Persönlich - Caroline El-Tibi aus Lautertal arbeitet als Coach und Beraterin mit Unternehmen und Privatpersonen Wenn Ängste den Blick verzerren

Von 
Thomas Tritsch
Lesedauer: 
Menschen und Unternehmen stecken oft in tradierten Mustern fest – so lautet eine Erkenntnis der Unternehmensberaterin Caroline El-Tibi aus Lautertal. © Neu

Lautertal. Bei ihrer Arbeit als Unternehmensberaterin hat sie immer wieder festgestellt, dass es nicht ausreicht, das System umzubauen. Die eigentliche Herausforderung liege darin, die Perspektive der Menschen darin zu erweitern und dessen schlummernde Potenziale zu wecken. „Es braucht beides, um eine dauerhafte Veränderung zu bewirken“, sagt Caroline El-Tibi. Als Coach begleitet sie nicht nur Unternehmen, Organisationen Privatpersonen auf deren individuellen Weg zum Ziel – sie unterstützt sie auch dabei, neben konzeptuellen Fragen auch innere Zusammenhänge zu erkennen und die Grenzen in den Köpfen zu überwinden.

AdUnit urban-intext1

Ihr Büro hat sie im Heidelberger Bahnstadt-Quartier. Zuhause ist Caroline El-Tibi seit zwei Jahren in Lautertal. Der Wald im unmittelbaren Umfeld ist für sie nicht nur natürliche Kraftquelle, sondern auch ein Ort der Inspiration und Harmonie. Manchmal finden hier, ebenso wie am Heidelberger Neckarufer, auch Gespräche mit Klienten statt. Egal, ob im betrieblichen Rahmen oder im biografischen Kontext: immer geht es dabei um eine bewusste Selbstwahrnehmung und unverbaute Reflexion der eigenen Lebens- oder Berufssituation. „Coaching ermöglicht es, sich wie in einem Spiegel zu sehen und blinde Flecken oder innere Blockaden klar zu erkennen.“

Das ganze Potenzial eines guten Coachings hat die zweifache Mutter selbst als Klientin kennengelernt, als sie nach einer längeren Elternzeit wieder zurück ins Berufsleben einsteigen wollte. Ihr selbstbewusstes Auftreten von damals war etwas gebröckelt: Da war dieses bissige Gefühl, dass die Business-Pause an ihrer professionellen Reputation genagt haben könnte. „Das Coaching hat mir die Brille geputzt“, so Caroline El-Tibi im Gespräch mit dem Bergsträßer Anzeiger. Sie habe dabei erkannt, dass diese verschleierte Angst allein in ihrem Denken präsent war und nichts mit den realen Gegebenheiten zu tun hatte. Für sie war diese Erkenntnis ein starker Impuls, um die Bereiche Unternehmensberatung und Coaching zusammen zu bringen.

Gespräche mit „Aha-Effekten“

Während sich die klassische Unternehmensberatung auf die Optimierung des Systems konzentriert, gehe es beim Coaching um eine nachhaltige Umsetzung von Veränderungsprozessen. „Der Schlüssel ist allein der Mensch“, betont die erfahrene Beraterin. Im Fokus stehen dabei nicht nur Führungskräfte, sondern auch Teams und der einzelne Mitarbeiter. Es gehe darum, die kollektive Intelligenz eines Unternehmens aktiv zu nutzen und unnötige Grenzen in den Köpfen einzureißen. „Der Kurs lautet fast immer: Wir wollen raus aus einer festgefahrenen Situation.“

AdUnit urban-intext2

Immer wieder stelle sie fest, dass Menschen – aber auch betriebliche Strukturen – in tradierten Mustern gefangen seien. Die Folge: Man dreht sich um die eigene Achse, während der Blick kaum über den Horizont hinaus reicht. Der Blick durch die persönliche Brille sei aber oftmals ein verzerrter, bei dem bestimmte Dinge nicht oder nur schemenhaft wahrgenommen würden. „Ein Filter, der das Verhalten beeinflusst und nicht selten auch beeinträchtigt“, so Caroline El-Tibi. Ein gutes Coaching könne „Aha-Effekte“ auslösen. Bei ihren Gesprächen erlebe sie das regelmäßig.

Der Begriff des Coachings wurde vom Sport auf den unternehmerischen Kontext übertragen und dehne sich heute weiter auf praktisch alle Lebensbereiche aus, erklärt die Expertin. Profitieren könne jeder, der neue Ziele definieren oder Situationen verändern möchte. Aber auch Menschen mit dem Gefühl einer Orientierungslosigkeit oder fehlenden Lebensdynamik gehören zur klassischen Klientel. „Man ist Vertrauensperson, Wegbegleiter und Impulsgeber.“ Auch für Mitarbeiter und Vorgesetzte, wenn es darum geht, die Motivation des Teams zu stärken, es auf neue Herausforderungen vorzubereiten oder Hierarchien zu verändern und die Identifikation mit der Firma zu festigen. „70 Prozent der Beschäftigten leisten Dienst nach Vorschrift“, zitiert sie aus einer relativ aktuellen Gallup-Studie. Mit der emotionalen Bindung zum Arbeitgeber ist es also nicht allzu gut bestellt. Die Ressource Mensch werde in der Wirtschaft grundsätzlich unterschätzt. „Dabei handelt es sich dabei um den mit Abstand wertvollsten Schatz.“

AdUnit urban-intext3

Eine spezielle Facette stellt das Co-active Coaching dar. Hierbei handelt es sich um dynamische Methode, die Denken und Sein, Handeln und Fühlen ganzheitlich betrachtet und dem kreativen und eigenständigen Menschen sämtliche Entscheidungsfreiheiten überlässt. Es gehe darum, ihn zu unterstützen und in seiner Verantwortung zu stärken, so El-Tibi. Ein Modell, das unter anderem auf der kognitiven Verhaltenstherapie und der positiven Psychologie basiert. Nicht das Beseitigen von Mängeln stehe im Vordergrund, sondern allein die Entfaltung des Einzelnen.

Furcht vor Versagen als Hindernis

AdUnit urban-intext4

Ein Ansatz, der auch in Unternehmen seht gut anwendbar sei, so die Beraterin. Als Beispiel nennt sie Versagensängste im Job. „Ein Bremsklotz für den Mitarbeiter wie für den gesamten Betrieb.“ Solche Blockaden zu erkennen, sei ein wichtiger Schritt nach vorn. Vor allem in einer Unternehmens-Umgebung, in der eine positiv-konstruktive Fehlerkultur wenig ausgeprägt sei. „In Deutschland ist das allzu oft der Fall.“ Caroline El-Tibi weiß aus eigener Erfahrung, dass ein einziger erfolgreich gecoachter Mitarbeiter Auswirkungen auf sein unmittelbares Umfeld ausüben kann. Dies führe im Idealfall dazu, dass ganze Strukturen neu gedacht und ganzheitlich bewertet werden.

Elf Jahre hat sie mit ihrer Familie in Dubai gelebt. In einem sehr multikulturellen Umfeld hat sich ihr globales Denken erweitert und eine tiefe Wertschätzung für kulturelle Vielfalt entwickelt. Eigenschaften, die Caroline El-Tibi auch bei ihrer Arbeit mit unterschiedlichsten Menschen und internationalen Unternehmen zu Gute kommt, wie sie selbst sagt. „Denn die Dinge, die uns alle verbinden, wie Glück und Anerkennung, sind von universaler Gültigkeit.“

Freie Autorenschaft