Fürth - Engagierte Jugendliche schaffen Angebote und Raum für Kinder und Gleichaltrige / Durch die Pandemie musste einiges ausfallen Die katholische Jugend hofft auf den Sommer

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jr
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Fürth. Bei der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) in Fürth ist es im vergangenen Jahr so ruhig wie selten zuvor seit Bestehen des Kinder- und Jugendvereins. Buben- und Mädchen-Zeltlager – abgesagt. Irischer Abend – abgesagt. Prunksitzung – abgesagt. Auch die wöchentlichen Gruppenstunden der Jungen und Mädchen konnten nur mit Unterbrechungen und unter Einhaltung von Auflagen abgehalten werden.

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Die Corona-Pandemie nahm der KjG nahezu alle Aufgaben und Termine – und somit der Jugend viele schöne gemeinsame Augenblicke. Doch statt Trübsal und Verzweiflung spürt man bei den Leitern vor allem Verständnis für den Ernst der Lage und die Maßnahmen, die deshalb ergriffen werden müssen.

Dazu zählte zum Beispiel, die großen Buben- und Mädchen-Zeltlager im Sommer auszusetzen, die in der Regel jedes Jahr insgesamt rund 140 Teilnehmer haben. „Es gab wohl KjG-Gruppen aus anderen Pfarreien, die es mit strengem Hygienekonzept gewagt haben, aber uns war das zu heikel“, sagte Pfarrjugendleiterin Patricia Jäger.

Ein offener Treffpunkt

Außer den großen Zeltlagern im Sommer sind es die wöchentlichen Gruppenstunden, in denen Kinder und Jugendliche, aufgeteilt nach Jungen und Mädchen, in unterschiedlichen Altersstufen zusammenkommen, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Hier widmen sie sich altersgerechten Unternehmungen und finden Zeit, um sich fernab der Schule auszutauschen.

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Weitere Termine im Kalender der KjG sind außer der regelmäßigen Altpapiersammlung die Prunksitzungen in der Fastnachtszeit und der Irische Abend im Spätherbst – Feste, die mit viel Herzblut und vereinten Kräften ganz in Eigenregie gestemmt werden und schon über Generationen hinweg Bestandteil des kulturellen Angebots in Fürth sind.

Johann Hendler neuer Leiter

Da es in Fürth keinen Jugendtreff gibt, ist die KjG – außer den Sportvereinen – seit Jahren eine wichtige Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche in der Weschnitztalgemeinde. Religion steht – anders als man vielleicht vermuten würde – dabei nicht im Vordergrund, dennoch werden wichtige Werte vermittelt. Offen ist man bei der KjG für jedermann: „Bei uns ist jeder willkommen, ganz egal, welcher Konfession oder Religion er angehört oder wo er herkommt“, betont Lars Richter, der ehemalige Pfarrjugendleiter.

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Auch die obligatorische Mitgliederversammlung, bei der das Jahr resümiert und auf kommende Veranstaltungen geblickt wird und bei der wichtige Posten neu vergeben werden, fiel aufgrund des Lockdowns aus. Getan hat sich dennoch etwas: Pfarrjugendleiter Lars Richter gab nach vier Jahren seine Verantwortung in die Hände von Johann Hendler.

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Der 18-jährige Abiturient tritt damit in die Fußstapfen eines Erfahrenen, denn Richter war vor seiner vierjährigen Amtszeit zwei Jahre Rechner der KjG und ist insgesamt schon seit 16 Jahren dabei. Mit acht Jahren fuhr er das erste Mal beim KjG-Bubenzeltlager mit und war fasziniert. Seine Motivation, weshalb er sich auch nach seiner Zeltlager- und Gruppenstunden-Zeit engagieren wollte, beschreibt er so: „Ich wollte den Jugendlichen das ermöglichen, was ich hier in der Gemeinschaft erleben durfte.“ Außerdem lerne man sehr viel für sein Leben.

Das betont auch Patricia Jäger, die weiter als Pfarrjugendleiterin tätig sein wird: „Man lernt zu delegieren, sich in Situationen zu behaupten, und du sammelst Erfahrung darin, für etwas Verantwortung zu übernehmen und der Ansprechpartner für andere zu sein.“ Der Spaß in der Gemeinschaft stehe bei all der Arbeit aber immer an erster Stelle.

„Man sollte so ein Amt nicht bloß ausüben, weil es sich gut im Lebenslauf macht. Das funktioniert früher oder später meist nicht gut“, weiß Richter. Wer sich bei der KjG engagiert, der macht es mit Herzblut und dem nötigen Pflichtbewusstsein. Das will nun auch Johann Hendler beweisen, der sich auf seine Aufgabe freut.

Dass Hendler engagiert und teamfähig ist, hat er bereits unter anderem beim SV Fürth gezeigt, wo er Fußball spielt und als Trainer mit C-Lizenz die U 15 trainiert. Wie Richter ist auch er Teil der KjG, seit er als kleiner Junge erstmals ins Zeltlager fuhr. Von Angst vor der Herausforderung ist bei ihm nichts zu spüren: „Die Vorfreude überwiegt definitiv. Außerdem hat mich Lars nun das vergangene Jahr über sehr gut vorbereitet und schon mit einbezogen. Hier sind außerdem viele tolle Leute, mit denen man gerne zusammenarbeitet.“

Ein Vorteil der KjG Fürth ist sicher die gute Struktur. Es gibt für viele Bereiche eigene leitende Verantwortliche und außerdem – so ist es bei Diözesanverbänden Vorschrift – sind alle Positionen sowohl männlich als auch weiblich besetzt. Patricia Jäger, die vier Jahre lang stellvertretende Pfarrjugendleiterin war und seit zwei Jahren erste Leiterin ist, wird ihr Amt weiter ausüben und so als erfahrene KjGlerin an Hendlers Seite stehen.

Richter, der nach seinem Bachelor in Architektur ein duales Studium in Immobilienwirtschaft absolviert und in Karlsruhe arbeitet, möchte sich nun zurücknehmen, um sich mehr auf seinen beruflichen Werdegang konzentrieren zu können. „Ich bin natürlich trotzdem nicht aus der Welt und werde Johann gerne mit Ratschlägen helfen, wann immer es nötig sein sollte.“

Der Blick nach vorne

Was alles entstehen kann, wenn die Jungs und Mädels der KjG zusammen anpacken, konnte man im vergangenen Sommer sehen: Innerhalb kürzester Zeit wurde das corona-freundliche Konzept für ein Open-Air-Kino in den Steinbachwiesen in Zusammenarbeit mit dem Modernen Theater in Weinheim realisiert, das im großen Anklang in der Gemeinde fand. Eine Sache, die definitiv in den Veranstaltungskalender der KjG übernommen wird und die es wieder geben wird.

Wie es mit den anderen Veranstaltungen aussieht, ist noch nicht sicher. „Wir sind vorbereitet darauf, dass wir das Zeltlager im Sommer durchführen können. Ob und in welcher Art es möglich sein wird, muss man abwarten“, sagte Patricia Jäger. Doch bislang zeigen sich die Pfarrjugendleiter vorsichtig optimistisch und schauen gespannt ins neue Jahr. jr