Im Gespräch - Fürths Bürgermeister Volker Oehlenschläger blickt bei seiner Einschätzung der aktuellen Situation auch über den Tellerrand hinaus B 38a könnte neue Probleme in Fürth verursachen

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arn
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Fürth. Wenn die Umgehungsstraße B 38a bei Mörlenbach gebaut wird, dann kann dies auch auf die Verkehrssituation in Fürth Auswirkungen haben. „Wir müssen das auf uns zukommen lassen und gegebenenfalls reagieren“, sagt Bürgermeister Volker Oehlenschläger dazu. Mit den beiden Ampelanlagen in der Ortsmitte gebe es Regulierungsmöglichkeiten. „Die müssen extrem gut geschaltet sein, um Staus vorzubeugen.“

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Dabei erinnert Oehlenschläger daran, dass die B 38a einst als ein zusammenhängendes Projekt für das ganze Weschnitztal vom Saukopftunnel bis hinter Krumbach konzipiert war. Gemeinsam mit dem Kreis Bergstraße und Rimbach hat Fürth bereits vor Jahren eine Machbarkeitsstudie für die Fortführung der Umgehung ab Mörlenbach erstellen lassen. „Die liegt längst vor“, so Oehlenschläger.

Der Fürther Bürgermeister weiß aber auch, dass zusätzliche Straßen nicht das Allheilmittel für Verkehrs- und Umweltprobleme sind. „Wir benötigen ein Gesamtkonzept, das Straße und Schiene sowie öffentlichen und individuellen Verkehr unter einen Hut bringt“, sagt er. Und in dieser Hinsicht sei bereits einiges auf den Weg gebracht: Im 30-Minuten-Takt bringen Züge und Busse die Leute von Fürth nach Weinheim oder Heppenheim. „Das war in meiner Jugend undenkbar“, erinnert sich Oehlenschläger.

Er verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass diese Stärkung des ÖPNV Bestandteil der Lokalen Agenda 21 gewesen ist – wie so einiges, was in Fürth in den vergangenen Jahren entwickelt worden sei. Zuletzt war der Vorwurf aufgetaucht, diese Form der Bürgerbeteiligung sei nicht weiter umgesetzt worden. Das weist der Rathauschef zurück: „In dieser Agenda 21 steht übrigens unter anderem drin, dass mehr Gewerbeflächen geschaffen werden sollen.“

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Überhaupt kann Oehlenschläger nicht verstehen, warum die Kritik an der Politik derzeit oft sehr scharf ist: „Ein Blick auf den Lebensstandard und die Zukunftsperspektiven sowie der Vergleich mit anderen Ländern zeigen, dass hier politisch in den vergangenen Jahrzehnten nicht so viel falsch gemacht worden ist“, sagt er – und bezieht dies auf die nationale Ebene ebenso wie auf die lokale.

„Erfolgsprojekt“ IKbit

Bezogen auf Fürth hebt der Bürgermeister unter anderem den Abbau der Kassenkredite hervor, die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise den Höchststand von 9,3 Millionen Euro erreicht hatten. „Das war nicht immer einfach“, bekennt Oehlenschläger. Voraussetzung ist aus seiner Sicht der konstruktive politische Dialog – für den es auch einen ausgleichend agierenden Vorsitzenden der Gemeindevertretung wie Rainer Gemmel brauche – sowie das gute Zusammenspiel von Politik und Verwaltung. „So haben wir es geschafft, dass wieder Geld für Investitionen frei ist.“

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Ein Erfolgsprojekt politischen Handelns ist für Oehlenschläger das interkommunale Breitbandnetz IKbit, bei dem Fürth die Federführung innehat und an dem auch die Stadt Lindenfels beteiligt ist: „Wir haben Geld in die Hand genommen, um Menschen die Möglichkeit zu bieten, sich hier zu entwickeln.“ Der nächste Schritt sei jetzt, die Hausanschlüsse flächendeckend auf Glasfaserkabel umzurüsten. „Ein riesiges Projekt“, wie der Bürgermeister bekennt. Es müsse noch vieles geklärt werden, unter anderem die Finanzierung, „aber es wird irgendwann kommen“.

„Beim Klimaschutz weit vorne“

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Beispiele für erfolgreiches politisches Handeln, von denen es aus Sicht Oehlenschlägers viele gibt: „Es stimmt einfach nicht, dass nichts getan wird“, sagt er. Dies gelte auch für den Klima- und Umweltschutz, bei denen Deutschland mit dem Atom- und dem Kohleausstieg oder beispielsweise auch der Mülltrennung Zeichen setze. „Wir sind da bereits weit vorne, es muss aber alles mit Bedacht geschehen.“

Das Argument, dass die Bundesrepublik mit ihrem im weltweiten Vergleich geringen Ausstoß von Kohlendioxid alleine nichts bewegen könne, lässt der Bürgermeister nicht gelten. Erstens stelle sich dies bei den Pro-Kopf-Zahlen schon anders da und zweitens „ist es unsere Aufgabe als führende Industrienation, zu zeigen, dass eine Energiewende bei gleichzeitigem Erhalt des Wohlstandes und industrieller Stärke möglich ist. Das ist nachhaltig, dann werden auch andere folgen.“

Oehlenschläger findet in diesem Zusammenhang deutliche Worte gegenüber Kritikern: „Die Einstellung ,Ihr könnt alles machen, bloß nicht vor meiner Haustür‘ funktioniert nicht.“ Viele Initiativen seien geleitet von persönlichen Befindlichkeiten. „Das ist legitim, aber dann sollte man sich nicht zum Kämpfer für die Allgemeinheit aufspielen.“ arn