evangelischen Kirchenvorstand von Lindenfels.

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Die Kirchenarbeit prägt den Freund klassischer Musik, der mehrere tausend CDs besitzt, schon lange. „Die Kirche war es, die mich politisiert hat“, sagt er. Ruoff war im Bundesvorstand der evangelischen Jugend, nahm an internationalen Kongressen teil. Friedensarbeit und der Protest gegen die Startbahn West am Frankfurter Flughafen hätten damals eine große Rolle gespielt. Irgendwann habe er erkannt, dass die Grünen dasselbe wollten wie er und viele seine Mitstreiter. Kurz bevor er Heimleiter im Albert-Schweitzer-Haus wurde, sei er der Umweltpartei beigetreten, blickt er zurück. Heute ist er hauptberuflich stellvertretender Geschäftsführer des Vereins Kubus, der das Freizeitheim in Lindenfels betreibt.

Eine funktionierende Stadtgemeinschaft nennt Ruoff als eines seiner Ziele. „Die Lindenfelser sollten die Angebote vor Ort auch nutzen und dafür nicht woanders hinfahren“, sagt er. Das betreffe etwa den Nahkaufmarkt, in der Vergangenheit sei das Luisenkrankenhaus ein Angebot gewesen, das viele nicht nutzten, wenn sie nicht mussten. Heute ist es geschlossen.

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Bei der Stadt und ihrer Politik sieht der Grüne die Pflicht, als Initiator aufzutreten, wenn es darum geht, sozial benachteiligte Menschen zu integrieren. Auch mit dem Klimaschutz habe „jeder zu tun“. Überhaupt ist ihm die Klimapolitik noch zu weit entfernt von der nötigen Priorität. Der gebeutelte Lindenfelser Wald sollte künftig stärker in den Blick genommen werden. „Es sollte bei der Bewirtschaftung um die Frage gehen, was unserem Wald gut tut“, sagt er.

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Als den Wirtschaftszweig, auf den sich die Stadt konzentrieren sollte, sieht Ruoff den Tourismus – wobei er davor warnt, sich auf starre Konzepte zu beschränken. Er halte es eher mit dem Chaosprinzip – sehen, welche Ressourcen da sind und Chancen nutzen. Das habe beim Infopunkt an der Burg funktioniert, der aus einer Initiative von engagierten Bürgern entstand, ebenso wie das Lindenfels-Festival Life, dass bisher wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte. „Unsere Aufgabe ist es, solche Gruppen zu fördern und sie nicht aufs Glatteis zu führen“, ist er überzeugt. Lindenfels müsse lebendig und einladend sein.

Redaktion Redakteur für das Ressort Lautertal/Lindenfels, Autor im Ressort Region. Bei Bedarf Unterstützer im Lokalsport