Lärmfeuer - Der frühere stellvertretende Wehrführer der Eulsbacher Feuerwehr hätte am Samstag den Holzstapel auf der Höhe bei Erlenbach entzünden sollen Ferdinand Wojacek lässt das Streichholz stecken

Von 
Jutta Haas
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Eulsbach. Das Eulsbacher Lärmfeuer, das am vergangenen Wochenende hätte stattfinden sollen, ist aufgrund der Corona-Krise abgesagt worden. Das Verständnis ist in der Bevölkerung vorhanden, auch wenn sich viele Leute auf diese Veranstaltung gefreut hatten. Einer davon ist Ferdinand Wojacek (BILD: Lotz), der in diesem Jahr die ehrenvolle Aufgabe erhalten hatte, das Lärmfeuer zu entzünden.

Auch in Eulsbach lodert am letzten Samstag im März üblicherweise ein Lärmfeuer. Diesmal fiel der Termin wegen der Corona-Kriose aus. Ferdinand Wojacek hatte das Feuer entzünden sollen. © Zelinger
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Alljährlich wird dafür ein Eulsbacher Bürger ausgesucht, der sich um den Ort verdient gemacht hat. In diesem Jahr war es eben der ehemalige stellvertretende Wehrführer und stellvertretende Vorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr.

Ferdinand Wojacek zog vor 20 Jahren zu seiner heutigen Lebensgefährtin nach Eulsbach. Der Mörlenbacher konnte im Ort schnell Fuß fassen. Das lag auch an ihm selbst, denn der Berufsfeuerwehrmann wurde erst einmal Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr. Schon 2003 wurde er in den Vorstand gewählt.

Gründer der Jugendfeuerwehr

Anpackend, wie viele Menschen Ferdinand Wojacek kennen, führte er gleich neue Ideen ein. Mit der Gründung einer Jugendfeuerwehr sorgte er für die Zukunftsfähigkeit. Jugendliche jener Zeit tragen heute Verantwortung bei den Brandschützern. „Vier von ihnen sind heute noch aktiv dabei“, freut sich Wojacek zu recht.

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Die Gründung von Kinderfeuerfeuerwehren in den Nachbarorten verfolgte Ferdinand Wojacek mit großem Interesse. „So etwas hätte ich mir auch in Eulsbach vorstellen können. Allerdings fehlte es damals an Kindern im Ort.“

Werbung für die Einsatzabteilung zu machen, war Ferdinand Wojacek ebenso wichtig. Bei etlichen Schauübungen konnte die Bevölkerung sich vom Können der ehrenamtlich tätigen Brandschützer überzeugen. Andere Aktivitäten gab es für den vorbeugenden Brandschutz durchgeführt. „Ein Fettexplosion ist schon beeindruckend“, so Wojacek. Den Eulsbachern wurde vorgeführt, dass sie brennendes Fett besser nicht mit Wasser löschen.

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Als Ferdinand Wojacek seinen 65. Geburtstag gefeiert hatte, war die Altersgrenze für Führungskräfte in der Feuerwehr erreicht. Nach zehn Jahren erfolgreicher Arbeit übergab er seine Ämter in jüngere Hände. Der Feuerwehr ist er aber bis heute treu geblieben.

Als das Fernsehen ins Dorf kam

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Ferdinand Wojacek ist auch an der örtlichen Politik interessiert. Zwölf Jahre lang wirkte er im Ortsbeirat mit. In dieser Zeit zog das hessische Fernsehen Eulsbach im Rahmen des Programms Dolles Dorf aus dem Lostopf. Dabei besucht ein Fernsehteam nach der Ziehung am Donnerstagabend tags darauf einen Ort und stellt eine Reportage zusammen, die samstags ausgestrahlt wird.

„Das geschah genau dann, als Ortsvorsteher Willi Fendrich im Urlaub war“, erinnerte sich Ferdinand Wojacek. Vom Lindenfelser Bürgermeister Oliver Hoeppner wurde er über den Besuch des Teams vom Fernsehen informiert.

„Innerhalb kürzester Zeit haben die Jugendfeuerwehr und ich mit dem Einsatzfahrzeug Tische und Bänke im Ort zusammengesucht. Georg Katzenmeier kümmerte sich um Essen und Trinken“, berichtete Ferdinand Wojacek. „Als die Leute vom Dreh-Team knapp zwei Stunden später in Eulsbach eintrafen, war alles bereit zum Empfang.“ Auch der Drehtag am Freitag „war eine tolle Veranstaltung“, so Wojacek.

Nicht alle Aktivitäten im Ehrenamt sind mit guten Erinnerungen behaftet. Dazu gehört die Spielplatzaktion. Nach Meinung einiger Eltern und Bürger sollte der Platz gründlich überarbeitet werden. Also krempelten die Mitglieder von Feuerwehr und Ortsbeirat die Ärmel hoch und luden Eltern und Bürger zum Mithelfen ein.

Arbeit gab es genügend, „doch von den Bürgern und Eltern hatte an diesem Samstag wohl niemand Zeit. Und so haben wir die Arbeit allein mit Mitgliedern von Feuerwehr und Ortsbeirat durchgeführt.“

Für die LWG/CDU saß Ferdinand Wojacek in der Lindenfelser Stadtverordnetenversammlung. Hier erinnert er sich an eine unrühmliche Geschichte um eine Maschine, mit der der Bauhof Schlaglöcher in den Straßen des Stadtgebietes schließen sollte. Die Eulsbacher warteten lange darauf, dass ihre Schlaglöcher beseitigt werden. Als sie sich dazu entschlossen, die Maschine zu holen um die Arbeiten selbst zu übernehmen, mussten sie erfahren, dass sie inzwischen verkauft war. „Im Ehrenamt gibt es Höhen und Tiefen“, so das Fazit von Ferdinand Wojacek, der nun gerne „legal ein großes Feuer entzündet hätte“.

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