Forstwirtschaft - Die Wälder litten schon vor der Corona-Krise unter dem Borkenkäfer und der Trockenheit Die Krise setzt dem Holzpreis zu

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mk
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Lautertal/Lindenfels. Die Corona-Krise und der damit befürchtete Wirtschaftseinbruch treffen auch die heimische Forstwirtschaft, wie Forstdirektor Ralf Schepp, der Leiter des Forstamts Lampertheim bestätigt. Schepp ist mit seinem Team zuständig für zehn Revierförstereien von Lindenfels über das Weschnitztal bis nach Bürstadt, für den Staatswald und auch für die Beförsterung von Flächen von Privatwaldbesitzern.

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Jahr für Jahr erläutern er und der Lindenfelser Revierförster Dirk Dins unter anderem der Lautertaler Gemeindevertretung und der Lindenfelser Stadtverordnetenversammlung bei der Vorlage des Waldwirtschaftsplans Entwicklung und Zustandsbericht des gemeindlichen Waldes.

Bereits ohne Corona-Krise wurde dabei für das laufende Jahr durchweg für alle Gemeinden ein negativer Saldo aus dem Erlös des Forstbetriebes prognostiziert, bestenfalls eine rote Null.

Die sehr heißen Sommer 2018/2019 sorgten gerade beim Nadelholz für einen wieder verstärkten Borkenkäferbefall. Es musste viel Holz eingeschlagen werden, der Markt war überversorgt, die Preise sind eingebrochen. Die Strategie für die heimischen Reviere lautete daher, sich auf den Einschlag befallener Flächen zu beschränken.

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Das ist unter anderem auf der Hochfläche oberhalb von Leberbach und Weschnitz geschehen. Die Forstwirte waren dort im Staatswald tagelang am Werk. Stapelweise ist – auf den ersten Blick bestes – Schnittholz am Wegesrand gelagert worden. Ganze Flächen von bis zu 100 Jahre alten Fichtenbeständen sind kahl geschlagen. Damit sollen gesunde Baumbestände vor Borkenkäferbefall geschützt werden.

Preise sind eingebrochen

Gerade die alten Fichtenbestände waren auf Fürther Gemarkung eine „Schatzkiste“ für Gemeinde und Land Hessen. Die Preise dafür sind allerdings zusammengebrochen. Für den Festmeter Stammholz aus Frischholzbestand werden anstatt 95 nur noch 55 Euro bezahlt. Die nächstunteren Stufen sind Standard-Bauholz, Holz für Verschalungen, Paletten, Verpackungsholz und Kisten. Für diese Stufe gibt es 25 bis 30 Euro pro Festmeter.

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Noch geringwertiger ist das Industrieholz für Spanplatten, Hackschnitzel aber auch für Zellstoff zur Produktion von Toilettenpapier. Hier werden zehn bis zwölf Euro gezahlt, dafür wird die Nachfrage vermutlich nicht knapp.

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Gerade wenn die internationale Wirtschaft in absehbarer Zeit nicht läuft, wird es für die heimische Forstwirtschaft schwer. Die Schnittholz-Produktion geht vornehmlich nach Frankreich, in die Benelux-Länder, nach Spanien und Großbritannien. Hier sei die Nachfrage eingebrochen, so Schepp. „Die Preise sind schon jetzt stark zurückgegangen.“ Außerdem werden alle Waren in Holzkisten verpackt, die in den Überseetransport gehen. Auch hier sei ein Einbruch zu verzeichnen. Die Sägewerke sind jetzt schon überversorgt, so der Forstdirektor weiter. Das Forstamt befürchtet Kurzarbeit oder gar die Einstellung der Produktion in diesem wichtigen Wirtschaftszweig ab Mai.

Alte Sorgen

Darüber hinaus haben Forstleute und Waldbesitzer noch immer Sorgen wegen der Altlasten, der Sturmschäden, der heißen, trockenen Sommer und des damit einhergehenden Borkenkäferbefalls. Im früher rauen und kühlen Klima auf den Gipfellagen des vorderen Odenwaldes konnte die Fichte gut gedeihen. Sie ist bei wenig Niederschlag und hohen Temperaturen besonders anfällig für den Käferbefall.

Die guten Niederschläge im Januar und Februar machten Hoffnung, die Wasserspeicher bis zu einer Tiefe von 30 Zentimetern wurden wieder aufgefüllt – „gut für die Naturverjüngung“, wie Schepp sagt. Zur Regeneration alter Bäume, die ihr Wasser in bis zu zwei Metern Tiefe ziehen, reicht das aber noch nicht.

Die Natur soll es richten

Schon seit Jahren setzen die Forstleute auf Umbau. Sie ersetzen die Fichte durch Douglasie und Weißtanne, was die Nadelhölzer betrifft und werten den Bestand durch Qualitäts-Laubholz wie Bergahorn oder Kirsche auf. Den Rest überlassen sie am liebsten der Naturverjüngung. Nur bei Bedarf greifen sie korrigierend ein. So stellt sich hier auch nicht das Problem des Personalmangels bei der Wiederaufforstung, wie bei den nach den Schäden zwangsweise leergeräumten riesigen Flächen in Mittel- und Nordhessen.

Dem Forstamt angeschlossene Gemeinden – darunter Rimbach, Fürth und Bensheim – beschäftigen eigene Forstwirte, der Staatswald ebenso. Außerdem wird mit regionalen Unternehmen mit bis zu 15 Mitarbeitern zusammengearbeitet. Eines ist allen gemein: Die Arbeit mit dem Wald ist nachhaltig und geht über Generationen hinweg. Geerntet werden kann erst nach Jahrzehnten. mk