Natur - Das Breitblättrige Knabenkraut ist die Orchidee des Jahres / Die Pflanze wächst auf feuchten Wiesen rund um Lautertal und Lindenfels Die purpurnen Blüten sind weithin sichtbar

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jhs
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Lindenfels. Auf den feuchten Wiesen rund um Lindenfels und auch im benachbarten Lautertal wird es im Mai für Menschen, die sich für die Pflanzen in der Natur interessieren interessant. Sind die Bedingungen optimal, beginnt nun das Breitblättrige Knabenkraut zu blühen. Diese Orchidee hat in diesem Jahr einen besonderen Status, denn sie wurde von den Vorständen der Arbeitskreise Heimische Orchideen (AHO) zur Orchidee des Jahres 2020 gewählt.

Die Vorstände der Arbeitskreise Heimische Orchideen haben das Breitblättrige Knabenkraut zur Orchidee des Jahres gewählt. Es wächst unter anderem auf feuchten Wiesen rund um Lindenfels. © Haas
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„Alljährlich treffen sich die Vertreter der Arbeitskreise aus den Bundesländern im thüringischen Arnstadt zum Erfahrungsaustausch“, berichtet die Vorsitzende des Arbeitskreises Heimische Orchidee in Hessen Jutta Haas. Dabei wird alljährlich eine Orchidee besonders hervorgehoben, um mit ihr in der Öffentlichkeit für den Schutz dieser Orchidee und ihrer Lebensräume aufmerksam zu machen.

Ankunft mit der Apfelblüte

Für das Jahr 2020 setzen die Initiatoren das Augenmerk auf eine Orchidee, die besonders vom Klimawandel betroffen ist. Schon bei den ersten Besuchen der bekannten Wiesen in dieser Gegend fällt die Trockenheit auf. Fünf Wochen ohne Regen verhindern nicht nur das Wachstum des Grases, sondern auch des Breitblättrigen Knabenkrautes. Wenn die Orchidee dann zur Blüte kommt sind die leuchtend roten Blüten des Breitblättrigen Knabenkrautes auch aus größerer Distanz im normalerweise hochgewachsenen Gras leicht erkennbar.

Aus Beobachtungen vergangener Jahre wissen die Fachleute, dass hier im Odenwald zeitgleich mit der Apfelblüte auch das Breitblättrige Knabenkraut zu blühen beginnt. Je nach Höhenlage kann sie insbesondere in den Regionen der Alpen bis in den Juli blühend vorgefunden werden. Die hell- bis dunkelpurpur gefärbten Einzelblüten ergeben bei der ausgewachsenen Pflanze einen walzenförmigen Blütenstand. Dieser sitzt auf einem dicken oberseits kantigen Stängel.

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Markant sind die Blätter der Orchidee. Die drei bis vier länglich-eiförmigen Blätter am unteren Stiel der kräftigen Pflanze sind der Oberfläche meistens gefleckt und somit für den interessierten Beobachter leicht erkennbar. Sie sind auch namensgebend für das Breitblättrige Knabenkraut.

Bedrohte Art

Wichtig für die Orchidee sind feuchte Lebensräume, neben den Wiesen und Weiden gehören dazu auch Gewässerufer, die Dünentäler der Küsteninseln oder Sekundärstandorte wie ehemalige Ausgrabungen und Steinbrüche. Besonders die letzten niederschlagsarmen Jahre, die ja als eine Folge des Klimawandels diskutiert werden, sorgten für eine Austrocknung von vielen Gebieten. „Setzen sich die bislang beobachteten Rückgänge des Breitblättrigen Knabenkrautes auf den vermehrt im Frühjahr trockengefallenen Flächen fort, kann diese Art nicht überleben“, beschreiben die Arbeitskreise Heimische Orchideen Deutschlands in ihrem herausgegebenen Flyer die Situation.

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Neben dieser Problematik sind andere Gefährdungen der Art, wie Überweidung oder die nicht durchgeführte Pflege dieser Lebensräume zu nennen. Hier gilt den Vorkommen in noch vorhandenen feuchten Flächen eine große Aufmerksamkeit zu schenken und dort gezielte Pflegemaßnahmen und extensive Beweidungen durchzuführen.

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Jutta Haas kennt rund Lindenfels einige Flächen, die dank der guten Zusammenarbeit mit den Landwirten in einem optimal gepflegten Zustand sind. Für einige Flächen wünscht sie sich Veränderungen, um hier die Lebensgrundlage für die seltene Art zu verbessern. jhs