Recycling-Anlage Helbig will keinen Spielraum sehen

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Wie sagte Otto von Bismarck? „Verfallen wir nicht in den Fehler, bei jedem Andersmeinenden entweder an seinem Verstand oder an seinem guten Willen zu zweifeln.“ Genau dies spüre ich aus der Stellungnahme von Bürgermeister Michael Helbig zur Recycling-Anlage in Kolmbach heraus.

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Herr Helbig zieht sich in seinen Äußerungen auf die Rechtsstaatlichkeit zurück. Bürger haben Sorgen und Bedenken und er antwortet mit dem Gesetz. Rechtsstaatlichkeit ist immer die Grundlage des Handels, das Handeln selbst wird aber vom Sinn des Tuns bestimmt und geprägt, zumindest soll es so sein.

Es geht nicht darum, ob Gesetze missachtet werden, es geht um die Frage, ob eine Recyclinganlage eine gute Position nahe an Wohngebieten (300 oder 500 Meter) hat. Es geht darum wie die Staubemission bei heißen Phasen und Winden unter Kontrolle gehalten werden kann und es geht darum, wie das Grundwasser geschützt werden kann, dies bei einer Anlage, die im Sommer zwingend mit Wasser betrieben werden muss, um Staub zu kontrollieren. Es geht auch um die Geräuschentwicklung, es geht um Natur und Wahrnehmung einer solchen Anlage.

In den Ausführungen von Herrn Helbig werden besorgte Bürger – seine Bürger – abgewertet und milde belächelt. „Die wollen ja die Entwicklung nur nicht vor der eigenen Haustür“, das sind „schlaue“ Leute, die einfach Grundlagen, Normen und Werte und Behörden anzweifeln. Die sind populistisch motiviert. Dann erwarten diese noch einen persönlichen Handschlag bei einer öffentlichen Sitzung.

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Jegliche Selbstkritik fehlt. Dies ist bedenklich. Nicht nur die Position der anderen anzuschauen, auch die eigenen Position zu betrachten, kritisch zu betrachten, das ist die Grundvoraussetzung eine gute Lösung zu finden. Starre ist der einfache Weg, oft begangen, oft hat er Gruppen und Miteinander langfristig geschädigt.

Es geht nicht um den 100-fachen Handschlag, es geht darum, dass Sie einen Raum mit Ihren Bürgern betreten und sie nicht einmal mit einem Lächeln oder Nicken begrüßen, dies wäre ein Mindestmaß an Wertschätzung. Lieber Herr Helbig, die Bürger wollen vom Bürgermeister gehört und verstanden werden, die Bürger wollen sicher sein, dass er ihre Position genauso vertritt, wie die Aufgabe, Lindenfels zu entwickeln. Helbig kritisiert die SPD wegen populistischer Beiträge und erwartet Gespräch. Er lebt aber vor, wie Projekte ohne Gespräch mit Betroffenen eingeleitet werden.

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Er sieht keinen Spielraum, er will keinen Spielraum sehen. Im Abschluss seiner Stellungnahme benennt er den Interessenausgleich als „Kunst der Politik“. Werden Sie Künstler lieber Herr Helbig und nehmen Sie die Gesetzestexte für Ihre Lösungsfindung als Grundlage, nicht aber als Leitlinie Ihrer Kommunikation und Ihres Handels.

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Jürgen Fleer

Kolmbach