Nach Stromausfällen - Netzbetreiber investiert in die Infrastruktur rund um Lindenfels Drei Kilometer Stromkabel werden erneuert

Von 
Konrad Bülow
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Um die Stromausfälle rund um Lindenfels in den Griff zu bekommen, lässt der Betreiber des Leitungsnetzes, die E-Netz Südhessen, derzeit Kabel austauschen. © bjz

Lindenfels. Die wiederholten Stromausfälle der vergangenen Wochen in Stadtteilen von Lindenfels und Fürth ziehen umfangreiche Bauarbeiten mit halbseitigen Straßensperrungen nach sich: Wie der Energieversorger E-Netz Südhessen auf Nachfrage mitteilte, werden zur Behebung der Probleme gleich mehrere Kabelabschnitte erneuert.

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Seit dieser Woche liefen Arbeiten auf einer Länge von etwa 1600 Metern von der Kreisstraße 77 und der Laudenauer Straße in Winterkasten bis zur Freiheitsstraße in Laudenau. Auch ein 970 Meter langer Kabelabschnitt von der Nibelungenstraße 14 bis zum Kirschenweg 20 und in Richtung Carl-Orff-Schule werde ausgetauscht. Ebenfalls erneuert werde ein Abschnitt in Krumbach über etwa 360 Metern.

„Die Bauarbeiten dauern je nach Witterung voraussichtlich acht bis zehn Wochen“, kündigte ein Sprecher des Unternehmens an. Während dieser Zeit würden die Straßen abschnittsweise für einige Zeit halbseitig gesperrt und der Verkehr per Ampel geregelt. Die Stromversorgung müsse wegen der Arbeiten nicht unterbrochen werden.

Über 11 000 Kilometer Kabel

Gleich mehrfach sind in den ersten Wochen des Jahres die Lichter ausgegangen: Am Freitag, 8. Januar, in Krumbach, am Samstag darauf in Lindenfels, Winterkasten, Kolmbach und Glattbach, am Mittwoch darauf in denselben Stadtteilen und am darauffolgenden Freitag nochmals in Kolmbach.

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Wie der Sprecher der E-Netz erläuterte, besteht das Stromverteilnetz aus zwei Spannungsebenen: dem Mittelspannungsnetz mit 20 Kilovolt und dem Niederspannungsnetz mit einem Kilovolt. Insgesamt habe es eine Länge von rund 11 500 Kilometern. Die Mittelspannungsleitungen seien vergleichbar mit Kreis- und Hauptverkehrsstraßen, das Niederspannungsnetz mit Orts- und Anliegerstraßen.

„Die Gemeinden Lindenfels und Fürth liegen beide im Einspeisebereich der Umspannanlage Reichelsheim“, heißt es von der E-Netz. Dort werde der Strom aus dem überörtlichen Hochspannungsnetz, in dem er mit 110 Kilovolt fließt, auf 20 Kilovolt „heruntertransformiert“ und in das Mittelspannungsnetz eingespeist. Diese Leitungen seien ring- oder maschenförmig verlegt und versorgten in den Kommunen die Trafostationen, die den Strom in die Niederspannungsnetze weiterleiteten.

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Da die Trafostationen in der Regel aus zwei Richtungen an das Mittelspannungsnetz angeschlossen seien, könne die Versorgung zwar nach einem Stromausfall wiederhergestellt werden, indem der Bereitschaftsmonteur die fehlerhafte Kabelstrecke in zwei Trafostationen aus dem Netz nimmt, wie der E-Netz-Sprecher erläuterte. In größeren Schalthäusern und den Umspannanlagen im südhessischen würden diese Schaltungen aus der Leitwarte ferngesteuert durchgeführt. So würden durch Störungen – etwa Kabelfehler – entstandene Belastungen in den anderen Netzabschnitten gestoppt.

„Netz ist in einem guten Zustand“

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In den Leitungen des „gestressten“ Einspeisebereiches könnten jedoch Folgeschäden auftreten. „Die in Fürth und Lindenfels zwischen dem 8. und 15. Januar aufgetretenen Störungen können deshalb im Zusammenhang stehen, da sie im gleichen Einspeisebereich der Umspannanlage Reichelsheim stehen“, schreibt der Sprecher.

Trete an der 20-Kilovolt-Leitung ein Fehler auf, untersuchten Techniker den Abschnitt so schnell wie möglich mit einen Messwagen. Handele es sich nur um einen punktuellen Schaden, werde die Stelle aufgegraben und repariert. „Werden auf einem Kabelabschnitt mehrere Störungen lokalisiert oder sind dort wiederholt Einzelstellen schadhaft gewesen, wird der gesamte Kabelabschnitt erneuert“, erklärt der Sprecher der E-Netz – so, wie es jetzt in Lindenfels, Winterkasten und Krumbach geschieht.

Insgesamt sei das Netz in einem guten Zustand, versichert der Sprecher. Die Leitungen lägen fast vollständig unter der Erde und seien damit deutlich weniger anfällig als Freileitungen. Die statistisch erfassten und berechneten Stromausfallzeiten der Bundesnetzagentur belegten den „überdurchschnittlich guten Zustand“. Die Stromausfallzeit pro Kunde habe bei der E-Netz Südhessen im gesamten Netz im Jahr 2019 bei 6,95 Minuten gelegen. Bundesweit seien es 12,2 Minuten gewesen.

Kabel halten 50 Jahre

Die Leitungsnetze der E-Netz Südhessen würden rund um die Uhr von der Leitstelle in Darmstadt überwacht und gesteuert. Störungen in Abschnitten des Mittelspannungsnetzes könnten dort zentral von den Technikern identifiziert werden. Die Betriebsmittel – Kabel, Schaltanlagen, Transformatoren – der Leitungsnetze würden regelmäßig gewartet und erneuert. „Heutzutage geht man etwa davon aus, dass Mittelspannungskabel mindestens 50 Jahre voll funktionstüchtig sind. Frühere Kabelgenerationen haben ebenfalls eine Lebensdauer von 30 bis 50 Jahren.“ Trotzdem könnten einzelne Kabelstrecken bei erhöhter Beanspruchung – auch durch Störungen in anderen Abschnitten des Einspeisebereiches, durch Bauarbeiten oder auch Produktionsfehler – vorzeitig in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt sein.

Für die kommenden Monate plant die E-Netz noch zwei weitere Leitungserneuerungen: zum einen in Lindenfels vom Kamsbachweg 14a zum Bauhof auf 360 Metern Länge. Zum anderen auf 400 Metern von der Industriestraße 2 in Fürth bis zum Campingplatz Hörr und der Straße Im Glasloch.

Redaktion Redakteur für das Ressort Lautertal/Lindenfels, Autor im Ressort Region. Bei Bedarf Unterstützer im Lokalsport