Coronavirus - Der Gadernheimer Peter Elbert hat seine Miniaturausgabe des Lindenfelser Drachenmuseums jetzt auch offiziell übergeben können Ein Haus im Haus: Baureneck als Modell

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Gisela Grünwald
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Modellbauer Peter Elbert (rechts) übergibt das Modell des Hauses Baureneck an Peter C. Woitge, den Vorsitzenden des Vereins Deutsches Drachenmuseum. © Grünwald

Lindenfels. Peter Elbert aus Gadernheim ist ein passionierter Modellbauer. Aus Holz baut er maßstabgerecht Gebäude nach. Peter C. Woitge, Vorsitzender des Vereins Deutsches Drachenmuseum, hatte ihn auf die Idee gebracht, das Haus Baureneck im Miniaturformat nachzubauen – in diesem Gebäude befindet sich bekanntermaßen Drachenmuseum. Jetzt hat Peter Elbert sein Werk vollendet und das Modell an Woitge übergeben. Nun können die Museumsbesucher das Haus aus der Vogelperspektive betrachten. Das Modell befindet sich im Dachgeschoss in dem Raum, der dem ehe-maligen Besitzer des Gebäudes Wilhelm Baur de Betaz gewidmet ist.

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Wilhelm Baur stammte aus Lindenfels. Sein Elternhaus steht zwischen den zwei Stadttoren. Er war ab 1872 als Hof- und Domprediger in Berlin tätig. Das Haus Baureneck war ursprünglich von der Evangelischen Kirche als Pfarrhaus gebaut worden. Auf den Fundamenten des Rodensteiner Hofs aus dem 17. Jahrhundert. Noch heute ist die Treppe zum Vorplatz der Evangelischen Kirche sichtbar.

Das erste Pfarrhaus muss ein sehr einfaches Haus gewesen sein. Schon 1651 berichtete der damalige Pfarrer vom schlechten Zustand des Gebäudes. Nach vielen Reparaturen wurde es abgerissen und 1727 neu aufgebaut. Es diente als Pfarrhaus, bis es 1874 an Wilhelm Baur verkauft wurde. Der wollte ein Haus für seine Familie und als Altersruhesitz haben. In den Folgejahren war er oft zu Besuch in Lindenfels und schrieb seine Lebenserinnerungen auf. Er wurde Superintendent der Rheinprovinzen und starb 1897 in Koblenz.

Sein einziger Sohn Gustav zog in das Haus. Er hatte den Familiennamen seiner Mutter, einer geboren Baur de Betaz, angenommen. Er lebte im Baureneck mit Ehefrau Auguste und den Söhnen Carl und Wilhelm. Er gründete 1919 die Baur-de-Betaz-Stiftung, die er bis zu seinem Tod 1937 führte. Zur Stiftung gehörte der Evangelische Kindergarten und das Haus Bethesda. Der Stifter wusste, was die Mütter nach dem Ersten Weltkrieg brauchten: Einen Platz, wo ihre Kinder beaufsichtigt wurden, während sie auf dem Feld arbeiteten.

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Baur de Betaz stiftete den Kindergarten und das Haus Bethesda, heute das Haus der Vereine an der Wilhelm- Baur- Straße. Im Haus Bethesda oberhalb vom Kindergarten lebte Schwester Elisabeth. Eine evangelische Diakonisse, die als Gemeindeschwester in Lindenfels arbeitete. Sie versorgte Alte und Kranke. Vor dem Arztbesuch holte man sich sogar in den Sechzigerjahren noch den Rat von Schwester Elisabeth.

Im Jahr 1967 übernahm dann die Stadt Lindenfels die Stiftung mit allen Gebäuden. Bis zuletzt hatte Carla Baur de Betaz ein Wohnrecht auf Lebenszeit im Haus Baureneck. Sie war die Ehefrau von Wilhelm, dem Sohn von Gustav Baur de Betaz. Er starb am 26. Mai 1964 in Lindenfels.

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Ehefrau Carla, eine geborene von Kittlitz, starb im Jahr 1991. Nach ihrem Tod richtete die Stadt zunächst das Trauzimmer im Erdgeschoß vom Haus Baureneck ein. Und im ersten Obergeschoss zwei Ausstellungsräume und einen weiteren Raum für das Archiv der Familien Baur de Betaz, von Kittlitz und von Madai. Es wurde der Stadt von Diethelm Lütze aus Stuttgart übergeben.

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Im Rahmen des hessischen Förderprogramms „Einfache Stadterneuerung“ wurde das Nebengebäude, der sogenannte Mirow-Bau restauriert. Er beherbergt das Stadtarchiv und eine Wohnung. Heute auch das Altstadt-Café. Mirow-Bau, so heißt das Gebäude nach einer Verwandten der Familie aus Hamburg.

Erst im Jahr 2008 konnte das Haus Baureneck komplett mit Fördermitteln der Europäischen Union, des Landes Hessen, zweier Stiftungen und der Stadt saniert werden. Dies erfolgte mit dem Ziel, dem Deutschen Drachenmuseum ein Domizil zu verschaffen. Aber auch das Trauzimmer sowie das Familienarchiv Baur de Betaz und die Lindenfels- Ansichten aus dem Erbe von Wolfram Günther haben dort eine Heimat. „Den Garten hinter dem Haus haben wir als Verein nutzbar gemacht“, so Peter C. Woitge. Peter Elberts Modell des Hauses Baureneck mit Nebengebäude bezeichnete Woitge als eine wunderbare Ergänzung. Und es ist ein Geschenk zum zehnjährigen Bestehen des Drachenmuseums, das allerdings wegen der Coronakrise nicht gefeiert wird.

Peter C. Woitge sucht übrigens einen Verwalter für die Geschichte der Familie Baur de Betaz. Darin steckt viel deutsche und europäische Geschichte.

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