Corona-Epidemie - Lindenfelser Gesangvereine planen den Wiedereinstieg in die wöchentlichen Treffen Chöre wollen sich zu Proben treffen

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Lindenfels. Die Lindenfelser Chöre haben eine Nachricht aus dem Rathaus bekommen, die unterschiedliche Reaktionen auslöste. Verkehrsamtsleiter Klaus Johe informierte, dass unter Hygieneauflagen Chorproben in den Dorfgemeinschaftshäusern wieder zulässig seien. Während es die einen kaum erwarten können, die Pause zu beenden, sind die anderen eher zurückhaltend.

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Als erster Chor wird wohl die Schlierbacher Sängerlust heute (Mittwoch) wieder proben. Vorsitzender Hans-Dieter Seyfert war im Dorfgemeinschaftshaus mit dem Zollstock unterwegs und hat ausgerechnet, dass 36 Sitzplätze zur Verfügung stehen – mehr als der Chor Sänger hat. Er hat seine Sangesbrüder zur Disziplin ermahnt und will versuchen, mit Mundschutz singen zu lassen – eine Maßnahme, die über die Auflagen hinaus geht und auch schwierig umzusetzen sein dürfte.

Die „Hutbuben“ vom Liederkranz Winterkasten lassen sich etwas mehr Zeit, weil der angestammte Proben-Donnerstag diese Woche mit Christi Himmelfahrt zusammenfällt. Am 28. Mai wollen sich die Sänger aber wieder treffen. Möglich wird das durch die Unterstützung von Pfarrer Sebastian Hesselmann und der evangelischen Kirchengemeinde, die den Gottesdienstraum in der Waldhufenkirche zur Verfügung stellt. Auch dort passen wie in Schlierbach 36 Stühle hin. Die Sitzgelegenheiten müssen ohnehin neu angeordnet werden, weil auch beim Gottesdienst Abstandsregeln gelten.

Der Winterkäster Chor zählt 37 Sänger. „In der Singstunde sind allerdings auch unter normalen Umständen selten mehr als 30“, sagt Vorsitzender Philipp Kriegbaum. Der Raum in der Alten Schule, wo der Chor sonst probt, wäre unter Corona-Bedingungen deutlich zu klein: Bei 13 Plätzen wären allenfalls Proben einzelner Stimmen möglich.

Sorge um die „älteren Herren“

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Der Männerchor aus Schlierbach ist mit einem Durchschnittsalter von 49 Jahren der mit Abstand jüngste im Stadtgebiet, gefolgt vom Liederkranz Winterkasten mit im Schnitt 61 Jahre alten Sängern. „Mann über 60“ – diese Risikogruppe ist in beiden Chören vertreten, wenn auch in Schlierbach die „älteren Herren“ weniger stark repräsentiert sind.

Die beiden Vorsitzenden sind sich ihrer Verantwortung bewusst und wollen penibel auf die Einhaltung der Gesundheitsvorschriften achten. Kriegbaum sieht die größte Herausforderung vor und nach der Probe. Beim Betreten des Raumes darf es zu keinem Stau kommen. Auch beim Finden des Sitzplatzes in der ungewohnten Anordnung dürfen sich die Sänger nicht zu nahe kommen. Nach der Probe müssen die „Hutbuben“ auf das traditionelle Schnäpschen und den „Steppel Fleischworscht“ verzichten.

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Noch kritischer ist die Altersstruktur beim Liederkranz Seidenbuch: Drei der noch aktiven 14 Sänger sind älter als 85 Jahre. Da überrascht es nicht, dass sich Vorsitzender Günther Rettig in Zurückhaltung übt. Er will den Juni noch abwarten und dann mit seinen Vorstandskollegen die Lage bewerten.

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Beim Sängerbund Kolmbach und bei der Eintracht Lindenfels wird frühestens im Juni wieder gemeinsam geprobt. Wolfgang Rausch, stellvertretender Vorsitzender des Sängerbundes, will sich diese Woche mit dem Vorstand und mit Chorleiter Johann Leber abstimmen, wann es wieder losgehen soll. Er zieht auch in Erwägung, die Chorwerkstatt früher an den Start gehen zu lassen als den Männerchor. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein gemischter Chor mit einem deutlich geringeren Durchschnittsalter als der traditionelle Männerchor.

Ein geeigneter Raum wäre in Kolmbach vorhanden: Im großen Saal des Dorfgemeinschaftshauses können 24 Stühle aufgestellt werden. Die Chöre müssten dann eine Etage tiefer proben als üblich, denn der Vereinsraum im Obergeschoss bietet nur Platz für acht Stühle.

Im Bürgerhaus in Lindenfels wären sogar 42 Plätze möglich, weit mehr als die Eintracht benötigt. Aber auch in der Kernstadt treibt den Vorsitzenden Otto Schneider die Sorge um die „älteren Herren“ um, die im Chor singen. Und es gibt zusätzlichen Abstimmungsbedarf: Die Lindenfelser proben gemeinsam mit dem Männerchor aus Gumpen und halten ihre Singstunde normalerweise abwechselnd im Lindenfelser Gasthaus Zur Ludwigshöhe und im Gumpener Sängerheim. ppp

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Philipp Kriegbaum
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