Rundgang - Förster Jens-Uwe Eder erläuterte die Auswirkungen der fehlenden Niederschläge auf die Bäume – und die geplanten Gegenmaßnahmen Der Wald soll sich selbst heilen

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mk
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Lindenfels/Fürth. Bundesagrarministerin Julia Klöckner und die Länder stellen bis zu 800 Millionen Euro als Hilfe für die Rettung des Waldes in Aussicht. Fürths Revierförster Jens-Uwe Eder präsentierte bei einer Geopark-vor-Ort-Wanderung die Schädigungen des heimischen Waldes rund um den Erzberg im Detail und erläuterte die vom Forstamt und von den Kommunen ins Auge gefassten Gegenmaßnahmen.

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Unbestritten ist, dass der Wald unter dem extrem trockenen und heißen Sommer von 2018 und auch den geringen Niederschlägen in diesem Jahr leidet. Hinzu kommen die Einflüsse der vorangegangenen Jahre wie Sturmschäden und Borkenkäferbefall, die ebenfalls noch nicht überwunden sind. Eder: „Es gibt keine gesunden Altbäume mehr. Aber das ist keine neue Erkenntnis.“

Pilze greifen die Bäume an

Üblicherweise bildeten die Bäume Abwehrmechanismen aus – auch die im Odenwald bevorzugt auftretende Buche. Aber diese reichten nicht mehr aus: „Pilze, Primärschädlinge, Parasiten greifen nun die geschwächten Bäume an und töten sie.“ An der Fichte ist der Borkenkäferbefall seit Jahren ein bekanntes Problem. Die Erkrankung auch der Buche „kannten wir bisher nur aus der Literatur. Jetzt steht zu befürchten, dass es zur Massenvermehrung des Buchenborkenkäfers kommen und fürchterliche Ausmaße annehmen kann“, sagte Förster Eder.

Bereits jetzt sind am Erzberg durchweg auf großen Flächen vom Käfer angebohrte Fichten abgestorben. In diesem Zusammenhang bat Jens-Uwe Eder um Verständnis für die schwierige Lage der Waldbesitzer und machte eine einfache Rechnung auf: Durch den Wassermangel und seine Folgen sterben die Bäume auf großer Fläche europaweit gleichzeitig ab. Folge: Der Markt bricht ein.

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Der Preis für Buche sei von 94 Euro pro Festmeter auf 25 Euro gefallen. Für die Aufarbeitung eines Festmeters Schadholz müsse der Waldbesitzer aber rund 40 Euro aufbringen. Unter dem Strich lege er also drauf. Oft fänden sich keine Firmen zur Aufarbeitung, weil andernorts die Situation noch dringlicher erscheine.

Im Forstamt Lampertheim gelte der Grundsatz, „alle Schadflächen schwerpunktmäßig zu bekämpfen und aufzuarbeiten“, sagte Jens-Uwe Eder. Ein solcher Schwerpunkt liege gegenwärtig im Zentwald zwischen Weschnitz und Hiltersklingen, wo die Nadelholzbestände das größte Gefahrenpotenzial hätten.

Keine Neubepflanzung geplant

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Danach sollten die befallenen Bäume im Vorderwald auf den kristallinen Böden aufgearbeitet werden. Das Forstamt verzichte dabei zunächst auf eine Neubepflanzung und baue auf die Naturverjüngung mit ihrem widerstandsfähigen Genpool: „Die auflaufende Naturverjüngung wird dann nur noch mit dort nicht vorkommenden, standorttauglichen Baumarten ergänzt“, sagte Eder. Privatwaldbesitzer benötigten aber dringend Unterstützung für die Ernte der geschädigten Hölzer, um ihren Wald wieder aufzuforsten.

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Der Förster gab zu bedenken, dass der Bedarf an Holz in Deutschland jährlich bei rund 120 Millionen Festmetern liege. Nur etwa 75 Millionen Festmeter würden dabei aber aus den eigenen Wäldern erwirtschaftet. Der Rest werde aus der Vegetationszone auf der nördlichen Erdhalbkugel (Russland / Kanada) und den Tropenwäldern Borneos, Südamerikas oder Afrikas hinzugekauft. Das sei zu überdenken und könne auch angesichts der Klimaschutz-Debatte nicht länger sinnvoll sein. mk