Diakonisches Werk - Der Betrieb der Tafel Rimbach ist wegen der Corona-Pandemie eingeschränkt / Lebensmittel werden dezentral verteilt Hilfsaktion mit Tüten vom Lastwagen

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Konrad Bülow
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Besuch der Tafel in Lindenfels: Von links Susanne Hagen (Diakonisches Werk) sowie die Helfer Manfred Wöhlert, Michael Heidecker, Michael Helbig (Bürgermeister), André Wörle (Auszubildender in der Stadtverwaltung). © Neu

Lindenfels. In braunen Papiertüten auf der Ladefläche eines Lastwagens standen sie bereit: Lebensmittel für hilfsbedürftige Menschen. Die Tafel Lampertheim des Diakonischen Werks Bergstraße hat die Güter gestern am Eingang des Lindenfelser Freibads verteilt – vom Fahrzeug aus, weil die Tafel den üblichen Betrieb in Rimbach und ihren drei anderen Standorten wegen der Corona-Pandemie eingestellt hat. Die Aktion war Teil der Bemühungen, die Lebensmittel trotzdem zu den Abnehmern zu bringen.

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Der Ort des Geschehens war bewusst gewählt. Nicht jeder, der die Tafel in Anspruch nimmt, will gesehen werden, manchmal rümpfen auch Anwohner pikiert die Nase. Der Ausgabeplatz in Lindenfels ist schwer einzusehen, das Freibad hat außerdem noch geschlossen – mindestens bis zum 5. Juni.

Bürgermeister packt mit an

Neben den Tafelmitarbeitern Manfred Wöhlert und Michael Heidecker packte bei der Ausgabe auch der Lindenfelser Bürgermeister Michael Helbig mit an. „Ich finde es richtig, gerade in dieser Zeit auf die bedürftigen Menschen hinzuweisen“, begründete der Rathauschef sein Engagement. Die Tafel habe die Kommunen angeschrieben, die vom Tafel-Auto angefahren werden, mit der Bitte, ehrenamtliche Helfer zu vermitteln, ergänzte Susanne Hagen von der Bereichsleitung für Tafelarbeit im Diakonischen Werk. Da habe sich Helbig bereiterklärt, selbst zu helfen. Mit dabei war auch André Wörle, Auszubildender bei der Lindenfelser Stadtverwaltung.

Für Menschen, deren Geldbeutel knapp bestückt ist, bringt die Krise besondere Herausforderungen mit sich, wie Hagen erläuterte. 660 Menschen bezögen Güter vom Standort in Rimbach, davon 125 Kinder. Lebensmittel seien teurer geworden. Außerdem brauchten die Menschen in Zeiten, in denen sie viel Zeit zu Hause verbringen, mehr Ressourcen als sonst, gab sie zu bedenken.

Dünne Personaldecke

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Da der Großteil der ehrenamtlichen Tafelhelfer über 60 Jahre alt ist und viele zur Risikogruppe gehören, mussten die Tafeln ihren Betrieb herunterfahren. Die Gesundheit der Helfer ging vor, nach wie vor ist die Personaldecke klein. Zur Überbrückung hat die Tafel mit Unterstützung jüngerer Helfer einen Lieferdienst für Nutzer über 63 Jahren eingerichtet. Daran beteiligen sich der FC Fürth und der Verein Foodsharing.

Die Aktion in Lindenfels gehörte zum zweiten Schritt: Mithilfe des Lastwagens sollen auch jüngere Kunden einmal in diesem Monat versorgt werden. Anfang Mai machte das Tafelauto in Abtsteinach und Wald-Michelbach Station, gestern in Lindenfels und Hammelbach. Hilfeempfänger aus den anderen Kommunen im Einzugsgebiet der Rimbacher Tafel erhalten Lebensmittel im Freien vor der Ausgabestelle. „Auf diese Weise wollen wir den Tafelbetrieb entzerren“, erklärte Hagen.

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Für die Aktion am Freibad standen 20 Nutzer auf der Liste. Sie kamen nicht gleichzeitig zum Parkplatz, sondern getaktet, um Menschenansammlungen zu verhindern. Die Besuche in Lindenfels und den anderen Kommunen sollen erst einmal eine einmalige Aktion sein, wie Hagen erläuterte. Im Juni sollen die Lebensmittel wieder in Rimbach an die Hilfesuchenden verteilt werden, in einem Zelt vor dem Tafelstandort.

Unterstützung vom Lions-Club

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Einen großen Anteil daran, dass die Tafel im Mai Bedürftige versorgen kann, hat der Lions-Club Rimbach/Weschnitztal. Der Verein hat der Rimbacher Tafel 5000 Euro gespendet. Mitglieder packen die Tüten, bevor sie an der Ausgabestelle verteilt oder in den Lastwagen verteilt werden.

Redaktion Redakteur für das Ressort Lautertal/Lindenfels, Autor im Ressort Region. Bei Bedarf Unterstützer im Lokalsport