Neunkircher - Seit 1962 steht der Radarturm der Deutschen Flugsicherung im Wald bei Gadernheim / Seit den 90er Jahren wird er unbemannt betrieben Wächter über den Luftraum

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Unter Spaziergängern zieht er regelmäßig neugierige Blicke auf sich, der Radarturm auf der Neunkircher Höhe. Gut sichtbar dreht sich auf seinem Dach die Parabolantenne, mit der die Anlage den Luftraum in einem Radius von 145 Nautischen Meilen überwacht – was 268,5 Kilometern entspricht.

1962 wurde der Radarturm auf der Neunkircher Höhe erbaut, der den südwestdeutschen Luftraum überwachen soll. Seit den 90er Jahren ist er nicht mehr bemannt, die Daten, die er sammelt, überträgt er per Richtfunk und Erdleitungen. © Neu
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Die Anlage wurde 1962 erbaut und dient zur Überwachung des südwestdeutschen Luftraums. Sie war früher mit Personal der Bundesanstalt für Flugsicherung (BFS) und später der DFS – Deutsche Flugsicherung (ab 1993) – besetzt.

Der Ingenieur Christian Hülsmeyer gilt als Erfinder des Radars

Der Gedanke, elektromagnetische Wellen zur Ortung (zu Beginn von Schiffen) auszunutzen, ist bereits 1904 von dem Düsseldorfer Ingenieur Christian Hülsmeyer in Deutschland und England als Patent angemeldet worden.

Am 30. April 1904 wurde beim kaiserlichen Patentamt unter der Nummer 165 546 das von Christian Hülsmeyer entwickelte „Verfahren, um entfernte metallische Gegenstände mittels elektrischer Wellen einem Beobachter zu melden“, patentiert. Zusätzlich zu diesem Telemobiloskop (Fernbewegungsseher) wurde Hülsmeyer ein Patent über die Entfernungsmessung erteilt. Diese Patente wurden auch in England und Frankreich erteilt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Radarverfahren für militärische Anwendung weiterentwickelt. Heute ist eine zivile Nutzung von Radaranwendungen in vielen Bereichen normal.

In England wurde Robert Watson-Watt lange als Erfinder des Radars angesehen. Das führte in den 50er Jahren zu politischen Verwicklungen, als Churchill Watson-Watt adeln wollte. Damals einigte man sich auf die Formulierung „einer der Erfinder des Radars“.

Heute erkennt auch die britische wissenschaftliche Gesellschaft an, dass Christian Hülsmeyer als alleiniger Erfinder des Radars angesehen werden muss. eh

Bis in die 90er Jahre hinein waren rund um die Uhr Mitarbeiter am Turm. Danach wurde sie auf unbemannten Betrieb umgestellt. Die Informationen werden über Richtfunk zur DFS nach Langen und über eigene Erdleitungen an die Kontrollzentralen nach Karlsruhe, Langen und Maastricht übermittelt. Nur zu Reparatur- und Wartungsarbeiten kommen heute noch Mitarbeiter zum Turm.

Der Erste seiner Art

Von 1955 bis 1959 nahm die damalige BFS die ersten Radare für die zivile Flugsicherung in Betrieb, ASR (Airport Surveillance Radar) an fünf Flughäfen. Zur gleichen Zeit wurde der Aufbau von drei zivilen Streckenradaren geplant. In diesem Zuge wurde 1962 das erste Radar,Typ GRS (Groß-Rundsicht Radar) der Firma Telefunken, auf der Neunkircher Höhe in Betrieb genommen.

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Die GRS-Anlagen sollten möglichst hoch aufgestellt werden, um den Flugverkehr über der gesamten damaligen Bundesrepublik (Westzonen und Berlin-Korridore) kontrollieren zu können. Man wählte daher für Frankfurt und Hannover möglichst hohe Berge in der Nähe der Nutzer, die aber noch Sichtverbindung zu den Flughäfen haben mussten. Damit die Anwohner nicht durch die Antriebsgeräusche der Antenne gestört werden, ist der Turm in den Wald gebaut und in der näheren Umgebung kaum sichtbar.

Standort war nur zweite Wahl

Wie kam es zur Auswahl des Standortes auf der Neunkircher Höhe? Es war ein Standort nötig, der möglichst hoch, hindernisfrei und nicht von Post, Rundfunk, Aussichtstürmen oder bereits von den Alliierten belegt war.

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Der Knackpunkt war allerdings die unbedingt erforderliche Sichtverbindung zum Flughafen Frankfurt. Man benötigte zur Datenübertragung Breitband-Richtfunkanlagen. Die Neunkircher Höhe war eigentlich nur „zweite Wahl“, Standorte wie der Feldberg oder der Melibokus waren aber schon belegt.

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Die technisch veralteten Anlagen wurden von 1983 bis 1988 gegen moderne SRE-M-Anlagen (Surveillance Radar Equipment – Medium Range) des Herstellers AEG-Telefunken ausgetauscht. Die neue Anlage ging 1987 auf der Neunkircher Höhe in Betrieb.

Modernisierung im Jahr 2003

Ende der 80er Jahre begann man mit Überlegungen, die alten Geräte mit modernen Prozessoren auszurüsten. Marktanalysen ergaben, dass ein kompletter Austausch der alten Anlagen gegen neues Gerät mit Prozessor und M-SSR (Monopuls-SSR) kaum teurer war, als die Anpassung der bestehenden Anlagen an neue Prozessoren. Das REMP-Projekt (Radar-Ersatz- und -Modernisierungs-Programm) war geboren.

Als eine der letzten Anlagen in REMP wurde die Anlage auf der Neunkircher Höhe ausgerüstet. Sie behielt das Primärradarsystem von AEG Telefunken, bekam aber gleich die modernste Mode S Sekundärradartechnologie implementiert. In dieser Konfiguration erfolgte die Inbetriebnahme 2003. Die

DFS betreibt heute 30 Radaranlagen in Deutschland, davon 14 an den internationalen Verkehrsflughäfen, 15 Mittelbereichsanlagen (davon sechs SRE-M) und eine Testanlage, die zeitweise auch betrieblich genutzt wird.

In Hessen befinden sich drei Radaranlagen: Eine ASR (Airport Surveillance Radar) am Flughafen Frankfurt, die Testanlage in Götzenhain im Landkreis Offenbach und die Anlage auf der Neunkircher Höhe.