Corona-Pandemie - In Lindenfels läuft die zweite Vergabe der Impfstoffe Die Lebensburg ist jetzt gut geschützt

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Gisela Grünwald
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So sehen die Spritzen mit dem Impfstoff Comirnaty aus. © gg

Lindenfels. Bewohner und Pflegekräfte vom Pflegeheim Lebensburg erhielten ihre zweite Impfung gegen das Coronavirus. „Heute ist hier ja was los“, scherzte eine Dame, als das mobile Impfteam des Kreises Bergstraße vorfuhr. Das Team ist mit einem Rettungswagen vom Malteser Hilfsdienst und einem Notarztwagen unterwegs.

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Im Rettungswagen bereiten zwei Pharmazeutisch-technische Assistentinnen die Impfdosen vor. Der Corona-Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer wird zunächst mit einer Kochsalzlösung verdünnt und dann in einer Spritze aufgezogen.

Im Rettungswagen ist ein Metalltisch, der gut desinfiziert werden kann, da alles keimfrei sein muss. Ein Assistent bringt die fertigen Spritzen in das Seniorenheim Lebensburg. In zwei Räumen neben dem Eingang übernimmt Dr. Peter Heller die Impfungen.

Heller ist ein großer Mann, dem man auf Anhieb vertraut. Seit 42 Jahren hat er eine Arztpraxis im Fischbachtal. „Impfen gehört zu meinem Berufsalltag.“ Er findet, jeder der in einem Seniorenheim arbeitet, und auch alle Bewohner sollten geimpft werden.

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Der Impfstoff mit dem Namen Comirnaty ist gut verträglich, bisher sind dem Arzt keine Nebenwirkungen bekannt. Dr. Heller gehörte von der ersten Minute an zum mobilen Impfteam des Kreises Bergstraße. Morgens hat er schon in einem Heim in Lorsch zum zweiten Mal geimpft.

Der Kreis Bergstraße ist groß. So haben er und seine Mitarbeiter viel zu tun. Seit dem 27. Dezember haben sie schon mehrere Pflegeeinrichtungen in der Region besucht, um dort Impfungen vorzunehmen. Dr. Peter Heller freut sich, dass im Pflegeheim Lebensburg ausnahmslos jeder geimpft wurde.

Keine Komplikationen

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Im Flur stehen die Stühle nebeneinander aufgereiht wie im Wartezimmer beim Arzt. Der Flur ist hell und freundlich wie das ganze Haus. Die 20 Bewohner sitzen nebeneinander und unterhalten sich. Dann werden sie namentlich aufgerufen und in das Zimmer des Arztes gebracht. Der Besuch wird dokumentiert, und nach einem kurzen Gespräch gibt es den Piks in den Arm.

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„Ich finde, diese Schutzimpfung ist besser, als an Covid-19 zu erkranken und zu sterben“, sagt ein Bewohner. Nach dem Impfen wird er noch eine Weile beobachtet, doch es geht ihm gut. „Sie können jetzt zurück auf ihr Zimmer gehen“ sagt Dr. Heller.

Nebenan wird das Personal geimpft. Die 61-jährige Andrea Hajostek kennt das Prozedere. ?Ich habe die Covid-19-Impfung schon beim ersten Mal gut vertragen“, so die Heimleiterin. Sie hatte keinerlei Impfreaktionen, weder Schmerzen an der Einstichstelle im Arm, noch Kopfschmerzen, wie es viele jüngere Krankenschwestern berichten.

Die Lebensburg ist das Lebenswerk von Andrea Hajostek und ihrer Familie. Sie arbeitete 20 Jahre in Einrichtungen in Frankfurt am Main. Als ihr Vater krank und pflegebedürftig wurde, kehrte sie in den Odenwald zurück. Andrea Hajostek stammt ursprünglich aus Lauten-Weschnitz.

Nach ihrer Rückkehr gründete sie dort einen ambulanten Pflegedienst. Dabei stellte sie fest: „Es gibt hier kein Heim für Menschen mit Demenz, für sie ist die Lebensburg gedacht. „Lebensburg“ steht dabei für „Leben unter der Burg“. Vor 13 Jahren kaufte Andrea Hajostek das Haus in der Kappstraße. Sie baute es um zu einem Heim für Menschen mit Demenz, Alzheimer und Altersdemenz.

Samstags ein Spaziergang

Ein Fahrstuhl verbindet die drei Etagen. Den Bewohner steht ein Garten zur Verfügung. „Bei uns bleiben die Senioren nicht auf ihrem Zimmer, sondern sind aktiv“, sagt Andrea Hajostek. Immer gebe es was zu tun. Morgens wird aus der Zeitung berichtet. Anschließend sprechen die Bewohner über die Nachrichten. Regelmäßig wird eine Gymnastikstunde angeboten, außerdem Basteln, Malen und kreatives Gestalten. Dazu gibt es einmal die Woche eine Stunde Erinnerungsarbeit: Mit Fotos oder Liedern versuchen die Pfleger, das Gedächtnis der Senioren zu erhalten.

Spaziergänge stehen samstags auf dem Programm. Bei schlechtem Wetter gibt es eine mentale Wanderung. „Wenn es möglich ist, dürfen die Senioren mithelfen beim Kochen“, so die Heimleiterin. Für den Eintopf das Gemüse klein schneiden oder das Obst für den nächsten Kuchen.

Neue Leitung ab Montag

Stolz sind die Heimleiterin und ihr Mann auf die Terrasse hinter dem Haus. „Dort steht unser Bushäuschen mit Haltestelle und Tisch für Getränke.“ Denn manche der dementen Bewohner wollen weg. Sie warten an der Bushaltestelle im Garten geduldig ab und können von hier wieder ins Heim gebracht werden.

Andrea Hajostek arbeitet nach der Devise: so wenig Medikamente zum Ruhigstellen wie möglich. Deshalb beschäftigt sie die Bewohner den ganzen Tag, dann schlafen sie in der Nacht besser. Das Alter der Lebensburg-Einwohner liegt zwischen 75 und 99 Jahren.

Hygiene wird in dem Pflegeheim großgeschrieben: Am Eingang muss sich jeder die Hände desinfizieren. Es folgt ein Corona-Schnelltest durch den Heimleiter. Erst dann und mit einer FFP2-Maske vor Mund und Nase dürfen die Besucher ins Haus. Der Besucherraum hat einen separaten Eingang und eine Plexiglasscheibe, die Bewohner und Besucher trennt.

Am Montag, 1. Februar, geht Andrea Hajostek in den Ruhestand. Ihr Nachfolger ist der 48 Jahre alte Frank Hartmann aus Seidenbuch. Er hat wie Hajostek viele Jahre in Frankfurt und Offenbach in Heimen gearbeitet. Mit seiner Frau, die im Büro arbeiten wird, übernimmt er die Pflegeeinrichtung und wird sie weiterführen. „Mich hat das moderne Konzept der Arbeit im Pflegeheim Lebensburg überzeugt“, sagt Hartmann.

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