Mörlenbach - Vor einem Jahr wurde das Gewerbegebiet abgelehnt Firmen suchen sich einen neuen Platz

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arn
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Mörlenbach. Es war ein großer Erfolg für die Bürgerinitiative Landschafts-Schutz und ein Schlag für das Gewerbe in Mörlenbach: Am 26. Mai 2019 hat eine deutliche Mehrheit beim Bürgerentscheid das geplanten Gewerbegebiet Nord-Ost abgelehnt. Ein Stück Natur zwischen Mörlenbach und Rimbach bleibt damit unberührt, aber einige Firmen waren getroffen.

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„Fünf Mörlenbacher Unternehmen, die sich gerne im neuen Gebiet angesiedelt hätten, haben die Gemeinde inzwischen verlassen“, berichtete der Vorsitzende der Mörlenbacher Gewerbevereinigung (GVM), Rolf Schwarztrauber. Eine weitere Firma sei auf der Suche nach Platz in einer anderen Gemeinde.

Das bestätigte Bürgermeister Jens Helmstädter. Er berichtet von drei ehemals Mörlenbacher Firmen, die Gelände im Gewerbegebiet bei Zotzenbach erworben hätten. Während Helmstädter allerdings zögert, dafür allein den Bürgerentscheid als Ursache zu nennen, wird Schwarztrauber deutlich: „Diese Abstimmung hatte massive Auswirkungen: Rimbach, Fürth und Birkenau stehen mit offenen Armen da und freuen sich über die Abwanderer aus Mörlenbach.“

„Immer wieder Nachfragen“

Der Gemeinde seien zukunftsträchtige Unternehmen verlorengegangen. Die Firmen hätten sich in dem Gewerbegebiet ansiedeln wollen, um zu expandieren. „Das macht keiner, wenn es ihm nicht gut geht“, sagt Schwarztrauber. Außer den entgangenen Gewerbesteuereinnahmen falle der Verlust von Arbeitsplätzen und Lehrstellen ins Gewicht.

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Alternativen zu dem Gewerbegebiet hat die Gemeinde keine. Da sind sich Schwarztrauber und Helmstädter einig. Dabei „gibt es immer wieder Nachfragen, auch von außerhalb – zumindest war das vor der Coronakrise so“, berichtete der Bürgermeister. Zwar halte die Gemeinde „die Augen offen“ und sei dabei, Möglichkeiten auszuloten. Helmstädter sagt aber auch: „Der Bürgerentscheid war ein Signal, dass keine großen Neuflächen gewünscht sind.“

Die Bürgerinitiative sieht das anders: „Bei sinnvoller Auslastung der bestehenden Gewerbeflächen könnte der Mehrbedarf weitestgehend abgedeckt werden“, schreibt sie in einer Stellungnahme. Die von ihr ins Spiel gebrachte Erschließung von innerörtlichen Brachflächen kann aus Sicht von Schwarztrauber und Helmstädter das Problem aber nicht lösen. „Da gibt es keinen Fortschritt“, sind sich GVM-Vorsitzender und Bürgermeister einig. Etliche potenzielle Flächen und Objekte befinden sich im Privatbesitz.

„Fast schon Enteignungen“

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„Wenn der Inhaber nicht will, sind uns die Hände gebunden“, so Helmstädter. „Die Menschen haben ihre Grundstücke und Immobilien teilweise für ihre Kinder gekauft und aufgehoben“, merkt Schwarztrauber an. Die Vorstellungen der Bürgerinitiative grenzten an „eine Enteignung“.

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Abgesehen davon sprächen praktische Gründe dagegen, größere Firmen in die Ortsmitte zu verlagern. Zuallererst der Umstand, dass diese Standorte suchten, um expandieren zu können. Der Zuschnitt der Brachflächen innerhalb der Bebauung lasse dies eher nicht zu. „Bürogebäude sind da vielleicht maximal vorstellbar“, so Schwarztrauber. Zumal es auch sonst nicht praktikabel sei, produzierendes Gewerbe in einem Gebiet mit Wohnhäusern anzusiedeln.

Schwarztrauber: „Das war vor dem Bürgerentscheid klar gesagt worden: Mörlenbach hat ansonsten keine Fläche mehr, auf der Gewerbeansiedlungen möglich sind. Daran hat sich nichts geändert. Die Konsequenzen treffen uns hart.“ arn