Musikprojekt - Martin Steffan, Chorleiter der Swinging Voices in Fürth, hat zur Eröffnung des Opernhauses in Maskat mit Einheimischen Die Zauberflöte aufgeführt Ein Odenwälder dirigiert Mozart in Oman

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Gisela Grünwald
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Fürth. „Mitte September kam das Angebot über den Chor, den ich in Lugano in der Schweiz leite“, erzählt Martin Steffan. Damit begann für den Odenwälder ein Abenteuer, das ihn in den weit entfernten Wüstenstaat Oman führte. Im Odenwald ist Steffan bekannt als Chorleiter der Swinging Voices in Fürth und des gemischten Chores des Gesangvereins Waldeslust Scharbach. Er ist ausgebildeter Tenor, seine Ehefrau Doris Steffan-Wagner ist Sopranistin.

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In einer musikalischen Familie aufgewachsen, liegt Martin Steffan die klassische Musik am Herzen – von Händel über Bach bis Mozart. In Lugano ist er Mitglied im Coro della Radiotelevisione svizzera, dem Chor des Schweizer Radios und Fernsehens. Er ist Sänger und gleichzeitig der Chorleiter, Maestro del coro genannt. Der musikalische Leiter des Chores Diego Fasolis fragte ihn, ganz nebenbei, ob er Lust hätte, mit dem Chor Die Zauberflöte einzustudieren.

„Natürlich sagte ich zu, um erst am nächsten Tag per WhatsApp zu erfahren, wo Proben und Aufführung sind.“ Für Martin Steffan, seine Ehefrau und die drei Kinder bedeutete das, Weihnachten 2019 in Oman im Mittleren Osten zu feiern. Zum ersten Mal flog Martin Steffan im Oktober in die Hauptstadt Maskat. Er sollte beim Vorsingen der Schüler des militärischen Music Colleges dabei sein.

Internationaler Chor

Das College liegt neben dem Palast von Sultan Qabus ibn Said. Der regierte Oman von 1970 bis zu seinem Tod im Januar dieses Jahres. Er hatte in Großbritannien studiert und diente in der britischen Rheinarmee, die in Ostwestfalen-Lippe stationiert war. Der Liebhaber der klassischen Musik baute schon früh ein Opernhaus für Gastspiele in Maskat. Das weiße Opernhaus ist berühmt und seit Dezember gibt es auch ein kleines Pendant.

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Dieses sollte auf Wunsch des Sultans mit der Aufführung der Oper Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart eingeweiht werden. Auf der Bühne sollten nicht nur die Sänger aus der Schweiz, sondern auch Künstler aus Oman stehen.

Nachfolger des Sultans ist sein Cousin, der 65-jährige bisherige Kulturminister Haitham ibn Tariq. „Zum Vorsingen am College erschienen 15 von 16 eingeladenen Studenten“, erzählt Martin Steffan. Bei dem Projekt sollten die Studenten nicht nur singen, sondern auch Disziplin lernen. Keiner von ihnen sprach Deutsch.

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„Für mich als Chorleiter war das eine Herausforderung“, so der Odenwälder. „Schon beim Vorsingen gab ich Anweisungen in Englisch. Schnell stellte sich heraus: Nicht alle Schüler verstehen genügend Englisch, aber wir fanden Übersetzer.“

Sprachprobleme überwunden

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Nach dem Vorsingen war Steffan noch einmal im November und dann im Dezember für Proben in Maskat. In der Zeit dazwischen übten die Lehrer vom College mit ihren Studenten. „Nach drei Monaten des fleißigen Übens – viele übten mit ihrem Handy die korrekte Aussprache – konnten sie sogar die Umlaute singen, die es in der arabischen Sprache gar nicht gibt“, so Martin Steffan. Die Chorsänger, alle um die 20 Jahre alt, schlossen Steffan in ihr Herz und lehrten ihn arabische Worte zur Begrüßung.

Der Chorleiter musste unter seinen Sängern aus Oman auch für Disziplin sorgen. So musste er unter anderem einer Sängerin erklären, dass Chorproben pünktlich anfangen: Sie war erst eine Stunde nach Probenbeginn gekommen, alle anderen Sänger mussten warten. „Aber nachdem das geklärt war, war es eine tolle Zusammenarbeit.“ Martin Steffan erlebte die Menschen in Oman als sehr freundlich.

Schon beim Vorsingen bekam Steffan einen Einblick ins Familienleben im Mittleren Osten. „Eine Sängerin bekam vom Ehemann keine Erlaubnis zur Teilnahme und ein Sänger von der Mutter.“ Sie meinte, der junge Mann dürfe nur für den Sultan singen.

Im Dezember standen die jungen Sänger dann das erste Mal auf einer Opernbühne. Die meisten hatten bisher nur vor Gästen im Palast oder zu Hause gesungen. Für alle Sänger eine Herausforderung: die musikalische Probe mit Orchester. Dabei stellte sich heraus, dass der Probenraum des kleinen Opernhauses viel zu klein ist. „Man konnte die Stimmen der Chorsänger nicht mehr unterscheiden.“

Sprachen in fliegendem Wechsel

Inzwischen war den Studenten die Musik von Mozart nicht mehr fremd. Im Dezember war das erste Mal der Chor aus der Schweiz dabei. Für Chorleiter Martin Steffan eine anstrengende Zeit: „Ich musste immer wechseln zwischen Italienisch und Englisch, um meine Anweisungen zu geben.“

Steffan führte mit den College-Studenten und dem Luganer Chor Die Zauberflöte an drei Abenden hintereinander in Maskat auf. Deshalb waren die Soloparts dreifach besetzt. Die Premierenfeier war im Garten eines Hotels direkt am Persischen Golf.

Zweimal hatten die Steffans die Gelegenheit zu Ausflügen mit Kollegen: Einmal ging es in ein fruchtbares Wadi und in die Wüste. Der zweite Ausflug führte in die 180 Kilometer entfernte Oasenstadt Nizwa am Südrand des Hadschar-Gebirges. Martin Steffan, das College und der Chor von Lugano verhandeln inzwischen über ein neues Musikprojekt in Oman.

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