Gewerbeverein - Vorsitzender Bernd Schmitt blickt auf ein von Absagen geprägtes Jahr zurück Der Fürther Markt wird wohl auch dieses Jahr ausfallen

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arn
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Fürth. Der Fürther Gewerbeverein hat seine Glückssternaktion verlängert. Traditionell endet diese an Heiligabend, und die Preise werden dann „zwischen den Jahren“ ausgelost. Für diesmal hat der Vorstand entschieden, nach dem Ende des Lockdowns weiter Glückssternlose in den Geschäften anzubieten – um zumindest die zwei Wochen nachzuholen, die durch die Schließungen im Advent verlorengegangen sind.

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Wann genau die Glückssterne – in Form von Einkaufsgutscheinen – dann auf die Gewinner verteilt werden, steht noch nicht fest. „Das hängt davon ab, wann der Einzelhandel tatsächlich wieder öffnen kann.“, sagt Bernd Schmitt.

Der Vorsitzende des Fürther Gewerbevereins blickt auf ein Jahr zurück, das auch für die Gewerbetreibenden in Fürth – und speziell für die Einzelhändler unter ihnen – mit vielen Fragezeichen bestückt war und auch mit nicht wenigen davon endete. Für den Gewerbeverein bedeutete die Corona-Pandemie auch den Verzicht auf Veranstaltungen mit einer großen Öffentlichkeitswirkung und entsprechendem Werbeeffekt.

„Davon haben wir im Januar noch nichts geahnt“, blickt Schmitt auf Anfang 2020 zurück. Zu Jahresbeginn war die größte Sorge des Gewerbevereins noch, dass die Sanierung der Bundesstraße 38 und die damit verbundenen Sperrungen den Fürther Markt im Mai tangieren könnten.

Keine halben Sachen

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Dieser musste dann aus ganz anderen Gründen ausfallen, ebenso wie die Fürther Nacht und der Johannismarkt. Letzterer ist zwar keine Veranstaltung des Gewerbevereins, wird von diesem aber unterstützt – finanziell und durch ein Aktionsprogramm beim verkaufsoffenen Sonntag nach dem Festzug.

In der zweiten Jahreshälfte sagte der Verein dann auch den Michaelismarkt und den Martinsmarkt ab. „In dieser Zeit sind anderswo solche Veranstaltungen mit einem Hygienekonzept durchgeführt worden. Aber wir hätten beispielsweise den Zugang überwachen müssen und das führt meines Erachtens das Konzept solcher Märkte ad absurdum“, sagt Schmitt.

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Überhaupt ist er kein Freund von halben Sachen: Ein Fürther Markt mit „angezogener Handbremse“ ist für Schmitt keine Alternative: „Entweder richtig oder gar nicht – alles andere wäre auch nicht im Sinne der Leute.“ Was bedeutet, dass es den Fürther Markt auch in diesem Jahr wohl nicht gibt. „Das erste Halbjahr werden wir noch hart auf der Bremse stehen“, prognostiziert Schmitt. Damit wäre auch die Fürther Nacht infrage gestellt. Der Markt als großes Schaufenster von Handel und Gewerbe, die Nacht als Chance, den Kunden und Menschen aus der Region Danke für ihre Treue zu sagen.

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Um über andere Möglichkeiten nachzudenken, haben sich die Vorstände der Gewerbevereine aus dem Weschnitztal und dem Überwald kurzgeschlossen, berichtet Schmitt. In Bezug auf eine mögliche gemeinsame Aktion ist er aber skeptisch: „Das fängt schon an, kompliziert zu werden, wenn gemeinsam ein Datum dafür gefunden werden muss.“

Vorstellen kann sich Schmitt bei einem abgeschwächten Lockdown allenfalls verkaufsoffene Sonntage, die ausnahmsweise ohne Anlass und Rahmenprogramm erlaubt werden könnten. „Es sollte aber auch dann bei maximal vier im Jahr bleiben“, fügt er an. Pessimismus will Schmitt aber nicht verbreiten: Die Kunden, das weiß er aus den Gesprächen mit den Mitgliedern, sind der Fürther Geschäftswelt auch in Pandemiezeiten treu geblieben. „Regionale Anbieter haben aus meiner Wahrnehmung heraus sogar eine Aufwertung erfahren. Ich mache das an dem Gemüseladen bei uns auf dem Firmengelände fest“, sagt er.

Profitiert der Einzelhandel?

Jetzt hoffen Schmitt und alle Gewerbetreibenden, dass der Trend zum „Heimatshoppen“ – wie eine von der IHK gestartete Initiative betitelt ist – nach der Pandemie anhält und sich vielleicht sogar noch verstärkt. Denn dass es auch die finanziellen Hilfen von Bund und Land sind, die das Überleben mancher Geschäfte möglich machen, weiß er nur zu gut. Auf längere Zeit wird dieser Mechanismus nicht greifen können.

Schmitts Hoffnung ruht auch auf der Tatsache, dass das Virus die Menschen dazu gebracht hat, einiges zu hinterfragen: „Es ist nicht alles Freude und Party im Leben. Muss ich wirklich für 19,95 Euro nach Malle fliegen oder eine schnelle Shoppingtour nach Mailand mitmachen? Ich glaube, die Menschen gehen etwas geerdeter aus dieser Zeit raus.“ Das Bewusstsein für die Bedeutung des lokalen Einzelhandels könnte dabei gewachsen sein.

Aktuell hat Bernd Schmitt aber eine ganz andere Bitte an seine Mitmenschen: „Wir sollten die Möglichkeit der Impfung nutzen und uns nicht von Verschwörungsmythen verunsichern lassen.“ Dann sei es möglich, eine „Herdenimmunität“ zu erreichen, und dann könne sich der Gewerbeverein wieder mit einem großen Fürther Markt und einer spektakulären Fürther Nacht bei den Menschen für ihre Treue und ihre Unterstützung bedanken. arn